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  4. N26: CEO Valentin Stalf wechselt in Aufsichtsrat – warum das der Neobank nicht hilft

N26Die Onlinebank N26 wiederholt die Ursünde schlechter Unternehmensführung

N26-Gründer Valentin Stalf will seinen CEO-Posten aufgeben – und in den Aufsichtsrat des Start-ups einziehen. Der Wechsel verheißt nichts Gutes. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Lukas Zdrzalek 22.08.2025 - 09:03 Uhr
Valentin Stalf, Mitgründer von N26 Foto: picture alliance/dpa

Start-ups wie die Onlinebank N26 hegen bekanntlich den Anspruch, die Wirtschaft irgendwie besser zu machen. Schließlich sind sie nicht nur jünger als ihre traditionellen Konkurrenten. Sie erklären auch allenthalben, aufgrund ihres jüngeren Alters grundsätzlich frischere Ideen zu verfolgen, die den Fortschritt beförderten.

N26 beweist nun aber: Derlei monstranzartig vorgetragene Behauptungen sind mitunter bloße Folklore der Start-up-Szene. Ausgerechnet die erst 2013 gegründete Onlinebank begeht jene Ursünde schlechter Unternehmensführung, die sich etablierte Konzerne aus guten Gründen nicht mehr erlauben können.

Der Anlass für diese Feststellung ist die am Dienstagmittag von N26 versandte Pressemitteilung: Darin kündigt Stalf nicht nur seinen Rücktritt vom Posten des Co-Vorstandschefs an. Zugleich erklärt er, in den Aufsichtsrat wechseln zu wollen, dessen Aufgabe darin besteht, den Vorstand zu kontrollieren. Stalfs Co-Gründer Maximilian Tayenthal bleibt hingegen Teil des operativ tätigen Führungsgremiums.

Schon wieder Ärger mit der BaFin

Wechsel wie der von Stalf annoncierte waren bei großen deutschen Unternehmen einst gang und gäbe, als alte weiße Männer derartige Posten als Erbhöfe betrachteten. Seit einiger Zeit sind sie aber zu Recht verpönt: Die Erkenntnis ist schlicht und einleuchtend zugleich, dass jemand einen Konzern nicht unabhängig überwachen kann, den er jahrelang gesteuert hat. Insofern ist Stalfs angestrebtes Weiterwurschteln im Aufsichtsrat höllisch kontraproduktiv – insbesondere angesichts der Lage von N26.

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Stalf verlässt den CEO-Stuhl nicht in einem Moment, in dem N26 blendend dasteht. Im Gegenteil: Mal wieder ringt die Onlinebank mit allerlei neuen Problemen. Abermals hat die Finanzaufsicht BaFin Mängel bei dem Start-up festgestellt, etwa im zentralen Risikomanagement (die WirtschaftsWoche berichtete). Zudem hegt die Behörde Zweifel, ob Stalf und sein Mitgründer Tayenthal ihren Aufgaben als Bankvorstände gewachsen sind.

Was also qualifiziert Stalf dafür, das von ihm angerichtete Desaster im Aufsichtsrat überwachen zu dürfen?

Nicht nur die BaFin-Probleme offenbaren, dass Stalfs Wechsel in den Aufsichtsrat eine miese Entscheidung ist. N26 leidet seit Jahren an einer hohen Fluktuation im Top-Management, für die gerade der als herrisch beschriebene Stalf mitverantwortlich sein soll (die WirtschaftsWoche berichtete). Glaubt wirklich irgendjemand, dass sich das ständige Stühlerücken stoppen lässt, wenn Stalf aus der Aufsichtsrats-Warte den Führungskräfte-Quäler geben kann?

Stalfs Perspektive angeblich wichtig für N26

Zugleich ringt die Onlinebank – ebenfalls seit Jahren – mit einem Konflikt zwischen dem Top-Management und Betriebsräten: Der Gründer soll auch für diese Auseinandersetzung mitverantwortlich sein, beschreiben ihn Szenekundige doch als „Gewerkschaftsfresser“ (die WirtschaftsWoche berichtete über den Konflikt).

Insofern lässt sich die soeben gestellte Frage in abgewandelter Form erneut formulieren: Glaubt wirklich irgendjemand, dass sich der Konflikt mit dem Betriebsrat befrieden lässt, wenn Stalf die Arbeitnehmervertreter als Aufsichtsrat beackern darf?

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Sicher: Stalf hält weiterhin Anteile an N26. Insofern ist es verständlich, dass er an dem Unternehmen hängt, das er mitgegründet hat. Es wäre ihm aber die Einsicht zu wünschen gewesen, dass er nicht Teil der Lösung ist. Sondern, dass er eines der Hauptprobleme ist. Dass sein Vermächtnis ein Start-up ist, das seit Jahren unter seinen Möglichkeiten agiert.

Mindestens ebenso bedauerlich wie Stalfs fehlende Einsicht ist, dass die anderen Anteilseigner den Co-Gründer nicht von dieser Erkenntnis überzeugen konnten oder wollten und sie ihn auch nicht zum vollständigen Rückzug drängten. Stattdessen lobhudelt einer der Investoren in der Pressemitteilung, „Valentins Gründerperspektive“ sei weiterhin von „entscheidender Bedeutung“ für N26.

Offenbar haben die anderen Anteilseigner, darunter bekannte Geldgeber wie der deutsche Fonds Earlybird, aus all den Problemen nichts gelernt, die bei N26 so gehäuft aufgetreten sind wie bei keinem anderen deutschen Finanz-Start-up. Das ist tragisch, weil nun vielleicht die letzte Chance dahinschwindet, aus N26 doch noch etwas Großes zu formen. Stattdessen verkommt die Onlinebank zur Karikatur eines Problemkonzerns.

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