Piloten-Streit Lufthansa einigt sich mit Cockpit

Passagiere der Lufthansa können aufatmen. Nach 14 Streikrunden haben sich Unternehmen und Piloten auf einen umfassenden Kompromiss geeinigt, der einen langen Betriebsfrieden bringen soll.

Zwei Piloten im Cockpit eines Lufthansa-Airbus A380. Quelle: dpa

Bei der Lufthansa sind Pilotenstreiks voraussichtlich für Jahre vom Tisch. Das Unternehmen und die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) haben sich in der Nacht zum Mittwoch überraschend auf die Eckpunkte eines umfassenden Tarifkompromisses geeinigt. Die Vereinbarungen unter anderem zu Gehältern und Betriebsrenten sollen in den kommenden Wochen fertig verhandelt werden und dann bis Juni 2022 gelten, teilten beide Seiten in Frankfurt mit.

Die Piloten haben in dem seit 2012 schwelenden Tarifkonflikt 14 Mal die Arbeit niedergelegt, zuletzt über sechs Tage im vergangenen November. Insgesamt waren über eine Million Passagiere von Flugausfällen betroffen und dem Dax-Konzern ist ein wirtschaftlicher Schaden von mehr als 500 Millionen Euro entstanden.

In dem Kompromiss akzeptiert VC unter anderem die Umstellung der Betriebsrenten auf Festbeiträge. Bislang hatte Lufthansa die absolute Höhe der Zahlungen garantiert und damit das Zinsrisiko übernommen. Wegen der Niedrigzinsen musste Lufthansa mehr für die Pensionsverpflichtungen beiseitelegen, um die Zusagen zu erfüllen.

Die wichtigsten Kennzahlen der Lufthansa

Die Neuregelung wirkt sich nun im Geschäftsjahr 2017 entlastend auf die Bilanz aus. Einmalig könne ein hoher dreistelliger Millionenbetrag gespart werden, teilte das Unternehmen mit. Die Piloten dürfen zudem künftig auch erst in einem Durchschnittsalter von 60 Jahren in den Vorruhestand gehen, statt wie bislang mit 58.

Lufthansa garantiert den rund 5400 Konzernpiloten im Gegenzug, dass zu diesen Bedingungen bis Mitte 2022 mindestens 325 Jets betrieben werden. Das entspricht in etwa dem aktuellen Niveau der Lufthansa-Muttergesellschaft. Zusätzlich sollen zehn Langstreckenflugzeuge aus dem Sonderprogramm „Jump“, die bisher von Beschäftigten der Tochter Cityline geflogen werden, wieder mit Original-Lufthansa-Piloten besetzt werden, wie beide Seiten bestätigten.

Damit würden 600 Stellen für Kapitänsanwärter geschaffen und rund 700 bereits fertig ausgebildete Nachwuchspiloten könnten eingestellt werden. Der 2013 von Lufthansa-Chef Carsten Spohr verhängte Einstellungsstopp in den Konzerntarifvertrag ist damit ebenso vom Tisch wie die vom Vorstand angedrohte Neugründung einer „Neben-Lufthansa“, die bis zu 40 Maschinen zu geringeren Tarifbedingungen hätte betreiben sollen.

Womit die Lufthansa ihr Geld verdient

Bereits im Februar hatten Lufthansa und VC mit Hilfe des Schlichters Gunther Pleuger eine erste Teillösung zu den Gehältern erreicht, die nun aber von der neuen Einigung ersetzt wird. Statt der im Februar verabredeten 8,7 Prozent mehr Geld erhalten die Piloten nun Gehaltssteigerungen von 11,4 Prozent, allerdings über eine um zweieinhalb Jahre verlängerte Laufzeit. Die geplante Einmalzahlung steigt kräftig auf das 1,8-fache Monatsgehalt.

Die Urabstimmung zur Schlichtung müsse aus formellen Gründen in der kommenden Woche noch abgeschlossen werden, sagte ein VC-Sprecher. Eine Annahme des Schlichtungsergebnisses sei nicht mehr nötig, erklärte hingegen die Lufthansa. Die Börse reagierte freundlich auf die Einigung. Die Lufthansa-Aktie zählte am Nachmittag mit einem Plus von gut 1,5 Prozent zu den Gewinnern im Leitindex Dax.

Das Unternehmen will an diesem Donnerstag seine Bilanz für das vergangene Jahr vorstellen. Laut Analysten dürfte es den Rekordgewinn von 1,7 Milliarden Euro aus dem Jahr 2015 noch übertreffen. Grund ist vor allem als Sondereinfluss die Rentenumstellung für die Flugbegleiter auf Festbeiträge, wie sie nun auch für die Piloten vereinbart werden soll.

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