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Analyse Was Karstadt besser macht als Kaufhof

Karstadt hängt Kaufhof im Kampf der Kaufhäuser ab Quelle: dpa

Dass Karstadt seit Jahren erstmals wieder Gewinn ausweist, ist das Resultat harter Arbeit und schmerzhafter Schnitte. Diese Sanierung hat Konkurrent Kaufhof noch vor sich.

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Für Stephan Fanderl ist es klar, dass es ein Wettlauf ist, bei dem es keine Zeit zu verlieren gilt. „Wir sehen bei allen Maßnahmen darauf, in welcher Geschwindigkeit sie sich bezahlt machen und ausrollbar sind“, erklärt der Karstadt-Chef.

Schließung von Häusern, Untervermietung von Flächen an dm, Aldi oder Edeka, Personalabbau, Sanierungstarifvertrag mit der Gewerkschaft – Schlag auf Schlag folgten radikale Maßnahmen, die die Kosten immer weiter reduzierten. Dabei nahm er auch in Kauf, dass der Umsatz immer mehr schrumpfte.

Die deutschen Warenhauskonzerne kämpfen ums Überleben, viele Experten haben bereits das Ende des Kaufhauses ausgerufen. Und der Karstadt-Chef macht Tempo, um das scheinbar Unmögliche doch noch wahr zu machen. Jetzt hat er immerhin einen wichtigen Etappensieg erzielt: Erstmals seit 12 Jahren macht Karstadt wieder einen Überschuss.

Seinen Stolz kann Fanderl nicht verhehlen. „Wir haben damit im dritten Jahr in Folge unser Versprechen erfüllt“, sagt er. „Im ersten Sanierungsjahr hatten wir ein Plus in der Ladenkasse, im zweiten ein Plus beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit und im abgelaufenen Geschäftsjahr einen positiven Jahresüberschuss.“ Auch wenn es nur ein Gewinn von gerade mal 1,4 Millionen Euro ist.

Der Konkurrent Kaufhof dagegen hat viel Zeit verloren. Als der Karstadt-Chef schon voll in der Sanierung steckte, agierte der Kölner Wettbewerber noch aus einem trügerischen Gefühl der Überlegenheit. Als der kanadische Handelskonzern Hudson’s Bay Company Mitte 2015 Kaufhof übernahm, herrschte in der allgemeinen Euphorie die Vorstellung, mit ein bisschen Modernisierung der Häuser und ein paar neuen Marken sei es getan. Statt hart durchzugreifen, gab es nur Kosmetik.

Gut zwei Jahre später kam das böse Erwachen. Der Umsatz sinkt bedrohlich, mit einem Gewinn rechnet auch dieses Jahr niemand. Die Investitionsoffensive stockt, die Modernisierung der Häuser wird aus Kostengründen gestreckt. Auch der Onlineverkauf wächst nicht so schnell, dass er das wegbrechende stationäre Geschäft kompensieren kann.

Immerhin hat der Kaufhof-Eigentümer HBC mittlerweile begriffen, in welcher Misere das Unternehmen steckt. Im vergangenen November trat ein Sanierer seinen Job als neuer Kaufhof-Chef an. Der ehemalige Real-Geschäftsführer Roland Neuwald, der in der Branche einen guten Ruf genießt, muss nun im Eiltempo nachholen, was seine Vorgänger versäumt haben.

Er verschlankt die Zentrale und baut sie um, verhandelt mit der Gewerkschaft über niedrigere Personalkosten, sucht neue Partner für die zu großen Verkaufsflächen – alles Notoperationen, die Karstadt-Chef Fanderl längst hinter sich hat.

Und der Karstadt-Chef hat schon ein neues Ziel ausgerufen. „Im Moment sieht man im deutschen Einzelhandel einen ‚Digitalisierungs-Wettlauf‘“, so Fanderl. „Dieses Rennen werden Unternehmen nicht überleben, die zu langsam und inkonsequent handeln.“

Die Maßnahmen sind unübersehbar. Im Düsseldorfer Haus etwa ist auf einer Etage ein „Experience Store“ eingerichtet, wo von interaktiven Umkleidekabinen bis hin zu Touch Screens alles erprobt wird, was die Digitalisierung des stationären Einzelhandels hergibt. In 15 Filialen stehen Amazon Locker, Kunden können sich online bestellte Ware in jedes Kaufhaus liefern lassen.

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Bis Ende des Jahres soll auch aus allen 79 Filialen direkt an die Kunden versendet werden. „Im Weihnachtsgeschäft ist der Onlinehandel bei Karstadt um 50 Prozent gewachsen“, so Fanderl. Der Erfolg hat den Karstadt-Chef so mutig gemacht, dass er nach den Schließungen der vergangenen Jahre sogar schon wieder an Neueröffnungen von Häusern denkt. „Wir haben ein Portfolio von interessanten Standorten und es ist nicht die Frage ob, sondern wann und an welchem davon ein neues Warenhaus entstehen wird“, so Fanderl.

Auch Kaufhof-Mutter HBC lässt sich von der desolaten Gegenwart nicht abhalten, neue Läden in Europa zu eröffnen. So betreibt der Konzern mittlerweile 13 Kaufhäuser unter der Marke Hudson’s Bay in den Niederlanden, in Deutschland und den Niederlanden wächst das Netz der Outletkette Saks Off 5th.

Experten sehen das kritisch. Jörg Funder, Professor für Unternehmensführung im Handel an der Hochschule Worms, ist überzeugt, dass höchstens die Hälfte der heute noch knapp 180 Häuser von Karstadt und Kaufhof langfristige Überlebenschancen haben.

Erschwerend kommt hinzu: Viele Warenhäuser von Kaufhof und Karstadt sind noch aus den 60er- und 70er-Jahren. „Diese Immobilien sind den heutigen Anforderungen kaum mehr gewachsen“, sagt Funder. Selbst die Umwidmung zu Shoppingcentern oder Fachmarktzentren ist da nur mit größeren Umbauten möglich.

Auch Karstadt hat bisher eher durch Sparen und Umbau den Weg zurück in die schwarzen Zahlen geschafft. Dass das Unternehmen in Zukunft wieder Wachstum generieren kann, muss es noch beweisen. Doch Fanderl lässt sich nicht beirren. Er glaubt, dass die Vernetzung von Onlinehandel und Filialen die Wende bringen kann. Selbstbewusst sagt er: „Wir sind entschlossen, Karstadt zu einem der stärksten, über alle Vertriebskanäle vernetzten Händler in Deutschland zu entwickeln.“

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