Neue Banken-Stresstests Die Geschäftsmodelle der Banken kommen auf den Prüfstand

Europas Bankenaufseher wollen die Institute in diesem Jahr zwei neuen Stresstests unterziehen. Es geht aber nicht um "bestanden" oder "durchgefallen", sondern um den adäquaten Umgang mit den Niedrigzinsen.

Danièle Nouy Quelle: dpa

Seit November 2014 wacht eine zentrale Bankenaufsicht unter dem Dach der Europäischen Zentralbank über die Finanzhäuser der Eurozone. Die oberste Bankenaufseherin Danièle Nouy und ihre Stellvertreterin Sabine Lautenschläger haben heute die Arbeitsschwerpunkte für 2016 vorgestellt. Die seit der Finanzkrise 2008 unter dem Schlagwort Basel III verschärften Vorschriften für Eigenkapital und Liquidität sollen in diesem Jahr abgeschlossen werden.
Doch bei der Überwachung dieser Vorschriften durch die Aufseher soll es neue Maßnahmen geben. Dazu gehören zwei Stresstests, einer für die Eurozone, durchgeführt von der EZB-Aufsicht und einer für die gesamte Europäische Union, geleitet von der EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA mit Sitz in London.

Die EZB vorm Bundesverfassungsgericht

Die neuen Tests werden wohl weniger öffentlichkeitswirksam ablaufen als der große Stresstest aus dem Jahr 2014, der die Banken auf die zentralisierte EZB-Aufsicht vorbereiten sollte. „Es ist daher kein Test, bei dem es um bestehen oder durchfallen geht“, stellte Lautenschläger dar. Die Aufseher wollen die Erkenntnisse aus den Tests im Rahmen der laufenden Überwachung und Bewertung der Banken berücksichtigen. Die Europäische Kommission erarbeitet gerade Vorschläge, um den SREP genannten Prozess der laufenden Überwachung und Bewertung von Banken detailliert zu regeln.

Wie gut beherrschen die Banken Niedrigzinsumfeld?

Die EZB-Aufseher gelten als daten- und zahlenfixiert, allerdings wollen sie auch viele Probleme der Banken auch aus qualitativer Sicht beurteilen. Als Prioritäten für 2016 hat Nouy eine Reihe von Themen angekündigt: So wollen die Aufseher sich anschauen, ob die Geschäftsmodelle der Banken zum Marktumfeld niedriger Zinsen und voranschreitender Digitalisierung passen. Zudem sollen notleidende Kredite und andere Risiken in den Bilanzen reduziert werden. Die Kapitalinstrumente der Banken werden vor allem daraufhin untersucht, ob sie im Fall einer Pleite zur Haftung für Verluste herangezogen werden können.

Zudem will die Aufsicht den Umgang der Banken mit Risiken untersuchen und die Liquiditätspolster prüfen. Bei ihrer Arbeit sind die EZB-Aufseher direkt verantwortlich für die Aufsicht über die 129 größten und systemrelevanten Banken der Eurozone. Die direkte Verantwortung für die rund 3200 kleineren Banken liegt dagegen bei den nationalen Aufsichtsbehörden, wie der deutschen BaFin. Lautenschläger betonte, dass auch diese auf den ersten Blick weniger bedeutenden Institute als Gruppe betrachtet in vielen Ländern ebenfalls ausschlaggebend für die Finanzstabilität sein können. In Deutschland dürfte diese Definition auf die Sparkassen und Volksbanken zutreffen.

Pressestimmen zum EZB-Entscheid

Die EZB-Aufseher haben daher gemeinsam mit den nationalen Aufsichtsbehörden Standards für diese kleineren Institute aufgestellt. Die Standards lassen den einzelnen Ländern Freiräume bei der Definition von Aufsichtsschwerpunkten bei den kleinen und mittleren Banken. Aus deren Sicht besonders wichtig sind die neuen Regeln für die Sicherung der Kundeneinlagen. Die EZB-Aufsicht will bis April in einer öffentlichen Konsultation klären, unter welchen Voraussetzungen kleine Institute privilegiert werden können, wenn sie sich in einer Finanzgruppe gegenseitig gegen den Ausfall von Kundeneinlagen absichern.

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