Deutsche Bank: Die verzweifelte Suche nach Schuldigen
Raimund Röseler ist ein Freund klarer Worte. Mit denen hat der oberste Bankenaufseher der deutschen Finanzaufsicht BaFin in der Vergangenheit immer wieder Missstände bei der Deutschen Bank kritisiert, mehr Kontrollen und Eifer bei der Aufklärung ihrer Affären angemahnt. Ausgerechnet Röseler spendete nun am Dienstag dem gebeutelten Institut Trost. „Die Bank hat geeignete Maßnahmen angestoßen, um Probleme, die wir adressiert haben, zu lösen“, sagte Röseler. „Wir sehen sie auf völlig richtigem Weg.“
Mit dieser Einschätzung ist der Aufseher derzeit allerdings ziemlich allein. Bei der Hauptversammlung am Donnerstag dürfte das Lob von ungewohnter Seite jedenfalls kaum Resonanz finden. Die Zeichen stehen auf Tumult, Gründe dafür gibt es reichlich. Der Aktienkurs: auf Dauertalfahrt. Die Dividende: fällt aus. Ein Ende der zahllosen Rechtsverfahren: nicht absehbar. Die langfristigen Perspektiven des Geschäftsmodells: äußerst ungewiss.
Der Unmut der Aktionäre richtet sich zunehmend gegen diejenigen, die das Desaster in ihren Augen angerichtet oder zumindest verschlimmert haben. Mehr als zwölf Milliarden Euro hat die Bank seit 2012 für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten ausgegeben. Am Pranger steht nun vor allem der frühere Vorstand um den im vergangenen Juni abgelösten Co-Chef Anshu Jain. Er soll die Aufklärung von Skandalen wenn nicht hintertrieben, so doch verzögert und der Bank so zusätzlichen Schaden zugefügt haben. Investoren drängen darauf, dass das Institut deshalb Regressansprüche prüft – und sie im Zweifel entschlossen durchsetzt.
Mai 2016
Der italienische Staatsanwalt Michele Ruggiero ermittelt wegen Marktmanipulation gegen die Deutsche Bank und fünf aktuelle und ehemalige Top-Manager. Es geht um den Verkauf von italienischen Staatsanleihen im Wert von sieben Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2011. Die Deutsche Bank soll öffentlich versichert haben, dass die italienischen Staatsschulden stabil seien, gleichzeitig aber den Märkten und dem Finanzministerium in Rom verschwiegen haben, dass sie ihre eigenen Bestände drastisch abbauen werde.
Foto: REUTERSMai 2016
Die Deutsche Bank legt ein Verfahren in den USA außergerichtlich bei. Sie zahlt 50 Millionen Dollar wegen des Vorwurfs der Manipulation des Marktindexes Isdafix. Mehrere Pensionsfonds und Kommunen hatten insgesamt 14 Banken vorgeworfen, den Wettbewerb auf dem Markt für sogenannte Zinsswaps behindert zu haben.
Foto: REUTERSMai 2016
Die britische Finanzaufsicht FCA wirft der Deutschen Bank grobe Versäumnisse bei ihren Kontrollsystemen vor. Die Aufsicht kritisiert die Vorkehrungen des Instituts gegen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Sanktionsverstöße. Diese wiesen "systematische Mängel" auf. Führungskräfte seien nicht ausreichend im Kampf gegen Finanzkriminalität engagiert.
Foto: REUTERS28. April 2016
Dieser Ärger ist hausgemacht: Georg Thoma, Leiter des Integritätsausschusses im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, legt sein Amt nach massivem Druck seiner Kollegen nieder. Da Thoma vor allem die Aufklärung von Skandalen vorantreiben sollte, verunsichert sein Rückzug die Investoren.
Foto: dpa25. April 2016
Ausnahmsweise mal ein juristischer Erfolg für die Bank. Das Münchner Landgericht spricht Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen und vier Ex-Spitzenbanker vom Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs frei. Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, im Zivilprozess um die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch gelogen zu haben.
Foto: dpa22. April 2016
Aktionärin Marita Lampatz verlangt eine umfangreiche Sonderprüfung bei der Deutschen Bank. Neben vergangenen Jahresabschlüssen soll ein externer Experte auch Schadenersatzansprüche gegen Aufsichtsratschef Paul Achleitner und andere Topmanager wegen des Libor-Zinsskandals prüfen. Über den Antrag entscheidet die Hauptversammlung am 19. Mai.
Foto: dpaApril 2016
Die Veröffentlichung der „Panama Papers“ zeigt, dass rund 30 deutsche Banken in den vergangenen Jahren die Dienste der Kanzlei Mossack Fonseca genutzt und mit ihrer Hilfe Briefkastenfirmen aufgesetzt haben. Auch die Deutsche Bank ist dabei.
Foto: REUTERSJanuar 2016
Vorstandschef John Cryan bestätigt, dass der Vorstand der Bank eine Untersuchung gegen ein Mitglied des Aufsichtsrats eingeleitet hat. Der Vorsitzende des Kontrollgremiums Paul Achleitner könnte die Aufklärung der Libor-Affäre verzögert haben, weshalb die britische FCA die Strafe für die Bank um 100 Millionen Pfund erhöhte. Sollte Achleitner schuldhaft gehandelt haben, drohen Schadenersatzforderungen.
Foto: dpaDezember 2015
Schon länger ermitteln Aufseher und interne Kontrolleure wegen eines Geldwäschefalls in Russland. Nun wird publik, dass dieser mit zehn Milliarden Euro größer als bisher bekannt ausfallen dürfte. Außerdem könnte die Bank gegen Sanktionen verstoßen haben. Es drohen hohe Bußen.
Foto: dpaNovember 2015
Der Pensionsfonds für Lehrer aus Chicago hat bei einem Bundesgericht in Manhattan Klage unter anderem gegen die Deutsche Bank eingereicht. Mit anderen Banken soll sie versucht haben, die Fondsmanager vom elektronischen Handel mit Zinsswaps fernzuhalten.
Foto: REUTERSOktober 2015
Deutsche-Bank-Chef John Cryan schreibt Firmenwerte radikal ab und erhöht die Rückstellungen für Prozesse deutlich. Das führt zu einem Quartalsverlust von rund sechs Milliarden Euro – der höchste in der Geschichte der Bank.
Foto: dpaSeptember 2015
Die Deutsche Bank ist zusammen mit anderen Geldhäusern wegen möglicher illegaler Preisabsprachen im Edelmetallhandel im Visier von Schweizer Beamten. Die Schweizer Wettbewerbskommission verfüge über Anhaltspunkte, dass sieben Institute möglicherweise unzulässige Absprachen im Handel mit Edelmetallen getroffen hätten, teilte die Behörde mit.
August 2015
Frankfurter Staatsanwälte klagen Beschäftigte der Deutschen Bank wegen Mittäterschaft bei besonders schwerer Umsatzsteuerhinterziehung an. Die Beschuldigten sollen 2009 und 2010 beim Handel mit Verschmutzungsrechten dubiosen Firmen geholfen haben, den Fiskus um mehrere Hundert Millionen Euro zu betrügen.
Foto: REUTERSJuli 2015
Ein Zwischenbericht der Finanzaufsicht Bafin gelangt an die Öffentlichkeit. In diesem wirft die Behörde Topmanagern der Bank schwere Versäumnisse im Zusammenhang mit der Manipulation des Referenzzinses Libor vor.
Foto: dpa07. Juni 2015
Aus für Anshu Jain. Die Deutsche Bank ersetzt den bisherigen Co-Chef durch den Briten John Cryan. Jains Position war auch durch seine mögliche Verbindung zu zahlreichen Skandalen im Investmentbanking unhaltbar geworden.
Foto: dpaDie beiden Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain (l) und Jürgen Fitschen, lächeln am 21.05.2015 während der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Festhalle in Frankfurt am Main (Hessen). Die Deutsche Bank hat kurz vor der Hauptversammlung ihren Vorstand kräftig umgebaut. Dabei erhält der vor allem in Deutschland umstrittene Jain deutlich mehr Macht. Foto: Arne Dedert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Foto: dpaMai 2015
Eklat bei der Hauptversammlung: Nur 60 Prozent der Aktionäre stimmen der Entlastung des Vorstands zu. Ein derartiges Misstrauensvotum ist ziemlich beispiellos.
Foto: dpaApril 2015
Dieser Frieden ist teuer erkauft: Die Deutsche Bank muss für die Manipulation der Libor-Zinsen eine Rekordstrafe von 2,3 Milliarden Euro zahlen. Britische und amerikanische Behörden sehen sie im Mittelpunkt des Skandals. Außerdem werfen sie ihr unkooperatives Verhalten vor.
Foto: dpa
Damit muss nicht nur Jain rechnen. Aktionäre wollen Sonderprüfungen durchsetzen, bei denen Gutachter unabhängig in der Bank ermitteln und das Ergebnis anschließend öffentlich machen. Solche Untersuchungen sind aufwendig und teuer, könnten aber zu Erkenntnissen führen, die über intern bereits laufende Verfahren hinausgehen. „Die Anträge zeigen, wie sehr die Aktionäre der Bank misstrauen. Offenkundig wollen sie die Verantwortlichen bestrafen“, sagt ein auf die Aufklärung von Skandalen in Unternehmen spezialisierter Anwalt.
Strafe deutlich erhöht
Ansatzpunkte dafür bietet vor allem die unglücklich verlaufene Beilegung der Verfahren rund um die Manipulation des Referenzzinses Libor. Nach quälend langen Verhandlungen hatte die Bank sich vor gut einem Jahr mit den britischen und amerikanischen Behörden geeinigt. Mit 2,2 Milliarden Euro musste sie die höchste aller in diesem Zusammenhang verhängten Strafen zahlen.
In ihren Abschlussberichten haben die Behörden die mangelhafte Kooperation des Instituts scharf kritisiert. Die britische FCA erhöhte ihre Strafe deshalb um rund 100 Millionen Pfund, auch die US-Behörden legten wegen der angeblichen Verzögerungstaktik bei der Buße einen ungenannten Betrag drauf.
Das hat den Aufsichtsrat schon vor Monaten auf den Plan gerufen. Seit dem vergangenen Herbst läuft eine von ihm angestoßene kritische Würdigung der Rolle Jains und einiger Kollegen. „Da kein früherer Vorstand mehr im Amt ist, gibt es keinen Grund, an der Objektivität zu zweifeln“, heißt es in der Bank. „Die Untersuchung läuft strukturiert und professionell“, sagt ein Aufsichtsrat. Sollte sich der Verdacht auf ein Verschulden bestätigen, müssten die früheren Vorstände vermutlich Millionen an ihren Exarbeitgeber zahlen.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)
Die Bundesregierung ist nach eigenen Angaben nicht beunruhigt ob der Aktienkursentwicklung der Deutschen Bank. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte, er mache sich „keine Sorgen“ um die Deutsche Bank.
Foto: dpaMartin Wansleben
Die Wirtschaft macht sich da schon mehr Gedanken über den Zustand des Geldhauses. „Uns macht natürlich Sorgen, was da geschieht“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. Die deutsche Wirtschaft mit ihren vielen mittelständischen Firmen und Familienunternehmen brauche starke Banken auf dem Heimatmarkt: „Keine Volkswirtschaft ist so sehr darauf angewiesen, dass Banken ausreichend Darlehen geben.“
Regierungspolitiker
Am deutlichsten bringt es ein Koalitionspolitiker hinter vorgehaltener Hand auf den Punkt: „Hier geht es nicht um Kapitalismus, sondern um Gesellschaftspolitik.“ Die Deutsche Bank mit ihren bekannten Doppeltürmen in Frankfurt sei ein „Symbol nationaler Identität“. Trotz der Misere gibt es de facto also eine Bestandsgarantie. „Bei einem Übernahmeversuch würde die Regierung intervenieren.“
Foto: REUTERSJohn Mack, ehemaliger CEO von Morgan Stanley
Die Deutsche Bank als größter Kreditgeber Deutschlands sollte Anlegern Vertrauen in ihre Fähigkeit geben, Schuldzinsen zu zahlen, sagte John Mack, der ehemalige CEO von Morgan Stanley. „Die Leute reagieren über“, sagt Mack. „Ihr Name ist Deutsche Bank. Sie ist die Deutsche Bank. Wenn es nötig ist, spannt die Regierung ein Sicherheitsnetz.“
Foto: REUTERSFondsmanager Marc Hellingrath, Union Investment
“Die Niedrigzinsen lasten schwer auf den Märkten, die Kreditvergabe gerät ins Stocken, und im Wertpapierhandel halten sich die Kunden zurück,” sagte der Fondsmanager Marc Hellingrath von Union Investment.
