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Anklage gegen Anton Schlecker Warum der Fall Schlecker so vertrackt ist

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Was für Schlecker spricht und wie es weitergeht

Was spricht für Schlecker?

Finanziell hat Schlecker bereits Abbitte geleistet. Wegen heikler Vermögensübertragungen zahlte die Familie schon vor Jahren rund zehn Millionen Euro an den Insolvenzverwalter. Das schützt sie nicht vor Strafverfolgung, dürfte aber vor Gericht als „Signal“ der Reue durchaus positiv bewertet werden. Hinzu kommt die Frage, inwieweit Schlecker tatsächlich vorsätzlich gehandelt hat.

Hätte der Drogeriepatron in großem Stil Vermögen beiseite schaffen wollen und frühzeitig gewusst, dass das Unternehmen nicht zu retten ist, hätte er zunächst eine andere Rechtsform gewählt. Als Einzelkaufmann haftete er anders als bei einer GmbH-Konstruktion mit seinem Privatvermögen. Auch von geheimen Konten Schleckers in Steueroasen ist bislang nichts bekannt geworden.

Zudem wirft die Rolle der LDG Fragen auf. Über die Gesellschaft soll Schlecker laut Staatsanwaltschaft einerseits Vermögen aus dem Drogeriekonzern zu seinen Kindern geschleust haben. Andererseits hat die LDG dem väterlichen Schlecker-Konzern auch ein Darlehen in zweistelliger Millionenhöhe gewährt. Im Geschäftsjahr 2010 soll diese Darlehensforderung rund 51 Millionen Euro betragen haben und stieg im Jahr 2011 nochmals um rund 20 Millionen Euro an. Wenn Schlecker tatsächlich Vermögenswerte in Sicherheit bringen wollte, machen diese Transaktionen keinen Sinn. Dass Schlecker den Kredit seiner Kinder in den Büchern fälschlich als Eigenkapital auswies, dürfte indes rechtlich problematisch werden.

Die Schlecker-Insolvenz in Zahlen

Wer ist noch betroffen?

Der Casus LDG ist auch für Schleckers Kinder Meike und Lars brisant. Sie müssen sich wegen Insolvenzverschleppung und Untreue verantworten und sollen LDG als faktische Geschäftsführer um mehrere Millionen Euro geschädigt haben: Obwohl sie von den Schulden und Verlusten des Unternehmens wussten, sollen sie sich Millionen Euro als angeblichen Gewinn aus dem Geschäftsjahr 2011 haben ausschütten lassen. Außerdem sollen sie ihrer Mutter mehr als 50.000 Euro auf das Privatkonto für nie geleistete Beratertätigkeiten überwiesen haben. Ein weiteres Mal sollen 19.000 Euro illegal auf das Privatkonto der Mutter geflossen sein.

Meike und Lars Schlecker hätten zudem bewusst versäumt, rechtzeitig einen Insolvenzantrag zu stellen. Zudem hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei Wirtschaftsprüfer erhoben, die mit der Prüfung der Schlecker-Bilanzen 2009 und 2010 beauftragt waren.

Wie lauten die Vorwürfe gegen Schleckers Wirtschaftsprüfer?

Laut Staatsanwaltschaft wird ihnen vorgeworfen, die falsche Bilanzierung durch Schlecker Senior zwar erkannt zu haben, aber trotzdem in beiden Fällen attestiert zu haben, dass ihre Prüfung zu keinen Einwendungen geführt habe und die Jahresabschlüsse den gesetzlichen Vorgaben entsprächen.

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Wie geht es jetzt weiter?

Die Anklageschrift wurde beim Stuttgarter Landgericht eingereicht und wurde nach Angaben des Gerichts auch überwiegend an die Beschuldigten zugestellt. Die Kammer prüft nun die Akten und wird dann entscheiden, ob es zur Hauptverhandlung kommt. „Ich vermute nicht, dass das Gericht in absehbarer Zeit eine Entscheidung trifft“, sagte eine Sprecherin. Es sei durchaus möglich, dass die Kammer erst im nächsten Jahr zu einer Entscheidung kommt. Wird die Anklage zugelassen, werden in der Folge Schriftsätze ausgetauscht, müssen Gutachter und Zeugen benannt werden, bevor ein Prozess beginnt. „All das nimmt mehrere Monate in Anspruch, so dass ein Verhandlungsbeginn erst im kommenden Jahr realistisch ist“, sagt Insolvenzexperte Ziegenhagen.

Wer sind die Anwälte?

Die Familie wappnet sich mit einem Aufgebot hochkarätiger Verteidiger für einen Prozess. Strafrechtler Norbert Scharf von der Kanzlei Grub Brugger vertritt Anton Schlecker, Strafrechtsprofessor Klaus Volk Schleckers Ehefrau Christa. Meike Schlecker setzt auf den Frankfurter Grub-Brugger-Anwalt Sebastian Gall. Lars Schlecker wird von dem Stuttgarter Juristen Axel Sauer vertreten.

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