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Lieferando-Gründer „Mach einfach mal Urlaub“

Der Gründer des Essenslieferdienstes Lieferando Christoph Gerber erklärt, warum er süchtig nach Start-ups ist und welche Regeln andere Jungunternehmer unbedingt befolgen sollten.

So ungesund leben die Deutschen
Knapp zwei Drittel der Bundesbürger (63 Prozent) schätzen ihren Gesundheitszustand als gut oder sogar sehr gut ein. Aber nur wenige leben rundum gesund. Die meisten bewegen sich zu wenig, essen übermäßig und zu unausgewogen, rauchen und trinken immer noch zu viel oder können mit Stress nicht richtig umgehen. Die DKV Deutsche Krankenversicherung untersuchte für ihren DKV-Report 2016 diese Faktoren - Aktivität, Ernährung, Rauchen, Alkohol und Stressempfinden - zum vierten Mal seit 2010 und stellte fest, dass die Daten sogar noch schlechter geworden sind. Waren es 2010 noch 14 Prozent der Befragten, die in allen Bereichen gut abschnitten, sind es 2016 nur noch 11 Prozent. Quelle: Fotolia
Welche Faktoren haben sich seit 2010 verschlechtert?Die Deutschen haben in der Zeit durchaus gelernt, besser mit Stress umzugehen, und sie achten auch etwas mehr auf ausgewogene Ernährung. Wesentlicher Faktor für die Verschlechterung ist zu viel Sitzen und - im Umkehrschluss - zu wenig Bewegung. „Wer länger sitzt, hat ein höheres Risiko, früher zu sterben“, warnt Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln, der die Befragung leitete. Im Schnitt sitzen die Deutschen an Werktagen sieben Stunden am Tag, am häufigsten bei der Arbeit, aber auch vor Fernseher oder Computer. „Schreibtischarbeiter“ sitzen insgesamt sogar elf Stunden. Quelle: Fotolia
Was kann gegen zu viel Sitzen im Büro getan werden?Sitzen ist im Grunde eine Gewohnheitssache. Der Mensch neigt dazu, sich bei jeder Gelegenheit hinzusetzen. Man kann den Sitz- und Bewegungsalltag im Büro trotz Arbeitsbelastung und Zeitdruck durchaus unterbrechen: Treppen statt Aufzug, Stehpult, kurze Gehpausen, Meetings im Stehen. Möglichst dreimal pro Stunde sollte man aufstehen. Quelle: Fotolia
Gibt es soziale Unterschiede beim Gesundleben?Ja. Von den Menschen mit Hauptschulabschluss erreichen nur sieben Prozent eine gesundheitsförderliche Lebensweise, bei Mittlerer Reife und Abitur sind es 12 beziehungsweise 13 Prozent und bei Menschen mit Studium sind es 10. Hier wird dann aber auch deutlich: je höher der Bildungsabschluss ist, um so länger sitzen die Menschen. Interessant ist auch, dass bei den 18- bis 29-Jährigen nur 5 Prozent einen ausgeglichenen Lebenswandel pflegen. Bei den 30- bis 45-Jährigen sind es 10 Prozent, bei den 46- bis 65-Jährigen 12 Prozent und ab 66 sogar 14 Prozent. Mit zunehmendem Alter wird ein gesundheitsfördernder Lebensstil angestrebt. Übrigens: Hundebesitzer leben gesünder. 16 Prozent der Befragten besitzen einen Hund. 14 Prozent von ihnen leben rundum gesund. Vor allem, weil sie sich viel bewegen. Quelle: dpa
Gibt es Geschlechterunterschiede?Frauen sind das gesundheitsbewusstere Geschlecht. Sie liegen bei fast allen Gesundheitsfaktoren vorne. Aber: Männer (47 Prozent) bewegen sich etwas mehr als Frauen (44 Prozent). Quelle: gms
Wo lebt man in Deutschland am gesündesten?In Mecklenburg-Vorpommern gibt es den höchsten Anteil von Menschen, die rundum gesund leben. 19 Prozent von ihnen „bewegen sich ausreichend, essen ausgewogen, rauchen nicht, trinken wenig Alkohol und haben kein Problem mit Stress“. Weshalb Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren an der Spitze liegt, weiß man noch nicht so richtig - vielleicht ist es die Seeluft. Allerdings sind viele junge Menschen aus dem Bundesland weggezogen. Der Altersdurchschnitt ist relativ hoch. Ältere sorgen sich zwar mehr um ihre Gesundheit. Eine alternde Bevölkerung hat aber auch eine höhere Sterblichkeitsrate, erläutert Froböse. Bundesweit leben nach dieser Auswertung etwa 11 Prozent der Menschen in allen Bereichen gesund. Schlusslichter sind Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg mit jeweils 9 Prozent. In Baden-Württemberg senke vor allem eine unausgewogene Ernährung das Niveau. Und in Berlin gibt es im Verhältnis die meisten Raucher. Über den allgemeinen Gesundheitszustand oder Einzelfaktoren sagt dieser Vergleich aber nicht unbedingt viel aus. So gibt es andere Studien, die Mecklenburg-Vorpommern etwa beim Stress (Studie der Techniker Krankenkasse von 2013) ganz hinten sehen. Quelle: dpa
Könnten Fitnessarmbänder bei der Gesundheitsüberwachung helfen?Die DKV ist skeptisch. Der Vorstandsvorsitzende der privaten Krankenversicherung, Clemens Muth, erklärte, nach der Umfrage sähen die meisten Menschen keinen Nutzen der heutigen so genannten Wearables am Handgelenk zum Messen von Blutdruck, Herzfrequenz oder Bewegung. Sie seien auch noch zu ungenau, sagt Froböse. Quelle: AP