Foto: imago imagesChristian Gattiker, Chefstratege und Leiter Research bei Julius Bär
Deutsche Ankündigungen bezüglich der Deutschen Bank hätten ein wenig vom generellen Bedenken am System genommen, sagte Christian Gattiker, Chefstratege und Leiter Research bei Julius Bär. „Investoren drängen auf eine Antwort auf die Fragen des europäischen Bankensystems – zumindest bekamen sie eine Antwort. Es ist nicht eine Wiederholung der Finanzkrise.“
Foto: REUTERS
Aktionäre sind vom Willen zur bedingungslosen Aufklärung jedoch nicht überzeugt. Aus ihrer Sicht ist es besonders heikel, dass mit Paul Achleitner auch ein amtierender Amtsträger unter Beschuss steht. Der Aufsichtsratschef taucht im Bericht der britischen FCA zur Libor-Affäre auf. Der Vorstand der Bank hat deshalb eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet.
In Achleitners Umfeld war zuletzt von einem Routineverfahren die Rede, das möglichst vor dem Aktionärstreffen abgeschlossen sein sollte. Das dürfte nun wohl nicht mehr klappen. Vom Wert der internen Prüfung sind einige Aktionäre ohnehin nicht überzeugt. Mit der Begründung, dass die Untersuchungen sowieso im Sande verlaufen würden, hat die Aktionärin Marita Lampatz als Erste eine Sonderprüfung gefordert. Nur ein externer Experte könne das Thema korrekt bewerten.
Mittlerweile haben sich dem Begehren gewichtige Stimmen angeschlossen. So befürworten auch die einflussreichen Aktionärsberater ISS und Glass Lewis die Sonderprüfung. Es bestünden „erhebliche Zweifel an der Fähigkeit des Aufsichtsrats, mögliches Fehlverhalten seiner Mitglieder zu untersuchen“, heißt es in der ISS-Empfehlung.
Gewachsen sind die Bedenken durch den überraschenden Abgang des Aufsichtsrats Georg Thoma vor zwei Wochen. Der Anwalt hatte im Kontrollgremium den Ausschuss für Integrität geleitet, er war damit entscheidend an der Aufarbeitung juristischer Altlasten beteiligt. Mehrere Mitglieder des Kontrollgremiums meinen, dass Thoma seine Kompetenzen zunehmend überschritten hat. Sein Abschied weckt jedoch Befürchtungen, dass eine radikale Aufklärung bei der Bank nicht mehr erwünscht ist.
Auf allen Ebenen der Bank wird das bestritten. In Kreisen des Aufsichtsrats heißt es zudem, dass Mitglied Frank Bsirske bei einer Sitzung im Sommer als Erster die Frage aufwarf, ob die Aufarbeitung der Vergangenheit allmählich aus dem Ruder laufe. Der Chef der Gewerkschaft Verdi sollte der Vertuschung eigentlich unverdächtig sein.
