Nach IT-Problemen bei der DWS: Trennt sich der Deutsche-Bank-Star von seiner IT-Vorständin?
DWS-Chef Stefan Hoops muss wohl einen neuen Operations- und IT-Vorstand suchen.
Foto: dpaEr ist einer der Shootingstars der deutschen Finanzwelt und Chef von Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS, doch nun droht Stefan Hoops ein erneuter Rückschlag: Die IT-Vorständin des Vermögensverwalters, Angela Maragkopoulou, könnte das Unternehmen vorzeitig verlassen. Insider berichten, Maragkopoulou führe mit der DWS, die mehrheitlich der Deutschen Bank gehört, Gespräche über die Auflösung ihres Vertrages. Die frühere Vodafone- und Telekom-Managerin hatte ihr Amt als IT-Vorständin und Chief Operating Officer der Fondsgesellschaft erst am 1. Januar dieses Jahres angetreten. Maragkopoulou hatte bei der DWS zuvor einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben.
Ein Grund für Maragkopoulous möglichen Abgang sollen Meinungsverschiedenheiten mit Hoops über ihren Umgang mit dem IT-Großprojekt „Proteus“ sein, bei dem schwerwiegende Probleme aufgetreten sind. Kritiker werfen Maragkopoulou vor, sich nicht ausreichend um das Vorhaben gekümmert zu haben und das übrige Management zu spät über die Schwierigkeiten informiert zu haben. Die DWS soll deshalb die Trennung initiiert haben. Die Managerin selbst beantwortete eine WirtschaftsWoche-Anfrage zu ihrem möglichen Abgang nicht. Auch die DWS wollte sich „zu Spekulationen mit Blick auf Vorstandsmitglieder nicht äußern“, sagte ein Sprecher der Fondsgesellschaft.
IT-Megaprojekt wird teurer als gedacht
Der Codename „Proteus“ steht für das Vorhaben der DWS, sich eine eigene IT zuzulegen. Bisher nutzt das Fondshaus die Systeme der Deutschen Bank. „Proteus“ hatte vor Jahren der damalige DWS-Chef Asoka Wöhrmann initiiert. Das Fondshaus hatte sich von eigenen Systemen langfristig niedrigere IT-Kosten versprochen.
Jüngst musste die DWS aber eingestehen, dass die Kosten und der Arbeitsaufwand des Vorhabens größer sind als gedacht - mit der Folge, dass das Projekt langsamer als erhofft voranschreitet. In einem Telefonat mit Analysten sprach Hoops vor Kurzem davon, die Planungen seines Hauses seien „zu einem gewissen Grad zu optimistisch“ gewesen.
Für die DWS wäre die Trennung von Maragkopoulou schon der zweite prominente Abgang in diesem Jahr: Im Mai hatte die langjährige Finanzvorständin Claire Peel ihre Demission offengelegt. Die Britin arbeitet inzwischen für die Londoner Großbank Barclays.
DWS-Chef Hoops hat Blitzkarriere hingelegt
Immerhin konnte Chef Hoops den Wechsel von Peel mit einem Coup wettmachen: Er hat den Finanzvorstand des Frankfurter Lokalkonkurrenten Allianz Global Investors, Markus Kobler, abwerben können. Zudem ist es der Mutter Deutsche Bank gelungen, die ebenfalls freiwerdende Position des DWS-Aufsichtsratschefs mit dem Kontinentaleuropa-Chef der US-Großbank Morgan Stanley, Oliver Behrens, zu besetzen, der in Szenekreisen hohes Ansehen genießt.
Der mögliche Abgang von Maragkopoulou lässt diese Erfolge nun wieder verblassen. Zumal die DWS die Verpflichtung der Managerin einst als „Beleg für die Attraktivität der Marke DWS“ gefeiert hatte – sicherlich auch deshalb, weil das Fondshaus mit ihr eine Führungskraft aus einer anderen Branche anwerben konnte.
DWS-Chef Hoops, der erst 43 Jahre alt ist, hat den Chefposten bei der Fondsgesellschaft im vergangenen Jahr übernommen, nachdem sein Vorgänger Wöhrmann wegen des Greenwashing-Skandals des Vermögensverwalters zurücktreten musste. Zuvor hatte Hoops bei dem Geldhaus eine Blitzkarriere hingelegt.
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