PEZ: Das ist die Erfolgsgeschichte der PEZ-Spender
Eduard Haas III hat sich das wohl mal ganz anders ausgemalt. Zumindest teilweise. Eigentlich produzierte der Österreicher in den 1920er-Jahren Backpulver – bis er auf eine andere Idee kam: Ab 1927 verkaufte er auch Pfefferminzpastillen in kleinen Blechdosen. Einfache Zuckerbriketts, die er mit ein paar Tropfen Pfefferminzöl verfeinert hatte. Der Name, den er sich dafür ausgedacht hatte, ergibt sich aus dem ersten, mittleren und letzten Buchstaben des Wortes Pfefferminz: PEZ.
Als Zielgruppe hatte er Raucher auserkoren, die statt zur Zigarette lieber zu den Bonbons greifen sollten. Die Blechdosen wurden ihm irgendwann zu unhygienisch, also arbeitete er an einem speziellen Spender, um die Pastillen verteilen zu können. Passend zur Zielgruppe sah der erste PEZ-Spender dann aus wie ein kleines Feuerzeug – mit dem Knips-Mechanismus stieg aber keine Flamme auf, stattdessen kam eine der Pastillen zum Vorschein.
Mit den 1950er Jahren wandelte sich PEZ dann auch zum Kinderprodukt, das Unternehmen entwickelte fruchtige Geschmacksrichtungen. In den Sechzigern kamen die ersten PEZ-Spender mit Comicköpfen auf den Markt – die Kooperation mit Walt Disney war dabei entscheidend. So machten Micky Mouse und Donald Duck als PEZ-Spender 1962 den Anfang.
Seitdem kamen immer mehr Bonbonspender mit bunten Köpfen auf den Markt, über Papa Schlumpf, Elvis bis hin zu den amerikanischen Präsidenten. In den vergangenen Jahren sind immer wieder neue Figuren hinzugekommen, wie etwa Peppa Wutz oder Feuerwehrmann Sam.
Besonders in den USA verkauften sich die Bonbons so gut, dass PEZ schon 1973 dort eine Fabrik eröffnete. Heute ist PEZ in vielen Ländern aktiv, in der Unternehmensgruppe arbeiten rund 950 Menschen und erwirtschafteten 2024 150 Millionen Euro Umsatz. Seit dem Jahr 2000 sind laut Unternehmensangaben 1,5 Milliarden PEZ-Spender verkauft worden. Rund fünf Milliarden Bonbons würden jährlich produziert.
PEZ bringt heute jährlich rund 30 neue Spender auf den Markt, viele sind schon längst zum Sammelobjekt geworden – die auch bei Auktionen gehandelt werden. Anlässlich der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton etwa wurden PEZ-Spender mit ihren Köpfen für über 8000 Euro versteigert. Aus der Idee von Eduard Haas III ist eine Gemeinschaft erwachsen, die sich bis heute regelmäßig auf eigenen PEZ-Conventions trifft. Und da gibt es noch das PEZ-Museum im US-Bundesstaat Connecticut, das jährlich mehrere zehntausend Besucher anlockt.
„Ohne die Internationalisierung wäre der Erfolg bei PEZ nicht zustande gekommen“, sagte der langjährige Unternehmenschef Manfred Födermayr kürzlich in einer Mitteilung. Immerhin liege der Exportanteil heute bei 93 Prozent. Födermayr gab die Leitung zum Juli nach über 25 Jahren ab. Auf ihn folgt Leopold Hainy, er war zuvor Geschäftsführer des Nahrungs- und Genussmittelherstellers Ed. Haas, einer Schwestergesellschaft von PEZ. Er soll mit neuen Produktlinien die Zielgruppe erweitern – was auch immer nach Rauchern, Kindern und Sammlern noch kommen mag.
Hinweis: Dieser Beitrag erschien zuerst am 17. August 2025. Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Interesses erneut.
Dieser Artikel erscheint in unserer Reihe WiWo History.