Fehler im System
Tatsächlich hat der Aufsichtsrat in den vergangenen Jahren in etlichen Fällen mögliche Verfehlungen von Vorständen untersucht. Wie es in seinem Umfeld heißt, gab es seit 2012 rund ein Dutzend Verfahren. Erforderlich werden die, wenn sich ein Vorstand möglicherweise falsch verhalten oder Fehler durch mangelhafte Organisation in seinem Zuständigkeitsbereich begünstigt hat. Wenn der Aufsichtsrat nicht untersucht, haftet er im Zweifel selbst.
Anlässe dafür gab es reichlich. Neben der Libor-Manipulation hat die Bank auch mögliche Tricksereien im Devisen- und Edelmetallhandel sowie ihre Beteiligung an zweifelhaften Geschäften des italienischen Skandalinstituts Monte Paschi überprüft. Als die BaFin 2013 monierte, die Deutsche Bank treffe keine ausreichenden Vorkehrungen gegen Geldwäsche, ließ der Aufsichtsrat die Rolle des damals zuständigen Vorstands Stephan Leithner kontrollieren. Sanktionen blieben aus.
Außer Konkurrenz: KBC
Um mit einem Positivbeispiel anzufangen: Einst musste die belgische Bank KBC vor der Pleite gerettet werden. Mittlerweile hat sich das Institut gesund geschrumpft und die letzten Staatshilfen zurückgezahlt. Anleger honorieren das. Derzeit kostet es gut 60.000 Euro, um sich gegen den Ausfall von KBC-Anleihen im Umfang von zehn Millionen Euro abzusichern. Damit steht der Finanzkonzern besser da als viele seiner namhafte Konkurrenten. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis, also der Börsenwert im Verhältnis zum Eigenkapital der Bank, liegt mit 1,23 sogar über der magischen Schwelle von 1,0. Mit solch guten Relationen können sonst nur einige skandinavische Häuser wie SEB oder Danske Bank aufwarten.
Foto: REUTERSRang 10: UBS
UBS-Vorstandschef Sergio Ermotti hat gut lachen: Auch die Schweizer UBS steht in der Gunst der Investoren relativ weit oben. Der Preis für die Kreditausfallversicherung hat sich seit Jahresbeginn zwar verdoppelt - es kostet mittlerweile 106.000 Euro, wenn man ein 10 Millionen Euro schweres Paket aus vorrangigen UBS-Anleihen absichern will. Im europäischen Vergleich ist das aber recht gut. Ein KBV von 0,92 ist in diesen Zeiten ein großer Vertrauensbeweis. Für die Schweizer zahlt sich vermutlich der frühe Abschied aus dem Investmentbanking und das starke Standbein in der Vermögensverwaltung aus.
Foto: REUTERSRang 9: Société Générale
Die französischen Großbanken mussten seit Jahresbeginn ebenfalls Federn lassen. Die Risikoprämien verdoppelten sich bei den meisten auf mittlerweile knapp 140.000 Euro für Banken wie etwa BNP Paribas oder Société Générale. Allerdings sind die Aktionäre ziemlich misstrauisch, was die Wertigkeit der Bilanzen anbelangt. Bei BNP entspricht der Börsenwert nur 50 Prozent des Eigenkapitals. Bei Société Générale sind es sogar nur gut 40 Prozent.
Foto: dpaRang 8: HSBC
Ganz so schnell wie dieser Rugby-Spieler laufen die Risikoprämien britischer Banken wie HSBC oder Barclays zum Glück nicht davon. Die Institute aus dem Königreich liegen risikomäßig im Mittelfeld. Die Ausfallversicherungen kosten nun bereits 150.000 Euro pro Jahr. Auch das Kurs-Buchwertverhältnis lässt zu wünschen übrig: Bei HSBC sind es immerhin 0,67, bei Barclays, einem Institut, das unter Rechtsstreitigkeiten und einem schleppenden Investmentbanking-Geschäft leidet, ist diese Kennziffer mit 0,46 deutlich schlechter.
