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Axel Springer Friede Springer sichert sich die Kontrolle

Friede Springer Quelle: dpa

Die Anteile des Berliner Medienkonzerns Axel Springer werden durchgemischt. Friede Springer erhält mehr Macht und bereitet eine geordnete Übergabe des Konzerns vor – das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Mit 125 Mann rückte zu Wochenbeginn die Berliner Feuerwehr aus. Ihr Ziel war die Baustelle der neuen Digitalzentrale des Axel Springer Konzerns. Dort hatten sich Baumaterialien entzündet, der Löschtrupp brachte das Feuer nach kurzer Zeit unter Kontrolle.

War dieser Brand in dem spektakulären Neubau rasch gelöscht, dürfte der Schwelbrand, den die jüngste Entscheidung der Springer-Mehrheitseigentümerin Friede Springerin auslöste, den Verlag noch länger beschäftigen.

Was ist passiert?
In einer denkbar nüchternen Mitteilung hat das Medienhaus am Donnerstag ausgerichtet, die Mitglieder der Familie Axel Springers - Friede Springer, Ariane Springer und Axel Sven Springer - hätten die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik (ASGP) „derart auseinandergesetzt“, dass die beiden Enkel des Unternehmensgründers nicht länger Anteilseigner der Gesellschaft seien, sondern aus deren Besitz jeweils persönlich Anteile am Konzern erhalten. Relevant ist das deshalb, weil die fünfte und letzte Ehefrau des Erfinders der „Bild“-Zeitung gemeinsam mit den Springer-Enkeln in dieser Gesellschaft bislang 47 Prozent der Anteile am Milliardenkonzern bündelten. Zusammen mit den gut fünf Prozent, die Friede Springer persönlich hält, hat das Trio damit die Macht beim „Bild“- und „Welt“-Konzern.

Was geschieht mit den Anteilen?
Friede Springer überträgt knapp 7,4 Prozent der Anteile an Axel Sven. Knapp 2,4 Prozent gehen an Ariane Springer. Damit bleiben Friede Springer, die einst als Kindermädchen im Haushalt des Großverlegers arbeitete, über die ASGP noch knapp 38 Prozent der Aktien. In der Summe kommt sie also künftig auf rund 43 Prozent der Anteile. Nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA aus ihrem Umfeld gibt die Verleger-Witwe damit nicht die Kontrolle über den Verlag aus der Hand, verfügt sie doch auch in Zukunft über die Hauptversammlungsmehrheit. Denn zu ihren eigenen Aktien kommen noch die rund drei Prozent des mit ihr stimmenden Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner. Auf den Hauptversammlungen des Konzerns sind in der Regel etwa 80 bis 88 Prozent des stimmberechtigten Kapitals präsent.

Was hat die Mehrheitseigentümerin nun vor?
Schon vor zwei Jahren schlugen Meldungen auf, Friede Springer plane für die Zukunft, ihre Anteile am Unternehmen in eine Stiftung oder eine ähnliche Gesellschaft einzubringen. Die Absicht hatte damals für viel Wirbel gesorgt. Wohl vor allem ihretwegen sagte der Konzern die eigentlich geplante Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) wieder ab. Durch das Ausscheiden der Springer-Enkel aus der ASGP schafft Friede Springer die Voraussetzung dafür, ihr Erbe zu regeln. Sie hat nun die alleinige Kontrolle über die Gesellschaft für Publizistik. Indem die Springer-Enkel eigene Anteile erhalten, geben sie zugleich auch ihre Vetorechte innerhalb der Gesellschaft auf.

Was bedeutet das für die Zukunft des Springer-Konzerns?
Dem Vernehmen nach plant Friede Springer für das kommende Jahr eine gemeinnützige Gesellschaft zu gründen. Laut DPA dient ihr dazu der schwäbische Technologiekonzern Bosch als Vorbild, der von einer ähnlich angelegten Gesellschaft kontrolliert werde. Friede Springer hatte bereits 2016 in einem ihrer seltenen Interviews angekündigt, neben die wohltätigen Stiftungen, die unter ihrem und dem Namen ihres verstorbenen Mannes laufen, eine getrennte Gesellschaft setzen zu wollen. Diese solle sich allein um das Unternehmen Axel Springer kümmern.

Wer wird an der Spitze der neuen Gesellschaft stehen?
Das ist die Frage aller Fragen. Eine Antwort darauf blieb am Donnerstag noch offen. 2016 deutete vieles darauf hin, dass die Berliner Rechtsanwältin und langjährige Vertraute von Friede Springer, Karin Arnold, eines Tages an die Spitze der neuen Gesellschaft rücken könnte. Das hatte für viel Wirbel und reichlich süßsaure Artikel über den Springer-Clan gesorgt. Von „Machtkampf“ und „Putsch“ war da die Rede, Konzernchef Döpfner, hieß es, sähe sich kaltgestellt und übergangen. Friede Springer selbst bestritt hingegen, dass es einen Machtkampf gebe zwischen Arnold und Döpfner. Nicht nur Springer-intern wird die Personalie nun mit Argusaugen beobachtet. So schnell wie das Feuer am Montag wird sich dieser Schwelbrand wohl nicht löschen lassen.

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