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Grüne Schifffahrt Synthetisches Erdgas, der Treibstoff der Zukunft?

Das Containerschiff

In Brunsbüttel wurde jetzt das weltweit erste Schiff mit synthetischem Erdgas betankt, das aus erneuerbaren Energien hergestellt wurde. Politiker glauben, dass der grüne Kraftstoff Öl und Kohle ersetzen könnte.

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Das Containerschiff „ElbBlue“ hat am Mittwoch in Brunsbüttel bei Hamburg Geschichte geschrieben. Es ist das weltweit erste Schiff, das mit umweltfreundlichen Synthetischem Erdgas (SNG) betankt wurde. An Bord läuft ein Dieselmotor von MAN, der bisher nur mit herkömmlichem Erdgas (LNG) lief. Nun sollen durch die Betankung mit 20 Tonnen synthetischem Erdgas die CO2-Emissionen der Elbblue laut Hersteller bei der ersten Fahrt nach Sankt Petersburg um etwa 56 Tonnen verringert werden können.

Synthetisches Erdgas wird im Unterschied zu natürlichem Erdgas künstlich erzeugt. Es gibt es zwei Arten der Herstellung: Auf Basis von Kohle können CO2-Abgase mit energiehaltigem Wasserstoff chemisch verbunden werden. Die andere Methode ist emissionsarm: Durch Biomasse wird Biogas erzeugt und zu Erdgas umgesetzt. Dabei werden hier 80 Prozent der Energie in dem Kraftstoff gespeichert.

Die neueste Methode ist die Umlage von erneuerbarer Energie über einen elektrochemischen Prozess, auch Power-to-Gas genannt. Diesen setzte auch der Hersteller Kiwi bei der Premiere in Brunsbüttel ein. Dieser Treibstoff gilt als klimaneutral und besitzt eine Energieeffizienz von 78 Prozent. „Mit der erstmaligen Betankung eines Containerschiffes mit synthetischem, CO2-neutralem LNG machen wir einen großen Schritt in Richtung maritimer Klimawende und hin zum Zero-Emission-Ship“, sagte der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann.

In Brunsbüttel ist außerdem der Bau eines Terminals zum Umschlag von flüssigem Erdgas geplant. „Wenn mittels LNG-Nutzung auch fossile Energieträger wie Öl oder Kohle ersetzt werden, kann das zur Klimaneutralität beitragen“, sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz der Deutschen Presse-Agentur. Bisher gibt es in Deutschland noch kein Terminal für den Import von flüssigem Erdgas. Ein Problem ist, dass das Gas auf über Minus 160 Grad heruntergekühlt werden muss.

Herkömmliches Erdgas wird bereits seit längerem für die Schifffahrt eingesetzt. 2020 fuhren weltweit 175 Schiffe mit Erdgas. Laut einer Marktanalyse des Branchenverbands SEALNG gab es Anfang 2020 über 90 Häfen, in denen Schiffe mit Erdgas betankt werden können. Außerdem planen neun der zehn größten Häfen der Welt Bunker einzurichten, um das Erdgas zu lagern – einige haben solche Anlagen bereits in Betrieb genommen. In den Häfen Rotterdam, Amsterdam, Brügge und Barcelona bestehen bereits Kapazitäten. Für viele Experten wird Erdgas eher als ein Übergangs-Treibstoff gesehen, doch darüber herrscht keine Einigkeit.

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Die Frage nach dem zukunftsweisenden Treibstoff beschäftigt die Schifffahrtsbranche seit Jahren. Dabei werden viele Technologien als zukunftsweisend angepriesen. Eine Gas-Markt-Analyse der Internationalen Energieagentur kommt bezüglich SNG zu einer eher nüchternen Bewertung: Die wenigen laufenden Projekte wiesen auf eine mittelfristige Stagnation der SNG-Produktion hin, heißt es dort.

Mehr zum Thema: Die Schifffahrt würde gerne grüner werden. Bisher ist unklar, wie das gelingen kann. In diesem Kontext schlägt die internationale Schifffahrtskammer jetzt eine CO2-Steuer für die eigene Branche vor. Was dahinter steckt.

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