Foto: REUTERSRang 7: Commerzbank
Martin Blessing ist in seinem letzten Amtsjahr als Commerzbank-Chef: Endlich gibt es für die Aktionäre wieder eine Dividende. Und im Risikoranking steht er besser da als die Deutsche Bank. Allzu viel sollte sich das Institut auf diese Platzierung aber nicht einbilden. Fünfjährige Pleite-Versicherungen kosten bei ihr immerhin 180.000 Euro, auch hier hat sich die Prämie damit seit Jahresbeginn verdoppelt. Wenig schmeichelhaft ist auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis, das gerade einmal bei knapp 0,3 liegt. Das bilanzielle Eigenkapital der Bank wird an der Börse als gerade einmal mit 30 Prozent seines Nominalwerts gehandelt. Das reicht für eine Platzierung knapp vor den ersten südeuropäischen Instituten.
Foto: dpaRang 6: Intesa Sanpaolo
Das italienische Bankensystem und seine Probleme trägt derzeit insgesamt zum relativ schlechten Ruf europäischer Banken bei. Aber es gibt Unterschiede. Über Intesa lässt sich sagen, dass sie eindeutig zu den stabileren Instituten des Landes gehört. Die Bank verdiente zuletzt doppelt so viel wie Erzrivale Unicredit. Mit 1,9 Prozentpunkten oder 190.000 Euro für ein 10-Millionen-Euro-Anleiheportfolio sind die Risikoprämien bemerkenswert hoch, das Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,75 ist aber beispielsweise mehr als doppelt so hoch wie das der Commerzbank oder der Deutschen Bank.
Foto: REUTERSRang 5: Santander
Die spanischen Banken spüren die Krise schon etwas deutlicher. Die iberischen Risikoprämien liegen bei 200.000 Euro für die Marktführer BBVA und Santander. Allerdings war die Erwartungshaltung der Investoren schon zu Jahresbeginn nicht ganz so groß: Es lag bei etwa 130.000 Euro. BBVA hat mit einem KBV von 0,66 die Nase vor dem Rivalen Santander mit 0,51.
Foto: REUTERSRang 4: Unicredit
Seit Jahresbeginn hat sich der Aktienkurs von Unicredit praktisch halbiert. Kein Wunder nach all den Negativnachrichten wie Gewinnrückgang und der Investorenkritik an Bankchef Federico Ghizzoni. Das Urteil der Investoren ist harsch: Die Risikoprämien für die Kreditausfallversicherungen sind mittlerweile auf 256.000 Euro gestiegen und der Börsenwert entspricht mittlerweile nur noch 30 Prozent des bilanziellen Eigenkapitals. Diesen miesen Börsenwert teilt Unicredit nicht nur mit der Commerzbank, sondern auch mit...
Foto: REUTERSRang 3: Deutsche Bank
... der Deutschen Bank. Aus einer Versicherungsprämie von 95.000 Euro zu Jahresbeginn sind mittlerweile 286.000 Euro geworden. Das entspricht einer Verdreifachung der Risikoprämien. Kein Wunder, dass die von John Cryan (Bild) geführte Bank es jetzt schon extra betonen muss, wenn sie sich für kreditwürdig genug hält, um Zinsen auf riskante Anleihen zu zahlen. Die implizite Ausfallwahrscheinlichkeit, die solche Versicherungsniveaus andeuten, beträgt knapp 20 Prozent.
Foto: REUTERSRang 2: Banco Popolare SC
Schlimmer geht immer, daher trösten wir die Deutschbanker noch mit zwei Beispielen, bei denen es noch trüber aussieht. Banco Popolare zum Beispiel hat einen ähnlich schwachen Börsenwert im Verhältnis zum Eigenkapital - und Investoren müssen dort für Kreditausfallversicherungen sogar 387.000 Euro zahlen.
Foto: REUTERSRang 1: Monte dei Paschi
Lässt man einmal Griechenland und dessen Banken beiseite, dann ist die Krise bei der ältesten Bank der Welt besonders tief: Die Risikoprämien für Ausfallversicherungen von Monte dei Paschi betragen mittlerweile stattliche 718.000 Euro. Der Börsenwert ist auf 15 Prozent des vorhandenen Eigenkapitals geschrumpft, das bedeutet ein KBV von 0,15. Nur ein außerordentlicher Ertrag bewahrte das Institut 2015 vor einem Verlust.
