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NestléNespresso, Kitkat, Smarties – mit dieser Strategie will der neue Nestlé-Chef den Konzern aus der Krise führen

Mengenwachstum, Stellenabbau und mehr Leistungsdruck. An der Börse wird Philipp Navratil für seinen Kurs gefeiert. Bei Nestlé dürfte der neue Konzernchef wenig Freunde gewonnen haben.Nele Antonia Höfler 16.10.2025 - 14:48 Uhr
Philipp Navratil ist seit dem 1. September Chef des Nahrungsmittelgiganten. Foto: via REUTERS

In der Schweizer Gemeinde Vevey am Genfer See, wo der Schweizer Nahrungsmittelhersteller Nestlé seinen Hauptsitz hat, legte Konzernchef Philipp Navratil am Donnerstagvormittag seinen ersten Auftritt hin. Der Anlass war harmlos: Der CEO präsentierte die Umsatzzahlen für die ersten neun Monate. Die Auswirkungen für die Konzernmitarbeiter aber sind teils verheerend: Bis Ende 2027 streicht der Hersteller von Nespresso, Maggi und KitKat rund 16.000 Stellen.

Es ist die erste Amtshandlung eines neuen Führungsduos: Navratil übernahm zum 1. September die Rolle des CEO. Vorgänger Laurent Freixe musste seinen Platz wegen einer verheimlichten Liebesbeziehung mit einer Mitarbeiterin räumen. Wenige Wochen später musste auch der langjährige Verwaltungsratspräsident Paul Buckle gehen. Sein Nachfolger ist der einstige Modemanager Pablo Isla.

Die Erwartungen an beide sind hoch – gab es für den Aktienkurs des Konzerns doch zuletzt nur eine Richtung: bergab. Vor drei Wochen erst notierte das Papier bei einem Mehrjahrestief von 71 Schweizer Franken. Nach vielen Jahren schwachen Wachstums und einigen Managerfehlern haben die Anleger das Vertrauen in das Traditionsunternehmen verloren. Navratil und Isla also müssen Nestlé dringend wieder auf Kurs bringen.

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Aus den Problemen des Konzerns macht sein neuer Chef kein Geheimnis: „Es ist keine Option mehr, Marktanteilsverluste hinzunehmen. Diese Denkweise muss sich ändern“, sagte er bei seinem Auftritt am Donnerstagvormittag. Der Konzern verfüge über ein starkes Fundament, „aber lassen Sie mich klar ausdrücken: Wir haben noch viel Arbeit vor uns.“

Navratils übergeordnetes Ziel: Wachstum. Konkreter: Mengenwachstum. Zuletzt waren es nämlich vor allem Preissteigerungen, die bei Nestlé für Wachstum sorgten. Künftig soll der Konzern auch wieder dank steigender Verkaufszahlen wachsen.

Die bereits vom Vorgänger angestoßene Transformation sei der richtige Weg, sagte Navratil, nur müsse das Unternehmen schneller vorankommen.

Gelingen soll das mithilfe der folgenden drei Maßnahmen.

Maßnahme 1: Portfolio optimieren

Navratil will das Markenportfolio des Nahrungsmittelherstellers in den kommenden Wochen und Monaten genau unter die Lupe nehmen. „Ich werde alles rational betrachten“ und „kontinuierlich und unvoreingenommen überprüfen, ohne mich von vorgefassten Meinungen beeinflussen zu lassen“, sagte der Konzernchef am Donnerstag. Entscheidend seien dabei die folgenden Fragen: Handelt es sich um eine Wachstumskategorie? Ist das Renditeprofil attraktiv? Sind wir in der Lage, erfolgreich zu sein? Und sind wir tatsächlich erfolgreich?

Für den Großteil des Portfolios laute die Antwort: Ja, „auch wenn wir noch nicht so erfolgreich sind, wie wir es sein müssten.“ Um das zu ändern, müsse in diese Geschäftsbereiche dringend investiert werden, auch in Form von Marketing.

Ergebe die Analyse jedoch, dass ein Geschäft die beschriebenen Kriterien nicht erfüllt, müsse das Management Maßnahmen ergreifen, „sei es in Form von Korrekturen, Partnerschaften oder Verkäufen“, so Navratil.

Maßnahme 2: Aufbau einer Leistungskultur

Auch kulturell soll bei Nestlé künftig frischer Wind wehen. „Wir wollen ein Unternehmen werden, das schneller arbeitet, agiler ist und mutigere Entscheidungen trifft“, sagte Navratil. Entstehen soll eine Leistungskultur.

