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Stromanbieter-Ranking Die besten Ökostrom-Anbieter im Vergleich

Alles Solar: In Deutschland hat sich seit 2011 die installierte elektrische Leistung von Fotovoltaikparks in etwa verdoppelt. Quelle: Laif

Um die Energiewende zu schaffen, ist mehr Ökostrom nötig. Bisher ist nur ein Teil der grünen Energie nachhaltig. Das Ranking der WirtschaftsWoche zeigt, welcher Stromtarif dem Klima wirklich hilft.

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Tesla beherrscht Produktbindung so gut wie Apple. Nur Hausbesitzer mit einem Tesla-Stromspeicher und einer eigenen Solaranlage erhalten auch den Tesla-Ökostrom. Der Strom kommt vom britischen Anbieter Octopus Energy. Derzeit gibt es den Tesla-Tarif nur in Baden-Württemberg und Bayern. Die regulären grünen Octopus-Tarife sind dagegen bundesweit verfügbar.

Ökostrom ist gefragt, nicht nur der vom britischem Kraken. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Kreutzer Consulting haben inzwischen vier Millionen Haushalte in Deutschland einen Ökostromtarif. Der Strommix wird insgesamt grüner. Laut Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE kamen im ersten Halbjahr 2021 rund 48 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen.

Wenn die Bundesregierung ihre Klimaziele erreichen will, dann braucht Deutschland noch mehr Ökostrom. Das bisherige Tempo beim Ausbau von Windparks, Solar- und Biogasanlagen wird nicht reichen. Kürzlich musste Wirtschaftsminister Peter Altmaier zugeben, dass er sich verrechnet hat. Der Stromverbrauch werde im Jahr 2030 zehn Prozent höher sein als bisher veranschlagt. Grund dafür, so Altmaier, sei der schnellere Ausbau der Elektromobilität.

Am Boom des Ökostroms wollen möglichst viele mitverdienen: von großen Energiekonzernen wie E.On über Stadtwerke bis hin zu Genossenschaften wie die Bürgerwerke. Selbst Dax-Konzerne wie Volkswagen mischen mit. VW verkauft seine Ökoenergie über die Tochter Elli als Volkswagen Naturstrom. Besitzer eines E-Autos von VW erhalten Sonderkonditionen. Anders als Tesla verkauft VW aber keine Stromspeicher, sondern bietet E-Auto-Besitzern eine Ladestation fürs Haus an.

Je nach Wohnort können deutsche Haushalte zwischen insgesamt 250 bis 300 Ökostromtarifen wählen. Viele Angebote sind nur regional begrenzt verfügbar. Bundesweit aktiv sind etwa 130 Anbieter. Wirklich nachhaltig ist jedoch nur ein kleiner Teil der Ökostromtarife. Denn nur bei wenigen fließt Geld in den Ausbau der erneuerbaren Energien. Beim Gros der Angebote bleibt der grüne Anteil am Strommix konstant. Das heißt, für mehr Klimaschutz bringen diese Tarife nichts.

Aus der Steckdose kommt in Deutschland in der Regel grauer Strom, also auch der aus Gas und Kohle. Haushalte, die einen Ökostromtarif abschließen, ändern daran zunächst nichts. Denn auch bei ihnen kommt schmutziger Strom aus der Steckdose. Nur wenn der Anbieter Solaranlagen oder Windparks ausbaut, kann der Anteil der Erneuerbaren am Strommix steigen.

Methodik

Mit grüner Verpackung verkauft sich Strom besser. Was tatsächlich im Stromtarif drin ist, hat die WirtschaftsWoche in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt Research Institute geprüft (siehe Tabelle). Bei der Orientierung im Tarifdschungel helfen anerkannte Ökostromsiegel wie OK Power und Grüner Strom. Sie stellen sicher, dass ein Teil des Strompreises in den Ausbau der Erneuerbaren fließt.

Auch Deutschlands größter reiner Ökostromanbieter LichtBlick hatte 2020 noch das Siegel OK Power. In diesem Jahr jedoch fehlt es. Die Hamburger wollen wachsen und raus aus der grünen Nische. Die zunehmende Größe mache es schwerer, die Bedingungen der Ökostromsiegel zu erfüllen, sagt LichtBlick. Über den Mutterkonzern Eneco hat LichtBlick 355.000 Kunden vom Energiemulti E.On übernommen. Insgesamt haben Stromkunden bei den Hamburgern rund eine Million Verträge abgeschlossen.

Wer als Stromanbieter zu groß wird, muss Kompromisse bei der Nachhaltigkeit machen. Es ist daher nur folgerichtig, dass sich unter den besonders nachhaltigen Ökostromanbietern eher kleinere Unternehmen finden. Die Bürgerwerke beispielsweise beziehen einen Teil des verkauften Stroms aus rund 100 Energiegenossenschaften, die 1400 Anlagen, vor allem Solar- und Windparks, betreiben. Der von den Genossen produzierte Ökostrom erfüllt die Vorgaben von Grüner Strom und Robin Wood.



Die Investitionen in Solaranlagen und Windparks refinanzieren die besonders grünen Anbieter über den Strompreis. Ein Vierpersonenhaushalt in Düsseldorf (Verbrauch: 4250 Kilowattstunden pro Jahr) zahlt beim günstigsten Ökostromanbieter ohne Siegel laut Verivox monatlich 91,27 Euro. Beim preiswertesten Anbieter mit strengem Ökosiegel sind es 99,89 Euro pro Monat.

Diese Preise lassen sich jedoch nicht auf andere Städte übertragen. Das liegt vor allem an unterschiedlich hohen Netzentgelten am jeweiligen Wohnort. Die Stromanbieter geben die Gebühren an ihre Kunden weiter. Auch in diesem Jahr haben sie sich auseinanderentwickelt. In Bremen beispielsweise sanken die Netzentgelte um ein Prozent, in Schleswig-Holstein stiegen sie dagegen um elf Prozent. Die Netzentgelte machen im Schnitt ein Viertel vom Strompreis aus.

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Netzentgelte plus Steuern, Abgaben und die EEG-Umlage summieren sich auf 55 Prozent des Strompreises. Die Bundesregierung will den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien sozial verträglich gestalten. Das könnte bedeuten, dass die EEG-Umlage sinkt. Allerdings ist nicht klar, welche Koalition nach der Bundestagswahl im September regieren wird. Aussagen so kurz vor der Wahl sind daher kaum verlässlich. Es ist aber wahrscheinlich, dass die Strompreise weiter steigen. Die Haushalte mit nachhaltigem Ökostrom haben zumindest einen Trost – sie tun etwas für den Klimaschutz.

Mehr zum Thema: Um neue Klimaziele zu erfüllen, braucht das Land viel mehr grüne Energie. Doch Bürokratie und Proteste blockieren den Ausbau.

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