Foto: REUTERS
Übergroße Rücksichtnahme habe es dabei aber nicht gegeben. „Ich kann nicht erkennen, dass Manager geschont wurden“, sagt ein Mitglied des Aufsichtsrats. Im Zweifel habe schon der Austausch mit der BaFin dafür gesorgt, dass die Untersuchungen mit ausreichendem Engagement vonstatten gingen.
Weil Aufsichtsräte und Vorstände in Deutschland eng verbandelt sind, waren Regressforderungen gegen eigene Manager früher selten. Seit jedoch Siemens nach einer Korruptionsaffäre 2006 ehemalige Vorstände zur Kasse bat, hat sich dies geändert. So forderten Thyssenkrupp und MAN nach Verstößen gegen Gesetze Geld von ihrem ehemaligen Führungspersonal. „Das Thema wird heute in der Regel sehr konsequent betrieben“, sagt ein in solchen Verfahren erfahrener Rechtsanwalt.
Auch bei der Deutschen Bank gibt es hierfür ein aktuelles Beispiel. Die Bank einigte sich mit ihrem früheren Chef Rolf Breuer, der mit einer Äußerung im TV einen Dauerstreit um die Insolvenz des Medienunternehmers Leo Kirch losgetreten hatte. Breuer soll nun 3,2 Millionen Euro an die Bank zahlen, die sich mit den Kirch-Erben auf die Zahlung von rund 900 Millionen Euro geeinigt hatte. Einige Aktionäre halten seinen Beitrag für zu gering und wollen durchsetzen, dass die Hauptversammlung den Vergleich ablehnt.
Weitere Anlässe, um Schadensersatz zu fordern, könnte es noch genug geben. Denn einige dicke Brocken stehen noch aus. Für Unruhe bei Investoren sorgen vor allem die Verfahren um Geldwäsche in Russland und verbriefte Hypotheken in den USA. Dass die Rückstellungen von aktuell 5,4 Milliarden Euro für Strafen ausreichen, wird von großen Aktionären der Bank bezweifelt. Um den Umgang der Bank mit den Rechtsthemen kritisch zu überprüfen, hat die Aktionärsvereinigung DSW bereits eine Sonderprüfung durchgesetzt.
Zusätzlich beunruhigt Aktionäre, dass immer noch neue Verfehlungen und Mängel ans Licht kommen. So hatte die britische FCA erst kürzlich kritisiert, dass die Kontrollen in der Deutschen Bank gegen Geldwäsche immer noch unzureichend sind. „Offenbar bekommt die Bank diese Themen einfach nicht in den Griff“, heißt es bei einem großen Investor. Solange hier keine Verlässlichkeit bestehe, bleibe man skeptisch.
Dabei hat sich die Bank durchaus bemüht und neben wohlklingenden Bekenntnissen zum Kulturwandel tatsächlich auch ordentlich investiert. Sie hat mehr als 1000 neue Stellen für interne Überwachung und Kontrollen (Compliance) geschaffen, eine schnelle Eingreiftruppe für Zwischenfälle eingerichtet, die internen Strukturen in einem Großprojekt neu formiert. Als Folge der Skandale überwachen die Aufseher die Fortschritte in den kritischen Bereichen genau, die US-Behörden haben dafür sogar spezielle Aufpasser in die Bank entsandt.
Allerdings hat Vorstandschef John Cryan bereits erklärt, dass die Kontrollen weiterhin stark ausbaufähig sind und immer noch ein weiter Weg vor der Bank liegt. Nach Thomas Abgang fürchten einige Investoren, dass der Eifer erlahmt.
Topmanager der Deutschen Bank sind sich dessen durchaus bewusst. „Es dürfen keine Fehler mehr passieren“, sagt einer aus der oberen Führungsetage. Dass die mehr als 1000 neuen Stellen für interne Kontrollen dazu reichen, will er allerdings nicht garantieren. „Wir haben auf einem sehr niedrigen Niveau angefangen.“