1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Handel
  4. EM-Ausrüster Puma: "Schweizer-Käse-Trikots" werden zum PR-Debakel

EM-Ausrüster Puma"Schweizer-Käse-Trikots" werden zum PR-Debakel

Der wichtigste Mann bei den Schweizern war der Zeugwart: Im Spiel gegen Frankreich sind bei mehr als der Hälfte der Mannschaft die Trikots zerrissen. Ausrüster Puma muss ordentlich einstecken.Joachim Hofer 20.06.2016 - 11:19 Uhr aktualisiert Quelle: Handelsblatt

Die Schweizer Nationalmannschaft ist am Sonntagsabend ins Achtelfinale der Europameisterschaft eingezogen – durch ein respektables 0:0 gegen Gastgeber Frankreich. Für das kleine Land durchaus eine stramme Leistung. Dennoch war den meisten Schweizer Medien der Sieg nur eine kleine Randnotiz wert. Viel mehr als das Spiel an sich interessierten sich die Schweizer dafür, warum die Trikots ihrer Spieler massenhaft gerissen sind. Gleich sechs Stars mussten ihre Jerseys wechseln, der ehemalige Mönchengladbacher Granit Xhaka sogar zwei Mal. 

Foto: dpa

Den Anfang machte Admir Mehmedi, der bereits nach zehn Minuten ein neues Leibchen benötigte, nachdem ihm Frankreichs Baccary Sagna "an die Wäsche" gegangen war.

Foto: imago images

Rund 30 Minuten später folgte der nächste freie Oberkörper. Diesmal erwischte es den ehemaligen Mönchengladbacher Granit Xhaka. Paul Pogba (Frankreich) zerriss dem Schweizer Kapitän das Trikot.

Foto: imago images

Wenig später mussten auch die Schweizer Fabian Schär, Valon Behrami, Blerim Dzemaili und Breel Embolo zur Bank, um sich neue Trikots zu besorgen.

Foto: dpa

Das Schweizer Nationalteam nahm den Vorfall mit Humor. „Ich hoffe, dass Puma keine Pariser macht, sonst wäre das nicht gut“, sagte Xherdan Shaqiri (24) dem Schweizer Fernsehen SRF. Der Schweizer Torhüter Yann Sommer hatte die zerfetzten Trikots als Zeichen eines intensiven und kampfbetonten Spiels gewertet. Gleichwohl räumte Sommer ein, dass es vielleicht ein bisschen viele kaputte Shirts gab. Puma lobte er dennoch als „großartig“.

Foto: dpa

Der fränkische Ausrüster Puma kündigte eine Überprüfung an. „Unsere Produktexperten untersuchen derzeit das Trikotmaterial. Sobald wir die Ursache wissen, werden wir darüber informieren“, sagte eine Puma-Sprecherin am Montag. Sie betonte außerdem, dass in den zehn EM-Spielen der fünf von Puma ausgerüsteten Teams zuvor „dieses Problem“ nicht aufgetreten sei.

Foto: imago images

Über den Sportartikel-Hersteller hatte sich am Sonntagabend via Twitter unter dem Hashtag #trikotgate Häme und Spott ergossen. Die einen sprachen von „Schweizer-Käse-Trikots“. Andere spekulierten, dass die Einschaltquoten bei der Frauen-EM in die Höhe schießen, wenn Puma die Jerseys liefert. Bedrohlich für Puma hingegen ist, dass einige Twitter-Nutzer ankündigten, die Marke künftig zu meiden.

Foto: dpa

Allerdings hatte auch der Spielball vom offiziellen UEFA-Ausrüster Adidas keine 90 Minuten durchgehalten: Bei einem Zweikampf ging dem Spielgerät die Luft aus.

Foto: imago images

Die Schweizer Nationalmannschaft ist am Sonntagsabend ins Achtelfinale der Europameisterschaft eingezogen – durch ein respektables 0:0 gegen Gastgeber Frankreich. Für das kleine Land durchaus eine stramme Leistung. Für das Schweizer Boulevard-Blatt „Blick“ ist der Erfolg an diesem Montag trotzdem nur eine Randnotiz. „Was ist bloß mit unseren Nati-Shirts los?“, titelt die Zeitung stattdessen in ihrer Online-Ausgabe.

Viel mehr als das Spiel an sich interessiert die Schweizer offenbar, warum die Trikots ihrer Spieler massenhaft gerissen sind. Gleich sechs Stars mussten ihre Jerseys wechseln, der ehemalige Mönchengladbacher Granit Xhaka sogar zwei Mal.

Dem Ausrüster Puma ist das Debakel ein Rätsel. „Unsere fünf Puma-Teams haben zuvor zehn Spiele bei der EM gespielt, ohne dass dieses Problem auftrat“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Nun würden die Spezialisten des fränkischen Konzerns das Material untersuchen. „Sobald wir die Ursache wissen, werden wir darüber informieren.“ Puma stattet neben der Schweiz auch Italien, Österreich, die Slowakei und Tschechien aus.

Puma-Bilanz

Wie Sportartikelhersteller gewinnt und doch verliert

von Peter Steinkirchner

Das Trikot-Debakel nahm seinen Anfang, als der Franzose Bacary Sagna das Leibchen von Leverkusens Admir Mehmedi zerriss. Anschließend war es Paul Pogba, der Xhaka zum Trikotwechsel zwang. Später mussten die Schweizer Fabian Schär, Valon Behrami, Blerim Dzemaili und Breel Embolo zur Bank, um sich neue Jerseys zu besorgen.

