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Disney-ImperiumIm 100. Jahr kämpft der Micky-Mouse-Konzern gegen den Wandel im Filmgeschäft

Die Walt Disney Company feiert Geburtstag. Zum 100. Jubiläum kann sich der Unterhaltungsriese aber nicht nur freuen, denn es kriselt im Geschäft. 16.10.2023 - 08:31 Uhr

Walt Disney vor einer Fernsehkamera mit seinen Figuren Pluto und Donald Duck im Arm

Foto: dpa

„Ich hoffe, dass wir nicht vergessen, dass das alles mit einer Maus angefangen hat“, soll Walt Disney einmal gesagt haben. Mit gerade einmal Anfang 20 gründet Micky-Maus-Erfinder Walt Disney 1923 mit seinem Bruder Roy das Disney Brother Cartoon Studio. Der Grundstein für einen der größten Konzerne der Welt ist gelegt. Die ersten Erfolge lassen nicht lange auf sich warten. Die 100 Jahre von Disney sind die Geschichte einer Firma, die auf Kreativität aufbaute, neue Geschäftsmodelle erfand – und zu einem Imperium wurde. Disney ging immer wieder Risiken ein, um künstlerische Visionen zu verwirklichen.

1928 war der Micky-Cartoon „Steamboat Willie“ der erste vertonte Zeichentrickfilm. In den 30er Jahren soll Roy befürchtet haben, dass Walts Ambitionen, jahrelang an „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ zu arbeiten, Disney in den Ruin treiben könnten. Der erste lange gezeichnete Film war zwar auch finanziell ein Erfolg - doch auf ihn folgten mehrere Verlustbringer. Um in den 50er Jahren den Bau des ersten Disneyland-Parks zu finanzieren, verkaufte Walt Disney sein Haus in Palm Springs. Heute gibt es sechs Freizeitparks in Nordamerika, Europa und Asien.

Schon Ende der 20er Jahre entdeckte Disney, wie lukrativ das Geschäft mit Fanartikeln zu populären Figuren sein kann. Der Konzern erkannte auch früh, wie wertvoll es ist, mit dem Fernsehen ständig in den Wohnzimmern präsent zu sein. Zeichentrick wurde mit Kinofilmen und später eigenen TV-Sendern ergänzt. Unter Iger kaufte Disney den Computeranimations-Pionier Pixar, die Marvel-Studios mit den „Avengers“, George Lucas' „Star-Wars“-Universum und das Film- und Fernsehgeschäft von Fox.

Walt Disney

Das verflixte 101. Jahr

Pünktlich zum 100. Geburtstag des Konzerns ist die Macht von Walt Disney so groß wie nie. Und die Probleme sind es auch. Bob Iger, der den Unterhaltungskonzern zum Champion krönte, muss sparen – und liebt den Konflikt.

von Tobias Gürtler und Matthias Hohensee

Mit den Zukäufen kam ein beispielloses kreatives Arsenal zusammen, der Preis waren allerdings auch Milliarden-Schulden, die nun auf Disney lasten.

Der Niedergang des einst lukrativen Kabel-Fernsehens in den USA, die scharfe Konkurrenz im Streaming, Vorboten einer kreativen Revolution durch Künstliche Intelligenz zwingen Disney-Chef Bob Iger dazu Weichen zu stellen, die über die Zukunft des Konzerns entscheiden werden. Das hat auch Folgen dafür, was Zuschauer in Kino und TV sowie als Besucher der Freizeitparks erleben werden. So kündigte Iger an, dass es weniger der teuren Marvel- und „Star-Wars“- Produktionen geben werde, mit denen der Konzern seinen Streaming-Dienst Disney+ attraktiver machen wollte.

Disneys Problem: Das Streaming macht hohe Verluste. Allein im zweiten Quartal 2023 brachte es ein operatives Minus von einer halben Milliarde Dollar ein – und das schon nach Sparmaßnahmen. Derweil versiegt die einst verlässliche Geldquelle, die den Konkurrenzkampf mit Netflix und Co finanzieren sollte. Immer mehr amerikanische Haushalte geben ihre teuren Kabel-TV-Verträge auf. Sie streamen stattdessen – doch während das Kabel-Bündel Erlöse für alle Sender garantiert, muss man hier Monat für Monat mit Netflix, Apple, Amazon und Paramount um Kunden kämpfen.

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Das Kabel-Geschäft verschlechtere sich schneller als er erwartet habe, sagte Iger im Sommer. Und er brachte einen radikalen Einschnitt ins Gespräch: Vielleicht würden klassische TV-Sender wie ABC mit der Zeit „nicht mehr zum Kern“ von Disney gehören. Schnell tauchten erste Kaufinteressenten auf. Ob Disneys Streaming-Zuschauer nach einem potenziellen Verkauf auf Serien aus dem ABC-Programm verzichten müssen, ist bisher offen.

Iger prescht nun weiter nach vorn und will in den kommenden zehn Jahren 60 Milliarden US-Dollar (56,6 Milliarden Euro) in den Ausbau der Freizeitparks und des Kreuzfahrt-Geschäfts stecken. Der 72-Jährige war eigentlich schon im Ruhestand, kam aber wieder zurück, nachdem die Unzufriedenheit mit seinem Nachfolger Bob Chapek wuchs. Jetzt will Iger bis 2026 an der Disney-Spitze bleiben. Er sei „extrem optimistisch“, dass der Konzern den Wandel bewältigen werde.

Zugleich werden Filme und TV-Produktionen heute anders gemacht als früher. Gerade in vielen Superhelden-Filmen agieren die Schauspieler oft größtenteils in blau gefärbten Studios, während die Umgebung später am Computer ergänzt wird. In Serien wie „The Mandalorian“ bei Disney+ liefert ein gewaltiger LED-Bildschirm die Kulisse für viele Szenen, was viel günstiger als ein Außendreh ist.

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Diese vier Baustellen muss Disney bewältigen

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Der monatelange Streik der Autoren und Schauspieler in Hollywood wurde auch von Ängsten ausgelöst, dass Studios mit der Zeit Künstliche Intelligenz Drehbücher schreiben lassen und Menschen im Hintergrund von Szenen durch digitale Figuren ersetzen könnten.

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dpa
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