Schon Anfang des Jahres wurden bei Nestlé konzernweit einheitliche Leistungskennzahlen eingeführt. Sie sollen die Leistung der Mitarbeiter vergleichbarer machen. Vergütung soll bei dem Nahrungsmittelhersteller künftig leistungsabhängig sein. „Dadurch wird sichergestellt, dass die Belohnungen die Leistungen widerspiegeln“, erklärte der Konzernchef in seiner Ansprache.

Auf Nachfrage stellte er aber auch klar, Leistungskultur bedeute auch, sicherzustellen, „dass diejenigen, die gute Leistungen erbringen, im Unternehmen bleiben und diejenigen, die das nicht tun, nicht im Unternehmen bleiben.“

Maßnahme 3: Stellenabbau

Außerdem wird Nestlé bis 2027 rund 16.000 Stellen abbauen. Etwa 12.000 der Stellen entfallen auf Büroangestellte in allen Regionen und Funktionen. Weitere 4000 sollen aus der Produktion und der Lieferkette kommen.

In der Vergangenheit habe man vermieden, „Veränderungen vollständig transparent zu machen“, sagte Navratil. Er wolle aber transparent sein. „Unsere Größe und Breite kann auch zu Komplexität führen, was Ineffizienzen zur Folge hat“, erklärte der Konzernchef. Künftig wolle man agiler arbeiten, indem man Prozesse vereinfache, digitalisiere und automatisiere. Das soll schnellere Entscheidungen ermöglichen.

Insgesamt will der Konzern die Kosten bis Ende 2027 um 3 Milliarden Franken senken – 500 Millionen Schweizer Franken mehr als ursprünglich geplant. Neu ist das Sparprogramm nicht: Vorgänger Laurent Freixe hatte bereits beim Investorentag vor einem Jahr angekündigt, dass Nestlé mindestens 2,5 Milliarden Franken einsparen müsse. Freixe aber legte den Fokus dabei auf die Bereiche Beschaffung, kommerzielle Investitionen und Strukturkosten. Konkrete Pläne für einen massiven Stellenabbau wurden damals nicht genannt.

„Diese zusätzlichen Einsparungen werden reinvestiert und dienen als weiterer Motor für das Wachstum“, verkündete die Nestlé-Finanzvorständin Anna Manz.

An der Börse kam Navratils Kurswechsel gut an. Die Nestlé-Aktie sprang zwischenzeitlich um 7,8 Prozent auf 82 Franken an. Laut Händlern entspricht das dem größten Tagesanstieg seit der Finanzkrise im Jahr 2008. Der Kursanstieg dürfte in Vevey für Erleichterung gesorgt haben. Darüber hinaus dürfte Navratil sich mit seinem Auftritt konzernintern wenige Freunde gewonnen haben.

Wachstumstreiber bleiben Kaffee und Süßwaren

Die Zahlen der ersten drei Quartale waren trotz schwankender Konzernführung stabil: Von Januar bis September erzielte Nestlé einen Umsatz von 65,9 Milliarden Franken. Der Konzern erzielte somit ein organisches Wachstum von 3,3 Prozent. Davon entfallen allerdings 2,8 Prozentpunkte auf Preiserhöhungen. Die tatsächlich verkaufte Produktmenge legte lediglich um 0,6 Prozent zu.

In den vergangenen drei Monaten aber haben sich laut Nestlé auch die Verkaufsmengen wieder erholt. Auch weil der Konzern teilweise Preise senkte: „Wir optimieren die Preise dort, wo es zu weit gegangen ist“, erläuterte Finanzchefin Manz. Dadurch hätten sich sowohl Verkaufsmengen als auch Marktanteile verbessert.

Für das Gesamtjahr 2025 ist das Management zuversichtlich, seine gesteckten Ziele zu erreichen. Es rechnet mit einem höheren organischen Umsatzwachstum als im Vorjahr. Die operative Marge soll bei 16 Prozent oder mehr liegen. Belastend wirken sich laut der Mitteilung jedoch Zölle und Wechselkurseffekte aus.

Zuversicht weckt ein Blick auf die Wachstumstreiber des Konzerns. Ganz vorne mit dabei: Süßwaren und Kaffee. Vor allem Nespresso entwickelt sich stark – und somit ausgerechnet der Geschäftsbereich, den bis September Navratil verantwortete.

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