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Vertrauen in Germanwings und Ryanair so schlecht wie nie

Holger Geißler
Holger Geißler Psychologe, Werbepsychologe

So genannte Zwischenfälle kommen die Airlines teuer zu stehen, nicht nur finanziell. Die Kundschaft entzieht den Fluglinien nach Unfällen und Service-Patzern schnell das Vertrauen – etwa das in Germanwings.

Nach der Aufdeckung der Beinahe-Katastrophe Ende 2010 sinkt das Ansehen von Germanwings rapide - Doch noch ist nicht alle Hoffnung verloren Quelle: dpa

In der Regel findet jeder Zwischenfall mit einem Flugzeug sein Echo in den Medien. Dabei muss es nicht gleich ein Absturz sein, auch Beinahe-Unfälle und Service-Patzer der Airlines erregen die Öffentlichkeit. Fehler werden den Fluglinien nicht so leicht verziehen – kein Wunder, immerhin geht es um die Sicherheit von Menschenleben. Das aktuellste Beispiel: Germanwings. Wie erst jetzt bekannt wurde, entkamen Ende 2010 die Passagiere eines Germanwings-Jets beim Anflug auf den Kölner-Bonner Flughafen nur knapp einer Katastrophe. Giftige Dämpfe gerieten möglicherweise ins Cockpit und vernebelten den Piloten buchstäblich die Sinne. Nur dank aufgezogener Sauerstoffmasken konnten sie die Maschine sicher landen.

Die größten Billigflieger Europas
Die von deutschen Flughäfen aus startenden Billigflieger sind nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) teurer geworden. Je nach Fluglinie lagen die Durchschnittspreise für einen einfachen Flug im vergangenen Herbst zwischen 70 und 140 Euro brutto, wie das Forschungsinstitut berichtete. Im vorangegangenen Sommer hätten sie noch bei 50 bis 130 Euro gelegen. Insgesamt nutzten im ersten Halbjahr 2014 der Studie zufolge knapp 31 Millionen Passagiere Angebote sogenannte Low Cost Carrier. Im Sommerflugplan 2014 bedienten sie insgesamt 722 Strecken in und ab Deutschland - ein Plus von rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch verlief die Entwicklung regional sehr unterschiedlich. Die meisten Günstigflieger-Passagiere verzeichneten die Berliner Flughäfen. Auch die Airports Hamburg und Köln/Bonn konnten ihr Passagieraufkommen steigern. Starke Rückgänge gab es dagegen auf Regionalflughäfen wie Weeze oder Hahn, wo sich die gesunkene Präsenz von Ryanair bemerkbar machte. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Platz zehn: Air Baltic mit 25 FlugzeugenDie lettische Fluggesellschaft Air Baltic belegt mit 25 Flugzeugen, darunter fünf Boeing 737–500, acht Boeing 737–300 und zwölf Q-400 NextGen Platz zehn. Quelle: Presse
Platz neun: Aer Lingus mit 50 FlugzeugenMit 50 Flugzeugen liegt Air Lingus auf Rang neun. Zu der Flotte der irischen Fluggesellschaft zählen je drei Boeing 757-200, Airbus A330-200, Airbus A321-200, jeweils vier Airbus A319-100 und Airbus A330-300 und 33 Airbus A320-200. 2015 sollen außerdem neun Flugzeuge vom Typ Airbus A350-900 an die Fluglinie ausgeliefert werden. Quelle: dpa
Platz acht: Wizz Air mit 54 FlugzeugenDie ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an. Wizz Air verfügt über eine junge Flotte mit Flugzeugen vom Typ Airbus 320. Alle 54 Flugzeuge werden von V-2500-Motoren von International Aero Engine betrieben. Quelle: dapd
Platz sieben: Jet2 mit 55 FlugzeugenDie britische Billig-Airline Jet2 gibt es erst seit 2002, trotzdem hat sie mit 55 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit den 23 Boeing 737-300, einer Boeing 737-300F, sieben Boeing 737-300QC und jeweils zwölf Boeing 737-800 und Boeing 757-200 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an. Quelle: Presse
Platz sechs: Germanwings mit 57 FlugzeugenGermanwings schafft es mit einer Flotte von 57 eigenen und 23 Eurowings-Flugzeugen auf Platz sechs unter den Top 10 der europäischen Billig-Airlines. Ab Frühjahr 2015 sollen 64 eigene Flugzeuge der Typen A319 und A320 sowie 23 durch Eurowings betriebene Regionalflugzeuge für Germanwings im Einsatz sein. Quelle: dpa/dpaweb
Platz fünf: Flybe mit 62 FlugzeugenDie britische Airline Flybe betreibt mit 45 Maschinen die größte Flotte an Bombadier DashQ8-400 Maschinen weltweit. Hinzu kommen noch elf Maschinen vom Typ Embraer 175 (vier weitere sind bestellt) sowie sechs Jets vom Typ 195. Flybe hat seinen Sitz in Southhampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an. Quelle: Presse
Platz vier: Norwegian mit 74 FlugzeugenNorwegian Air Shuttle ASA betreibt derzeit 74 Flugzeuge, davon 64 Maschinen des Typs Boeing 737-800 und zehn Maschinen des Typs Boeing 737-300. Quelle: Presse
Platz drei: Vueling mit 87 FlugzeugenDie spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus einer Boeing 757-200, fünf Airbus A319-100 und 81 Maschinen vom Typ Airbus A320-200. Neben acht Basen in Europa hat Vueling auch in Parlis-Orly, Toulouse und Amsterdam Flugzeuge und Personal stationiert. Quelle: dapd
Platz zwei: Easyjet mit 208 FlugzeugenDie Flotte der britische Fluglinie Easyjet besteht insgesamt aus 208 Flugzeugen. Die Gesellschaft ist derzeit der weltweit größte Abnehmer des Airbus A319-100. 140 Maschinen dieses Typs sind für Easyjet im Einsatz. Hinzu kommen 68 Maschinen vom Typ Airbus A320-200. 75 weitere Maschinen dieser Art sind bestellt. Außerdem hat Easyjet 100 Flugzeuge vom Typ Airbus A320neo bestellt. Quelle: dapd
Ryanair-Chef Chef Michael O'Leary Quelle: dpa

