Ex-Bilfinger-Straßenbausparte Betam-Gruppe hat "massives Liquiditätsproblem"

Exklusiv

Beim Käufer der ehemaligen Bilfinger-Straßenbausparte Betam stehen rund 450 Jobs auf der Kippe.

Schriftzug des Bilfinger-Konzerns Quelle: dpa

Recherchen der WirtschaftsWoche zufolge stehen bei der Betam-Gruppe mit Sitz in Frankfurt und Bochum zahlreiche Baustellen still. Behörden haben Millionenaufträge storniert. Lieferanten versorgen die Baustellen nur noch zögerlich mit Material, teilweise nur gegen Vorkasse. Betam-Arbeiter haben nach Informationen des Magazins vom Mai-Lohn nur 600 Euro Abschlag bekommen.

Der neue Betam-Geschäftsführer Helmuth Rauscher wollte zu den Recherchen nicht Stellung nehmen. Investor Roland Müller jedoch bestätigte der WirtschaftsWoche Zahlungsprobleme: „Wir haben aber ein massives Liquiditätsproblem. Die Situation ist dramatisch.“ Die Auskunftei Creditreform bewertete Anfang Juli die Bonität der Betam mit „schwach“, der Wert für deren Tochter Betam Infrastructure gelte „als Ausfall“.

Auf welchen Betam-Baustellen die Arbeit stillsteht

Ende 2013 hatte der damalige Bilfinger-Vorstandschef Roland Koch die verlustbringende Straßenbausparte an die unbekannte Neugründung namens Betam verkauft. Das Konsortium um den branchenfremden früheren Koblenzer Notar Roland Müller hatte sich zuvor in der ostdeutschen Brauereibranche engagiert. Müller war dort verantwortlich für mehrere Insolvenzen, unter anderem verurteilte ihn das Landgericht Erfurt wegen Insolvenzverschleppung bei seiner Braugold-Brauerei. Seit dem 11. Februar 2014 ist das Urteil rechtskräftig und Müller dadurch vorbestraft.

Bilfinger räumte gegenüber der WirtschaftsWoche ein, vom „erfolglosen Engagement des Investors bei ostdeutschen Brauereien zum Zeitpunkt der Veräußerung“ gewusst zu haben. Dagegen habe Bilfinger aber „keine Kenntnis von einem laufenden Verfahren wegen eines unterlassenen Konkursantrags“ gehabt.

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