WirtschaftsWoche Online: Sie haben vor acht Jahren Lieferando gegründet und das Unternehmen vor drei Jahren an die Take Away Gruppe verkauft. Sie haben Millionen auf dem Konto. Warum ziehen Sie stattdessen mit Talon.One noch einmal ein neues Unternehmen hoch?

Christoph Gerber: Ich weiß nicht, was ich sonst machen sollte. Ich glaube, das ist wie bei Fußballern. Manche spielen auch ewig, weil sie einfach nicht ohne leben können. Es treibt mich, was zu schaffen, das genutzt wird und das andere haben wollen. Diese Erfolgsmomente machen den Reiz aus. Anders ist das auch nicht zu erklären. Statistisch ist die Chance ja gleich 0, dass ich noch mal so einen Erfolg habe wie mit Lieferando.

Gründer müssen aber auch jede Menge Rückschläge einstecken und arbeiten viel.

Ja, aber das ist wie mit der Ex-Freundin. Nach einer gewissen Zeit erinnerst du dich nur noch an die gute Zeit und denkst, wie schön es doch war. Der ganze Mist ist vergessen. Ich glaube, so war das jetzt bei mir. Ich habe mich mehr an den Kick erinnert, als an die ganzen Tage an denen alles schief lief. Deshalb wollte ich jetzt auch ein neues Abenteuer.

Talon.One

Sie hätten aber auch ein Unternehmen groß machen können, statt zu gründen? Reizt Sie das nicht?

Nein, auf keinen Fall. 670 Leute zu führen, macht mir keinen Spaß. Ich will etwas bauen und operativ mitarbeiten. Nur zu führen und mich mit 10000 Stakeholdern auseinander zu setzen macht doch keinen Spaß.

Packen Sie es jetzt anders an als beim ersten Mal?

Ich bin definitiv gelassener. Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir bei Lieferando mal eine Abmahnung bekommen haben, weil ein Praktikant ein Bild ins Netz gestellt hatte, für das wir keine Lizenz hatten. Ich dachte wir würden untergehen. Jetzt weiß ich dass man wegen sowas nicht pleitegeht und so ist das natürlich auch bei anderen Dingen. Ich weiß viel besser was auf mich zukommt.

Wahrscheinlich ist es beim zweitem Mal auch viel einfacher Geld einzusammeln.

Schön wäre es. Ich bekommen einfacher Termine bei Investoren, als jemand der 22 Jahr alt ist, gerade von der Uni kommt und zum ersten Mal pitcht. Die Türen öffnen sich eher. Aber mehr auch nicht. Deutsche Investoren davon zu überzeugen, dass sie in eine Software investieren sollen, ist fast unmöglich. Talon.One schreibt Programme über die Unternehmen ihre Gutschein-Programme verwalten und Online-Gutscheine zum Beispiel nach Postleitzahlen verteilen können.

Acht Superfoods - und was sie können

Die deutschen Investoren wollen aber lieber in noch einen Internetshop investieren oder in das fünfte Umzugsportal, selbst wenn die Margen niedrig sind. Alle reden über digitale Geschäftsmodelle, aber keiner will mutig sein.

Warum das denn? Gerade die Deutschen rühmen sich doch damit, technologisch zur Weltspitze zu gehören.

Bei den Mittelständlern ist diese Denke sicherlich etabliert - aber nicht bei Investoren. Die wollen eine Idee finanzieren, die sich sofort realisieren lässt. So ein Shop lässt sich schnell hoch ziehen und macht schnell Umsatz. Eine Technologie wie unsere muss erstmal entwickelt werden. Angelsächsische Investoren haben mehr Verständnis dafür, dass das erstmal ein Jahr dauert, bevor der erste Euro verdient wird.

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