Beinahe-Unfall kostet Ansehen

Eigentlich genießt die Marke Germanwings für eine sogenannte Billig-Airline ein vergleichbar hohes Ansehen. Im YouGov-Markenmonitor BrandIndex zeigte sich die Marke bisher stabil. Der Durchschnittswert für 2012 liegt bislang bei +25 Punkten. Maximal können 100 Punkte erreicht werden. Seit dem Zwischenfall ist Germanwings jedoch in heftige Turbulenzen geraten. Ein Blick auf die Erhebungen der letzten Tage zeigt, dass die Marke im BrandIndex 31 Punkte verloren hat. Sie ist praktisch durchgesackt, von +27 Punkten auf -6 Punkte. Die Verbraucher sind offenbar sehr verunsichert.

Ryanair: Schlechtes Images, gut im Geschäft

Die besonders negative Bewertung steht womöglich auch in Zusammenhang mit der Diskussion um die Sicherheitsstandards beim irischen Konkurrenten Ryanair. Im August kam es bei einem halben Dutzend Ryanair-Flügen zu Problemen. Beunruhigende Worte wie „Notlandung“, „Motorschaden“ und „Treibstoffmangel“ prägten die Schlagzeilen. Das Image der Marke ist jedenfalls so schlecht wie nie. Im Mittel schafft Ryanair im BrandIndex seit einem Jahr kaum mehr als -60 Punkte. Seit den jüngsten Vorkommnissen hat die Marke noch mehr vom ohnehin geringen Ansehen verloren, aktuell markieren -73 Punkte den vorläufigen Tiefststand.

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