Kosten des Atomausstiegs E.On will nun doch zahlen

Kehrtwende bei E.On: Der Energieversorger ist nun doch bereit, zusätzliche Milliarden für die Entsorgung des radioaktiven Atommülls zu zahlen. E.On-Chef Johannes Teyssen kündigt Sparmaßnahmen an.

e.On: Energieversorger will Milliarden nun doch zahlen. Quelle: dpa

Schon aus Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, den Kunden und Eigentümern könne E.On den Vorschlag der Atomkommission nicht akzeptieren, polterte Konzernboss Johannes Teyssen noch vor zwei Wochen. Ende April hatte die von der Bundesregierung eingesetzte Atom-Kommission vorgeschlagen, für insgesamt rund 23 Milliarden Euro könnten sich die vier Atom-Betreiber E.On, RWE, EnBW und Vattenfall von den Risiken der Atomfolgekosten freikaufen.

Mit diesem Betrag soll die Lagerung des radioaktiven Atommülls finanziert werden. Das Geld sollen alle vier Betreiber in einen öffentlichen Fonds einzahlen, wo das Geld verwaltet wird und mit dem die Ewigkeitskosten für Zwischen- und Endlagerung des radioaktiven Mülls finanziert werden sollen.

Die vier Atombetreiber haben in ihren Bilanzen für die Endlagerung des Atommülls rund 17 Milliarden Euro zurückgestellt. Um die Betreiber von weiteren Kostenrisiken zu befreien, fordert die Kommission einen Aufschlag von rund sechs Milliarden Euro – insgesamt also 23 Milliarden Euro. Der Fonds soll schon 2017 starten. In ihn sollen die Konzerne ihre Rückstellungen sofort einzahlen. Für den geplanten Risikoaufschlag von rund sechs Milliarden Euro haben die Versorger allerdings Zeit bis 2022.

Alle vier Energiekonzerne kündigten Widerstand gegen den Vorschlag der Kommission an. Doch nun schert E.On aus. Konzernboss Teyssen erkennt plötzlich, die Vorschläge der Atom-Kommission hätten positive Aspekte. E.On begrüße den Vorschlag einer klaren Trennung der Verantwortlichkeiten: Für den Rückbau der Atommeiler seien die Unternehmen verantwortlich; die Verantwortung für die Zwischen- und Endlagerung werde beim Staat liegen. „E.On ist an einer baldigen und endgültigen Klärung des Themas in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung auf Basis des Vorschlags der Atom-Kommission interessiert“, sagt Teyssen jetzt. Zwar gebe es noch zahlreiche Fragen, die geklärt werden müssten, aber E.On sei bereit, den Prozess konstruktiv und offen zu begleiten.

Offenbar hat der Energiemanager erkannt, dass er sich gegen den Vorschlag der Kommission nicht wird wehren können. Alle 19 Kommissionsmitglieder, darunter auch BDI-Chef Ulrich Grillo, stimmten einstimmig für den Vorschlag. Vertreter aller Parteien begrüßten ihn. Die Grünen mahnten, nun müssten die Energiekonzerne im Gegenzug ihre zahlreichen Klagen gegen die Bundesregierung rund um das Thema Atom-Ausstieg fallen lassen.

Neues Sparprogramm bei E.On erwartet

E.On-Topmanager Teyssen geht mit seiner Kehrtwende auf die Bundesregierung zu. Gleichzeitig kündigt er an, wegen des Risikoaufschlags bei der Finanzierung des Atomausstiegs müsse der Konzern Zukunftsinvestitionen verschieben und zusätzliche Kosten einsparen. Womöglich kündigt der Konzernchef schon morgen, bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das erste Quartal ein neues Sparprogramm sowohl für E.On also auch für den neuen Konzern Uniper an. In die neue Tochter gliedert der Energieriese seine Kohle- und Gaskraftwerke aus. E.On will Uniper an die Börse bringen. Die „alte“ E.On soll sich auf das Ökostromgeschäft konzentrieren.

Kosteneinsparungen nun der Atom-Kommission in die Schuhe zu schieben, ist allerdings irreführend. Weitere Einsparungen hatte Teyssen schon bei der Vorlage der Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr Mitte März angekündigt. Da war die Entscheidung über den Risikoaufschlag für die Atomfolgekosten überhaupt noch nicht gefallen.

Im vergangenen Jahr verbuchte E.On einen Nettoverlust von sieben Milliarden Euro. In der alten E.On zeigte sich noch einmal die ganze Schwäche des Energieriesen, der spät ins Geschäft mit grünem Strom eingestiegen ist und der wie die Konkurrenz um RWE & Co wegen der gefallenen Strom-Großhandelspreise immer weniger verdient. Beim Nettoverlust schlugen in 2015 bei E.On vor allem Abschreibungen auf fossile Kraftwerke und das Öl- und Gasgeschäft von knapp neun Milliarden Euro zu Buche. Der operative Gewinn fiel 2015 um zehn Prozent auf 7,6 Milliarden Euro.

Wie im Ausland die Atommüll-Kosten gestemmt werden

Seit der Bekanntgabe der Aufspaltung des Konzerns Ende 2014 hätten sich die Rahmenbedingungen weiter verschlechtert, sagte Teyssen im März. Daher müsste E.On die Ausrichtung und die erreichbaren Ambitionen von E.On und Uniper überprüfen. „Die veränderte Lage werde in den künftigen Investitionen und Dividenden berücksichtigt“, sagte Teyssen.

Analysten rechnen mit einem Plus beim E.On-Betriebsgewinn

Allerdings hat der Energiekonzern nach Einschätzung von Experten in den ersten drei Monaten des neuen Geschäftsjahres seinen Betriebsgewinn gesteigert. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten rechnen für das erste Quartal 2016 im Schnitt mit einem um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 2,909 Milliarden Euro. Das wäre ein Plus von knapp drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

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