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Nazi-Vergangenheit des Vaters Roland Berger will „reinen Tisch machen und alles aufklären“

Seinen Vater hatte Roland Berger in Interviews lange als moralisches Vorbild beschrieben, der 1938 aus Protest gegen die Pogrome aus der Partei ausgetreten sei. Quelle: imago images

Roland Berger sprach jahrzehntelang über seinen Vater als Opfer der Nazis, der aus Protest die NSDAP verließ. Recherchen zeigten zuletzt, dieses Bild von Georg Berger ist falsch. Sein Sohn spricht nun von „Selbstbetrug“. Die Roland-Berger-Stiftung verschiebt die Verleihung ihres Menschenwürde-Preises.

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Die Roland-Berger-Stiftung hat die für Montag geplante Verleihung ihres Preises für Menschenwürde verschoben. In einer Mitteilung vom Samstag hieß es, mit diesem Schritt möchte der Stifter Roland Berger vermeiden, „dass die aktuelle Berichterstattung über die Rolle seines Vaters in der Zeit des Nationalsozialismus die Würde und das Renommee dieses seit 2008 verliehenen Preises gefährdet“.

Einem Bericht des „Handelsblattes“ zufolge war Georg Berger 1931 in die NSDAP eingetreten und von 1936 bis 1939 Reichskassenverwalter der Hitler-Jugend gewesen. Anschließend sei er Generaldirektor einer „arisierten“ Backfabrik geworden und habe in einer beschlagnahmten Villa gewohnt. Der Unternehmensberater Roland Berger hatte seinen Vater lange als Gegner und Opfer der Nazis dargestellt – um Klarheit zu bekommen, beauftragte er inzwischen zwei Historiker, um „reinen Tisch zu machen und alles aufzuklären“, wie er dem „Handelsblatt“ sagte. „Heute bin ich klüger“, so der 81-Jährige.

Der Bericht der Historiker Michael Wolffsohn und Sönke Neitzel soll der Mitteilung zufolge voraussichtlich Ende des Jahres vorliegen und veröffentlicht werden. Wolffsohn sagte der Zeitung: „Soweit sich das bisher feststellen lässt, war Georg Berger in der Tat Profiteur des NS-Systems.“

Laut den Recherchen des „Handelsblatts“ hat die Gestapo 1942 das Haus Georg Bergers mehrfach durchsucht, weil er in Saus und Braus gelebt, Lebensmittel gehortet und das Ansehen der Partei beschädigt habe. Er sei abgesetzt und 1944 aus der NSDAP ausgeschlossen worden. Nach dem Krieg habe ihn eine Spruchkammer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und ihm angerechnet, dass er sich gegen die „Arisierung des Unternehmens gewendet“ und „nach dem Maß seiner Kräfte Widerstand geleistet“ habe. Dem „Handelsblatt“ sagte Roland Berger, die Gestapo-Durchsuchungen habe er als kleiner Bub erlebt. Sein Bild vom Vater stamme auch aus Erzählungen in der Verwandtschaft. Es sei wohl „Selbstbetrug, den ich mir da habe zuschulden kommen lassen“.

Der polnische Bürgerrechtler Adam Bodnar, der den Preis für Menschenwürde am Montag im Jüdischen Museum in Berlin erhalten sollte, hatte am Freitag erklärt, er nehme die Auszeichnung wegen der Zweifel an Bergers Rolle im Nationalsozialismus nicht entgegen. Auch das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ verzichtete der Mitteilung der Stiftung zufolge auf den Preis.

„Ich respektiere diese Entscheidungen und sage die Veranstaltung für Montag ab, um weiteren Schaden von meiner Stiftung abzuwenden und den Geist der Auszeichnung für kommende Preisträger zu wahren“, sagte Berger laut Mitteilung. Roland Berger selbst hat mit 50 Millionen Euro Privatvermögen die Jugendstiftung gegründet und lässt seit 2008 einen hoch dotierten Preis für Menschenwürde verleihen. Das Jüdische Museum Berlin zeichnete Roland Berger mit dem Preis für Verständigung und Toleranz aus.

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