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Hilfsorganisation Ein SOS-Kinderdorf muss der Kriminalität weichen

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Eine harte Aufgabe

Der riskante Weg von SOS in Zahlen
Spendeneinnahmen des in Millionen Euro 2011
Spenden in Deutschland
Herkunft der SOS-Einnahmen
Um die in den vergangenen Jahren gestiegenen Ausgaben für die Kinderdörfer auszugleichen, musste SOS Rücklagen aufgelösen. Die Rücklagen des Hermann-Gemeiner-Fonds schrumpften seit 2005 um gut ein Viertel. (zu 2: vorläufige Zahlen) Quellen: DZI, SOS, eigene Recherchen
944 Millionen Euro betrug das Budget der SOS-Kinderdörfer 2012.(zu 3: einschließlich öffentlicher Zuwendungen) Quellen: DZI, SOS, eigene Recherchen
Der größte Anteile der Gesamtausgaben entfiel dabei auf die Kinderdörfer. Danach folgten Familienunterstützungsprogramme und Ausbildungsstätten.Quellen: DZI, SOS, eigene Recherchen

Im vergangenen Jahr häuften sich Drohungen. In einer Hauruck-Aktion startete Perinetti im November die Organisation des Umzugs. Die Universität Cordoba wurde mit der Suche nach Standorten beauftragt. Das Viertel, in dem die neuen Wohnungen liegen sollen, steht nun fest. Es wird kein traditionelles Kinderdorf mehr sein, sondern das „Dorf“ wird aus sechs Wohneinheiten bestehen, die nicht mehr als zwei, drei Straßen voneinander entfernt liegen. „Vier der Wohnungen – jeweils rund 220 Quadratmeter, drei Toiletten – haben wir schon fest, zwei suchen wir noch“, sagt Perinetti. Etwa 120.000 Dollar (87.500 Euro) kostet jede der Wohnungen in einem sichereren Viertel.

Das Geld soll der Verkauf des Grundstücks in Argüello-Lourdes bringen – eine harte Aufgabe angesichts des heutigen Umfelds dort. Überbrückt wird die Finanzierung durch einen Kredit einer deutschen SOS-Kinderdorf-Gesellschaft. „Wir können mit dem Umzug nicht warten, bis wir den Grund verkauft haben“, sagt Perinetti. Bis Mai sollen die Kaufverträge der neuen Wohnungen stehen, „allerspätestens Mitte des Jahres müssen wir umziehen“. Bis dahin müssen auch noch weitere Betreuer eingestellt werden: „Wenn unsere Familien nicht in einem zusammenhängenden Dorf leben, sondern über mehrere Wohnungen eines Stadtviertels verteilt sind, brauchen wir mehr Personal. Jede Familie hat dann nicht nur eine Mutter, sondern auch eine Tante.“

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    Eigentlich dürfte es das Problem in Cordoba gar nicht geben: Argentiniens Wirtschaft wuchs im Jahrzehnt nach dem Staatsbankrott von Ende 2001 im Schnitt um sieben Prozent jährlich; das Land hat heute mit einem Gini-Index von offiziell gut 0,4 theoretisch eine ausgeglichenere Einkommensverteilung als etwa die USA. „Doch das spiegelt sich in der Realität der Viertel rund um unsere Kinderdörfer nicht wieder“, sagt Perinetti. „Unsere Dörfer liegen alle in sozial schwachen Gebieten und die Armut dort hat in den vergangenen zehn Jahren zu- und nicht abgenommen. Deshalb haben wir unser Engagement rund um zwei unserer vier argentinischen Kinderdörfer auch erweitert und versuchen auch die Familien, die in der Umgebung wohnen, zu stärken. Außerdem sind viele Kinder in unseren Dörfern heute keine Waisen mehr, sondern stammen aus marginalisierten Familien – und die begleiten wir auch über die Aufnahme der Kinder bei uns hinaus.“

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    Grund für die Diskrepanz ist, dass die Argentinische Regierung Anfang 2007 das Statistikamt Indec politisch auf Kurs brachte: Seitdem übermittelt die von Kadern der so genannten progressiven Regierung Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchners und ihres verstorbenen Ehemanns und Amtsvorgängers Néstor besetzte Behörde Inflationszahlen, die weit unter den von  privaten Instituten gemessen werden. Für 2013 kommen Indec und die Regierung auf rund zehn Prozent, realistisch sind etwa 28 Prozent – der höchste Wert seit 2001.

    Das verfälscht die Armutsstatistik: Die Regierung kommt auf eine Armutsrate von 4,7 Prozent der Bevölkerung, die Parlamentsopposition geht von etwa 30 Prozent aus, Tendenz steigend. Und da auch die per Dollarflucht an der Steuer vorbei geschleusten Einkommen der politischen und wirtschaftlichen Elite nicht erfasst sind, ist auch die im offiziellen Gini-Index gemessene Einkommensgleichheit unrealistisch – wie unrealistisch, das belegt das Drama des SOS Kinderdorfs in Cordoba. Stellvertretend für Argentinien und den ganzen Kontinent.

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