Die Spieler nahmen das Trikot-Debakel mit Humor. „Ich hoffe, dass Puma keine Pariser macht“, scherzte Xherdan Shaqiri . Torwart Yann Sommer meinte: „Das zeigt, dass es ein harter Kampf war.“ Den Ausrüster müsse das Team deswegen keinesfalls wechseln, „weil Puma toll ist“. Xhaka sagte: „Uns Schweizer kann man nur so stoppen.“

Zum 25. Mal analysiert Deloitte im „Annual Review of Football Finance“ die Wirtschaftszahlen des internationalen Profifußballs. Im Geschäftsjahr 2014/15 stiegen die Gesamtumsätze des europäischen Fußballmarktes – Transfererlöse ausgenommen – auf ein neues Rekordniveau. Mehr als 22 Milliarden Euro setzten die Ligen um. 54 Prozent und damit 12 Milliarden entfallen dabei auf die fünf größten Ligen.

Foto: REUTERS

Rang 5: Ligue 1

Auf Platz 5 rangiert die höchste Spielklasse Frankreichs. Erst zur Jahrtausendwende hat es die französische Liga unter die Top 5 Europas geschafft. Die Liga setzte 1,4 Milliarden Euro um – das entspricht einem Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent.

Foto: REUTERS

Rang 4: Serie A

Die Lega Nazionale Professionisti Serie A, wie die italienische Profi-Liga offiziell heißt, hat auf dem europäischen Parkett mit einem Bedeutungsverlust zu kämpfen. Wirtschaftlich stehen die Zeichen trotzdem auf Wachstum: 1,8 Milliarden Euro setzte die Liga in der Saison 2014/15 um – und damit fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Foto: AP

Rang 3: Premiera División

An Spanien führte in den vergangenen drei Jahren in der Champions League kein Weg vorbei. 2014 und 2016 gewann Real Madrid den prestigeträchtigsten Titel im europäischen Klub-Fußball, 2015 der FC Barcelona. Die überragende sportliche Vormachtstellung spiegelt sich nur bedingt in den Umsatzzahlen wider. Mit 2,1 Milliarden Euro – immerhin ein Zuwachs um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr – rangiert die erste spanische Spielklasse nur auf Platz 3.

Foto: dpa

Rang 2: Bundesliga

Im neunten Jahr in Folge steht die Bundesliga auf Platz 2. Grund dafür sind vor allem die gestiegenen kommerziellen Erlöse aus Werbung und Sponsoring, die knapp die Hälfte der Gesamteinnahmen von 2,4 Milliarden Euro ausmachen. Der Anteil der Medienerlöse ist deutlich geringer als in Großbritannien. Dafür hat die Bundesliga weltweit die höchste Durchschnittszuschauerzahl in den Stadien: 42.685. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Umsatz 2014/15 um fünf Prozent.

Foto: AP

Rang 1: Premier League

Das Maß aller Dinge ist in puncto Umsatz die Premier League. 4,4 Milliarden Euro setzt sie 2014/15 um – das entspricht einem Wachstum von 13 Prozent. Interessant: 2,7 Milliarden Euro betrugen die Gehaltskosten im englischen Fußball, mehr als die Bundesliga und die spanische Liga gemeinsam ausgeben.  

Foto: REUTERS

Tatsache ist, dass viele Spieler inzwischen sehr eng anliegende Trikots tragen. Zudem sind die Jerseys der Spieler wesentlich dünner als die Leibchen, die Fans im Sportgeschäft erwerben. Das sorgt dafür, dass sie leichter reißen. Im Internet und in den sozialen Medien musste Puma trotzdem viel Spott ertragen.

Die einen sprachen von „Schweizer-Käse-Trikots“. Andere spekulierten, dass die Einschaltquoten bei der Frauen-EM in die Höhe schießen, wenn Puma die Jerseys liefert. Bedrohlich für Puma hingegen ist, dass einige Twitter-Nutzer ankündigten, die Marke künftig zu meiden.

Puma ist die Nummer drei im Fußball-Geschäft, mit deutlichem Abstand auf Nike und Adidas. Die zwei größten Sportkonzerne der Welt dominieren das lukrative Geschäft mit Kickstiefeln. Neun von zehn Fußball-Schuhen stammen von den beiden Marken. Bei den Trikots mischen zwar auch kleinere Labels wie Puma oder Umbro mit.

Doch die ganz großen Teams stehen fast alle bei Nike und Adidas unter Vertrag. Erklärtes Ziel von Puma-Chef Björn Gulden ist es, Boden gut zu machen in der beliebtesten Sportart der Welt. Er war zuletzt auf gutem Weg, zumindest bis Sonntagabend. „Puma macht einen guten Job, wir arbeiten partnerschaftlich zusammen“, betont Jochen Schnell, Vorstand des Sporthändlerverbunds Intersport.

Doch auch Puma-Konkurrent Adidas musste während des Spiels in Lille eine Schlappe hinnehmen. Die Marke mit den drei Streifen stellt die Bälle bei der EM, prompt platzte eines der „Beau Jeu“ genannten Modelle bei einem Zweikampf zwischen Griezmann und Behrami.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick