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Deutsche Bank „Die Aktie kann sich verdoppeln“

Die meisten Fonds haben ihren Anteil an der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren massiv reduziert, die Aktie hat über fünf Jahre mehr als 70 Prozent an Wert verloren. Quelle: imago images

Kaum ein Investor glaubt noch an die lädierte Deutsche Bank – außer Thilo Müller. Im Interview erklärt der Fondsmanager, warum er im großen Stil bei dem Geldhaus eingestiegen ist und wieso der Umbau gelingen kann.

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Thilo Müller, Co-Geschäftsführer des Limburger Vermögensverwalters MB Fund Advisory Quelle: PR

Thilo Müller, 51, ist Co-Geschäftsführer des Limburger Vermögensverwalters MB Fund Advisory, der sich um fünf Fonds kümmert, unter anderem den MB Fund Max Value. In das Anlagevehikel haben Sparer 85 Millionen Euro gesteckt, fast 5,3 Prozent des Geldes hat der Fonds derzeit in Aktien der Deutschen Bank investiert. Zum Vergleich: Im hiesigen Leitindex Dax macht das größte Geldhaus der Republik derzeit gerade einmal mehr als ein Prozent aus, Müllers Fonds ist also gemessen daran im großen Stil bei dem Institut eingestiegen. Der Fonds ist nur einer von drei aktiven Fonds überhaupt, bei denen die Deutsche Bank noch zu den zehn größten Positionen im Portfolio gehört.

Herr Müller, die meisten Fonds haben ihren Anteil an der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren massiv reduziert, die Aktie hat über fünf Jahre mehr als 70 Prozent an Wert verloren. Sie dagegen sind groß eingestiegen. Warum glauben Sie noch an die Deutsche Bank?
Die Aktie des Instituts ist derzeit sehr billig, der Gesamtwert der Bank an der Börse entspricht derzeit nur 25 Prozent ihres Buchwerts, also dem Eigenkapital der Bank. Wir sehen uns als langfristige Investoren, die möglichst günstig einkaufen – und genau eine solche Chance sehen wir bei dem Geldhaus. Das bedeutet auch: Manchmal stellen wir uns gegen die Mehrheit der anderen Investoren.

Die Aktie ist schon seit Langem billig – und trotzdem immer tiefer gefallen. Haben Sie keine Angst davor, dass das Papier noch weiter sinkt? 
Wir haben schon länger bei der Deutschen Bank investiert und haben unseren Anteil kontinuierlich aufgestockt. Natürlich sind wir nicht glücklich damit, wie sich der Kurs seitdem entwickelt hat, schließlich ist er weiter gesunken. Aber bei unserem Anlagestil sind wir vielleicht manchmal zu früh investiert. Und die schlechten Nachrichten rund um die Deutsche Bank sind doch jetzt wirklich alle bekannt: Die Razzien und die vielen Rechtsstreitigkeiten, die erst erwartete und dann wieder abgeblasene Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank, die dem Institut geholfen hätte. All diese Informationen spiegelt der Kurs wider, was soll da jetzt noch kommen?

Viele Beobachter fürchten, dass der im Sommer von Bankchef Christian Sewing angekündigte Umbau nicht klappen wird, mit dessen Hilfe er das Geldhaus bis 2022 sanieren will.
Die Investoren preisen nur die Wahrscheinlichkeit ein, dass die neue Strategie scheitert. Deshalb kostet die Aktie so wenig. Aber was, wenn der Umbau ansatzweise klappt?

Die Bank hat bei Ihrem Investorentag vor einigen Wochen ihr Ertragsziel für 2022 endgültig gekappt, statt 25 Milliarden Euro sind jetzt nur noch 24,5 Milliarden Euro drin. Ist das kein Warnzeichen, das alle Skeptiker bestätigen dürfte?
Das Ertragsziel ist jetzt gerade einmal 500 Millionen Euro niedriger als zuvor, das ist für ein großes Unternehmen wie die Deutsche Bank kein riesiger Wert.

Weniger Ertrag bedeutet vermutlich auch weniger Rendite.
Sie haben natürlich insofern recht, als dass die Bank keine große Wachstumsgeschichte ist. Der frühere Vorstandschef Josef Ackermann hatte ja mal das Ziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite ausgegeben, die wird das Institut in absehbarer Zeit auf keinen Fall mehr erreichen. Das Ziel für 2022 sind relativ bescheidene acht Prozent. Aber: Unsere Anlage kann auch dann aufgehen, wenn die Bank nicht jedes selbstgesteckte Ziel erreicht. Die Richtung muss stimmen.

Enttäuscht es Sie nicht, wenn das Geldhaus seine Versprechen wie beim Ertrag nicht einhält?
Die Bank hat doch in den vergangenen Monaten und Jahren bei vielen Punkten geliefert. Das fängt bei ihrer Bilanz an, deren Volumen von 2,2 Billionen Euro im Jahr 2008 auf zurzeit 1,5 Billionen Euro gesunken ist. Die Differenz ist größer als die gesamte Bilanzsumme der Commerzbank, was zeigt, was die Deutsche Bank bereits geschafft hat. Zudem hat sie bei den Kosten Wort gehalten, die sind gesunken. Wichtiger als 500 Millionen Euro mehr oder weniger Ertrag ist nämlich, ob Sewing die Ausgaben in den Griff kriegt. Es wäre deshalb sehr wichtig, Boni-Exzesse zu vermeiden.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Bank die Boni für 2019 um 20 Prozent kürzen will. Zudem hat sie bereits seit Sommer viele Mitarbeiter entlassen.  
Ja, deren Zahl ist von 97.000 auf 90.000 gesunken. Wenn die Kosten jetzt weiter wie versprochen sinken und die Erträge etwas steigen oder sich auch nur stabilisieren, bleibt am Ende mehr Gewinn als bisher für uns Aktionäre übrig. Das ist doch das Entscheidende. Vergessen Sie auch nicht, dass die Ergebnisse in den vergangenen Jahren extrem stark unter den Rechtsfällen gelitten haben. So viel Geld wird die Deutsche Bank aber künftig nicht mehr ausgeben müssen. Wir glauben deshalb: Die Aktie kann sich in den nächsten Jahren durchaus verdoppeln – und dann entspräche der Gesamtwert der Bank immer noch nur 50 Prozent ihres Buchwerts.

Manche in Frankfurt sehen Sewing kritisch. Er beschönige die immer noch bescheidene Lage der Bank. Warum ist so einer der richtige für den existenziellen Umbau des Instituts?
Weil er die Bank kennt und weiß, wo das Institut effizienter werden kann. Und mit den gesunkenen Kosten hat er bewiesen, dass das Institut jetzt auch mal Dinge umsetzt – und nicht nur rumphilosophiert wird, wie es mit dem Geldhaus weitergehen könnte. Er verkörpert auch nicht die Gier der Londoner Investmentbanker, die dem Institut solange geschadet haben. Das verleiht ihm eine gewisse Glaubwürdigkeit. 

Reicht Glaubwürdigkeit allein aus, um den Umbau zu wuppen?
Die Bank hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast ausnahmslos in einer Todesspirale befunden, weil sie bei jedem Mist mitgemacht hat. Aber daraus kann sich das Unternehmen nun vermutlich befreien, denn Sewing hat das Institut stabilisiert. Das hilft der Bank zum einen, sich günstiger zu refinanzieren, was wiederum ihre Kosten senkt. Zum anderen werden dann auch die Kunden wieder lieber Geschäft mit dem Institut machen, wenn Sewing seiner Mannschaft eintrichtern kann, sie trotz Umbau weiter im Blick zu haben. Gelingt das, werden die Erträge steigen. Aber wir wissen: Wir brauchen Geduld.

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