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Deutsche Post DHL Nicht mehr die Nummer Eins

Ein Mann wirft einen Brief in einen Briefkasten. Quelle: dpa

Die Kritik der Deutsche-Post-Aktionäre ist ungewöhnlich hart: Der Konkurrent UPS hat die Post als größten Logistikkonzern abgelöst. Die Aktie ist um 40 Prozent gesunken. Die Paketsparte kriselt. Hat der Vorstand die Probleme geschönt?

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Frank Appel hält sich nicht an sein Manuskript. „Schuld war nicht der Markt. Auch nicht die Branche. Unsere Probleme waren hausgemacht“, steht da eigentlich. Aber der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post überspringt den ersten Part seiner Rede an die Aktionäre. Er spricht lieber darüber, dass es heute wieder besser läuft.

Das vergangene Jahr war ein schwieriges für die Deutsche Post. Innerhalb eines Jahres sank die Aktie um 40 Prozent. Im Sommer musste der Konzern eine Gewinnwarnung herausgeben und sich vom ehemaligen Paket- und Briefvorstand Jürgen Gerdes verabschieden. Der Umsatz liegt bei 62 Milliarden Euro, der operative Gewinn sank um mehr als 15 Prozent auf nur noch 3,2 Milliarden Euro.

Der Konkurrent UPS hat den Bonner Konzern mittlerweile beim Umsatz überholt und damit als größter Logistikkonzern der Welt abgelöst. FedEx folgt dicht. Appel muss das nicht zwingend interessieren, sehr wohl aber seine eigenen Ziele: Bis 2020 will der Konzern einen Gewinn von mehr als fünf Milliarden Euro machen. Nach dem Chaos in der Paketsparte dieses Jahr scheinen jedoch nicht mehr alle seine Aktionäre überzeugt, dass Appel das schaffen kann.

Sie üben ungewöhnlich harte Kritik. „Wenn das so weitergeht, bekommt man die Aktie bald für 'nen Appel und ein Ei“, schimpfte Gert Blumenthal von der Vereinigung der Institutionellen Privatanleger (VIP). Die Gewinnwarnung im vergangenen Jahr sei ein „sehr krasser Einschnitt“ gewesen, sagt Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitzer (DSW). „Wir sind als Aktionäre verwöhnt gewesen.“

Daniel Vos von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) stellte sogar die Vertrauensfrage. Bei der vergangenen Hauptversammlung vor einem Jahr habe Postchef Frank Appel seinen Vorstand Jürgen Gerdes noch in vollen Zügen gelobt. „Das kam mir merkwürdig vor“, sagte Vos. Wenige Wochen später war Gerdes weg. Und Appel sprach von Qualitätsproblemen in der Sparte, von einseitigem Wachstum, zu niedrigen Preisen und zu vielen Ablenkungen. „Es gab offenbar erhebliche Probleme und Fehlleistungen“, kritisierte Vos. Appel hätte das auch schon vor der Hauptversammlung wissen müssen. „Das war nicht die volle Wahrheit, die sie uns da präsentiert haben“, kritisiert Vos. Den ehemaligen Vorstand Jürgen Gerdes wolle er nicht entlasten, bei Appel wisse er das noch nicht genau.

Seit einem Jahr muss sich Appel immer wieder für die Kehrtwende in der Paketsparte rechtfertigen. „Ich habe dann im Nachgang zur Hauptversammlung immer tiefer und tiefer in dieses Geschäft hereingeguckt“, erklärte er seinen Aktionären. Dabei hätte er weitere Probleme festgestellt und heftigere Diskussionen mit Gerdes geführt, die zur Trennung geführt hätten. „Dass Sie da Vertrauen in meine Person verloren haben, das kann ich nachvollziehen“. Er arbeite intensiv daran, das Vertrauen wiederaufzubauen.

Appel will sich nicht mehr ablenken lassen. Die Post müsse sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Viele der von Gerdes angestoßenen Prestigeprojekte hat Appel mittlerweile gestoppt, wie die Kofferraumzustellung oder Paketkästen für deutsche Vorgärten. Der Online-Supermarkt Allyouneed Fresh ist verkauft. Und beim StreetScooter, dem Elektrolieferwagen der Post, soll der Konzern noch Probleme haben, geeignete Käufer zu finden.

Doch Appel will seinen Blick wieder nach vorne richten. Noch in diesem Jahr will der Vorstand seine Langfriststrategie für die kommenden Jahre vorstellen. „2020 ist bald. Wir arbeiten sehr intensiv am nächsten Schritt.“ Die neue Strategie müsse erklären, wie die Post mit den großen Themen wie Globalisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit umgehe. Der wachsende Onlinehandel müsse auch für die Post zu einem nachhaltigen Wachstum führen.

Zum Ende seiner Rede spricht er es dann doch noch aus: 2018 sei ein schwieriges Jahr gewesen. „Wir können nicht nur den Markt oder die Branche dafür kritisieren. Das waren unsere eigenen Fehler.“

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