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Rhön Klinikum Neuer Chef, gleicher Machtkampf

Seit zwei Monaten führt Stephan Holzinger die Rhön Kliniken. Er will sparen und Krankenhauskonzepte revolutionieren. Seine wichtigste Aufgabe ist eine andere: Die drei Alphatierchen im Aktionärskreis zu bändigen.

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Der Schriftzug der Rhön-Klinikum AG. Quelle: dpa

Stephan Holzinger hält nichts von zu viel Zurückhaltung. Neue Vorstandsvorsitzende nehmen sich gerne hundert Tage, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen, bevor sie neue Strategien und Sparpakete präsentieren. Nicht so Holzinger. Er sei „Unternehmer, der eine Managementrolle übernommen hat“, stellt er klar. Kein Manager, der über Jahrzehnte in Konzernstrukturen glattgeschliffen worden sei.

Seit knapp 60 Tagen ist der ehemalige PR-Mann, Fachmann für Krisenkommunikation, auf seinem Posten. Das hindert ihn nicht daran, lauthals die Versäumnisse seiner Vorgänger zu kritisieren. Und einen neuen Kurs zu präsentieren: Unter Holzinger soll Rhön zu einem digitalen Vorreiter in der Krankenhauslandschaft werden.

Einfach wird dieses Vorhaben nicht. Rhön hängt weit hinter der Konkurrenz zurück. Der Gewinn sank im vergangenen Jahr um knapp 25 Prozent auf 58,6 Millionen bei einem Umsatz von 1,18 Milliarden Euro. Und im nächsten Jahr, warnt Holzinger, werde das Ergebnis noch „deutlich niedriger“ ausfallen. Holzinger will nun die Kräfte der einzelnen Häuser bündeln, Einkaufsvorteile ausschöpfen und bei den Verwaltungskosten sparen. Doch wichtiger als das ist die Einigkeit unter den Hauptaktionären: Dem Rhön-Gründer Eugen Münch, Bernard große Broermann, dem Gründer des Konkurrenten Asklepios, und Ludwig Braun, Eigentümer des Zulieferers und Medizintechnikherstellers B.Braun in Melsung.

Holzinger muss nun beweisen, dass er Vermittler zwischen den drei Alphatieren sein kann. Sonst droht Rhön, noch weiter zurückzufallen.

Der Machtkampf begann mit Verkaufsplänen

Begonnen hat dieser Machtkampf bereits vor vier Jahren. Damals wollte Eugen Münch, Gründer der Rhön Kliniken, seine Häuser an den Wettbewerber Helios verkaufen. Konkurrent Asklepios und der Medizintechnikhersteller B. Braun wollten das verhindern und kauften sich bei Rhön ein. Holzinger kam damals als Berater zur Rhön, er sollte den Verkauf an Helios doch noch möglich machen. Es gelang ihm. Münch setzte sich gegen Braun und Broermann durch und trat den Großteil seiner Kliniken an Helios ab. Heute bleiben Rhön nur noch fünf Häuser – und die drei Großaktionäre.

Statt um mögliche Verkäufe streiten sich die Aktionäre und Vorstand nun um die Strategie. Vor allem Eugen Münch möchte sein Lebenswerk retten und sich mit Campus-Konzept und Digitalisierung ein Denkmal setzen. Deshalb treibt er Projekte zum Einsatz künstlicher Intelligenz voran, deshalb jagte er Vorstand Martin Menger und Finanzchef Jens-Peter Neumann raus und setzte stattdessen seinen Vertrauten Stephan Holzinger als neuen Vorstandsvorsitzenden ein.

Nur: Münch ist längst nicht mehr der mächtigste Mann im Konzern. Ludwig Braun, Eigentümer des Medizintechnikherstellers B. Braun, besetzt mittlerweile zwei Sitze im Aufsichtsrat. Und er hat auch mehr Anteile unter seiner Kontrolle. Braun kauft seit Monaten fleißig zu und dürfte bald mehr als 25 Prozent der Aktien besitzen.

Doch was Braun mit seinen Anteilen vorhat, bleibt rätselhaft. Nur für die Dividende jedenfalls lohnt sich das Investment nicht: In den zwei vergangenen Jahren hatte Rhön noch 80 Cent je Aktie an seine Eigentümer ausgeschüttet, in diesem Jahr sollen es nur noch 35 Cent sein. Trotzdem heißt es bei dem Medizintechniker: „Rhön ist für uns eine Kerninvestition“. Braun unterstütze Münch und Holzinger bei ihren Digitalisierungs-Plänen, heißt es aus Konzernkreisen.

Asklepios-Eigentümer Bernhard große Broermann dürfte das anders sehen. Dem Konkurrenten wird nachgesagt, dass er die restlichen Rhön-Häuser gerne aufkaufen und in sein eigenes Reich holen möchte. Vor allem aber will Broermann endlich einen Sitz im Aufsichtsrat. Das haben Münch und Braun bisher verhindert. Der Platz, der durch Holzingers Aufstieg zum Vorstandsvorsitzenden im Aufsichtsrat freiwurde, hat Braun mit seiner Finanzchefin Annette Beller nachbesetzt. Asklepios könnte nun auf der Hauptversammlung im Mai einen Antrag stellen, um in den Aufsichtsrat einzuziehen. „Ob der dann angenommen würde, ist eine andere Frage“, sagt Holzinger nur.

Es liegt an ihm, die Aktionäre im Zaum zu halten. Doch Holzinger gilt als geschickter Fädenzieher, der mit bayrischer Gelassenheit Skeptiker auf seine Seite zu ziehen vermag. Doch damit steht der Liebhaber von Serien wie „House of Cards“ und des Mafia-Epos „Sopranos“ nicht unbedingt für eine neue Rationalität im Vorstand. Operative Erfahrung bringt er kaum mit, bis auf einige Jahre in Führungspositionen bei BMW, wie aus dem Lebenslauf auf seiner Homepage zu entnehmen ist. Trotzdem will Holzinger nun das ambitionierteste Digitalisierungsprojekt, das es in der deutschen Krankenhausszene gibt, vorantreiben.

Holzinger bemüht sich, die Alphatiere im Aktionärskreis hinter der Vision zu vereinen. Ein Bild eines neuen Krankenhauskonzepts, dass Rhön von Bad Neustadt aus in Deutschland verbreiten will. Dort entsteht gerade ein hochmoderner Klinikcampus, für 180 Millionen Euro baut Rhön seine Klinik dort um. Zukünftig sollen dort niedergelassene Ärzte und Ambulanz Hand in Hand arbeiten, die Grenzen zwischen einzelnen Abteilungen sollen verschwimmen. Der Patient soll von intelligenten Systemen durch das Krankenhaus geleitet werden, das seine Daten erfasst und den Arzt bei Diagnosen unterstützen kann. „Wir sehen uns als Vorreiter beim Einsatz kognitiver Intelligenz“, sagt Holzinger.

Spätestens in zwei Jahren soll der Umbau vollendet sein. Dann will Rhön das Konzept möglichst schnell in Deutschland verbreiten. Zwölf interessante Standorte habe Rhön schon identifiziert, sagt Holzinger. „Die Rhön Klinikum AG wird wieder ein Leuchtturm dieser Branche werden“, prophezeit er. Doch bis dieser Turm steht, müssen noch viele Steine gesetzt werden.

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