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RWE im Umbruch Die Kohle macht doch noch Hoffnung

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Effizienzprogramm macht sich bemerkbar

E.On hatte am Mittwoch den Zwischenbericht vorgelegt und über einen Nettoverlust von drei Milliarden Euro berichtet. RWEs Konkurrent hatte dies mit Wertberichtigungen und Drohverlustrückstellungen bei Uniper von 3,8 Milliarden Euro begründet. E.On wird auch das Gesamtjahr mit einem Verlust abschließen, wie Konzernchef Teyssen bestätigte. Operativ läuft es bei E.On besser. Im neuen Kerngeschäft Energienetze, Kundenlösungen und Erneuerbare Energien lag das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit knapp 1,7 Milliarden Euro um 15 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

RWE und E.On kämpfen mit denselben Problemen. Nachdem die Energiekonzerne jahrzehntelang gut an ihren großen Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken verdient hatten, kamen sie mit der Energiewende in ernste Turbulenzen. Der Markt wurde mit Wind- und Solarstrom geflutet, der unter anderem in Deutschland per Gesetz Vorrang im Netz genießt. Die konventionellen Kraftwerke wurden dadurch zunehmend aus dem Markt gedrängt.

"Das war unglaublich vertrauenszerstörend"
Bei RWE rumort es gewaltig hinter den Kulissen: Angesichts der Krise des Energiekonzerns trommeln die Kommunen vor der Aufsichtsratssitzung am Freitag für Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller als künftigen Chefaufseher. Er soll mit seinen politischen Kontakten das Ruder herumreißen. Amtsinhaber Manfred Schneider kämpft dagegen offenbar für den Ex-SAP-Finanzvorstand Werner Brandt als seinen Nachfolger. Bei der Herbstsitzung des Aufsichtsrats in Essen könnten die Weichen gestellt werden, offiziell gewählt wird im kommenden Frühjahr. Bei der Sitzung muss RWE-Chef Peter Terium außerdem den weiter dramatisch fallenden Aktienkurs erklären und Ängste vor weiteren Dividendenkürzungen zerstreuen. Es schaut nicht gut aus für den Energieriesen – die Krise von RWE in Zitaten. Quelle: dpa
„Das Unternehmen geht durch ein Tal der Tränen.“ (RWE-Chef Peter Terium bei der Quartalsbilanz im November 2013) Quelle: dpa
„Die niedrigen Strompreise hinterlassen ihre Blutspuren in unserer Bilanz.“ (RWE-Finanzvorstand Bernhard Günther, im Mai 2014) Quelle: Presse
„Das Tal der Tränen ist also noch nicht durchschritten.“ (RWE-Chef Peter Terium bei der Jahresbilanz im März 2015) Quelle: dpa
„RWE muss sich gesundschrumpfen und braucht an der Spitze keinen Visionär, sondern einen Sanierer.“ (Fondsmanager Ingo Speich bei der Hauptversammlung im April 2014) Quelle: Presse
„Womit verdient RWE in fünf Jahren sein Geld – das ist die Gretchenfrage.“ (Aktionärsvertreter Marc Tüngler bei derselben Hauptversammlung) Quelle: dpa
„Unabhängig von Länder- und Spartengrenzen: Es geht ums Überleben.“ (RWE-Kraftwerkschef Matthias Hartung im Juli 2015) Quelle: dpa

Mit dem Überangebot an Kohle- und Gasstrom stürzten die Preise im Großhandel dramatisch ab. 2011, bevor die Reaktorkatastrophe von Fukushima den Markt erschütterte, kostete eine Megawattstunde Strom im Großhandel noch gut 60 Euro, aktuell sind es gerade 27 Euro. Entsprechend sind die Margen der Kraftwerke zusammen geschmolzen – und die Anlagen wurden zum Sanierungsfall.

Im ersten Halbjahr lief es in der Problemsparte, der konventionellen Stromerzeugung, aber überraschend gut. Hier zahle sich das Effizienzprogramm aus, erklärte RWE. Zudem habe der Konzern Grundstücke verkauft.



Terium will mit der Abspaltung von Innogy das ertragreiche Geschäft von diesem Ballast befreien – und Investoren eine sichere Anlage bieten. Anfang August gab RWE erstmals konkrete Prognosen für Innogy bekannt. Der RWE-Vorstand erwartet für das neue Unternehmen im laufenden Jahr ein Ergebnis vor Finanzierungskosten, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in der Bandbreite von 4,1 bis 4,4 Milliarden Euro. Das ist zwar etwas weniger als die 4,5 Milliarden Euro, die die Sparten 2015 erwirtschaftet hatten. Innogy wird aber den größten Teil des Konzern-Ergebnisses beisteuern. Insgesamt rechnet RWE für 2016 mit einem Ebitda von 5,2 bis 5,5 Milliarden Euro. Darin sind dann auch die Erträge der konventionellen Stromproduktion und des Energiegroßhandels enthalten.

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