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Thomas Middelhoff Die wichtigsten Antworten zu Middelhoffs Haftbedingungen

Thomas Middelhoff leidet seit seiner U-Haft an einer seltenen Autoimmunkrankheit. Seine Anwälte sehen die Haftbedingungen als Ursache an und beantragen Haftprüfung. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Thomas Middelhoff Quelle: dpa

Der frühere Topmanager Thomas Middelhoff (61) ist nach fast fünf Monaten in Untersuchungshaft wegen einer seltenen Autoimmunerkrankung ins Uniklinikum Essen verlegt worden. Seine Anwälte erheben schwere Vorwürfe gegen die Justiz. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Fall:

Wie geht es dem Ex-Arcandor-Chef gesundheitlich?

Nach Angaben seiner Verteidiger ist er an einer seltenen Autoimmunkrankheit erkrankt. Es soll sich um Chilblain Lupus handeln, mit schmerzhaften, frostbeulenartigen Schwellungen und Knoten vor allem an Händen und Füßen. Außerdem soll er in den vergangenen Monaten mehr als zehn Kilogramm Gewicht verloren haben.

Was ist die Ursache für die Erkrankung?

Die Rechtsanwälte machen dafür die Haftbedingungen verantwortlich, vor allem die engmaschigen Kontrollen zu Beginn der Haft. Dass Middelhoff in den ersten Haftwochen mindestens alle 15 Minuten kontrolliert worden sei, bezeichneten sie als „unter keinem denkbaren Gesichtspunkt gerechtfertigten Schlafentzug“. Dies habe offenbar das Immunsystem des Mandanten geschwächt. Die Essener Vollzugsanstalt wollte nach eigenen Angaben durch die regelmäßigen Sichtkontrollen einen Suizid verhindern.

Die besten Zitate von und über Thomas Middelhoff

Wie genau ist Middelhoff in der JVA Essen nachts kontrolliert worden?

Laut NRW-Justizministerium hat ein Bediensteter alle 15 Minuten durch den Spion der Zellentür geschaut, ob er noch atmet. Dafür sei das Licht in der Zelle von außen für etwa eine Sekunde eingeschaltet worden. Wer sich davon im Schlaf gestört fühle, könne eine Schlafmaske erhalten. Middelhoffs Anwalt zufolge wurde sein Mandant nachts immer wieder geweckt. Der Ministeriumssprecher geht dagegen davon aus, dass kein Vollzugsbeamter die Zelle betreten hat, ausschließen könne er das aber nicht. Der Bund der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) sagt, um einen „Haftraum zu öffnen“, müssten im Normalfall drei Bedienstete zusammen reingehen, dazu fehle schon das Personal.

Warum wurde Middelhoff so überwacht?

Grund für die Sichtkontrollen - vom 14. November bis 9. Dezember und am 18./19. Dezember - war laut Justizministerium Suizidgefahr. Middelhoff sei ein „haft-unerfahrener Mensch“ und habe „immer in einer ganz anderen Welt gelebt“. In seiner Familie sei zudem Suizid vorgekommen. Aus „Sorgfaltspflicht und Obhutspflicht“ habe die JVA die Kontrolle daher durchgeführt. An Eingangsgespräch, weiteren Überprüfungen und Entscheidungen seien grundsätzlich immer auch Arzt und Psychologe beteiligt.

Kommt eine solche Kontrolle häufig vor?

Nach Angaben des BSBD ist Middelhoff kein Einzelfall. Rund 20 bis 30 U-Häftlinge pro Anstalt würden auf diese Weise in NRW kontrolliert. „Ich bin seit 33 Jahren im Strafvollzug, es gab die ein oder andere Beschwerde deswegen. Aber noch nie habe ich erlebt, dass jemand diese Sichtkontrolle als Grund genannt hat für eine Erkrankung“, sagt der BSBD-Landesvorsitzende Peter Brock. Die Kontrolle sei ein Baustein, der geholfen habe, die Zahl der Selbstmorde hinter Gittern zu senken.

Gibt es eine Alternative zu den regelmäßigen Nachtkontrollen?

Man könne gefährdete Personen auch mit „erfahrenen Häftlingen“ zusammenlegen, was aber viele ablehnten, heißt es im Ministerium. In Ausnahmefällen könne ein Häftling bei akuter Suizidgefahr in eine videoüberwachte Zelle verlegt werden. Das sei allerdings ein großer Eingriff in die Privatsphäre.

Diese Manager kämpfen mit Regressforderungen
Der Fall: IVGVon Ex-Vorstandschef Wolfhard Leichnitz und drei weiteren Vorständen aus dessen Ära fordert der insolvente Bonner Immobilienriese jetzt je 8,5 Millionen Euro plus Zinsen zurück. Die Manager sollen ohne ausreichende Rückendeckung des Aufsichtsrats beim Kauf des Londoner Büroturms Gherkin 2007 ein Darlehen in Höhe von 52 Millionen britische Pfund vergeben haben. Eine Sonderprüfung aller Geschäfte der Jahre 2006 bis 2008 unter Leichnitz wird erwogen. Die Manager haben dazu gegenüber der WirtschaftsWoche nicht Stellung genommen. Quelle: dpa/dpaweb
Der Fall: ArcandorDer Insolvenzverwalter der früheren Karstadt-Mutter Arcandor fordert von Ex-Chef Thomas Middelhoff 175 Millionen Euro, weil er mögliche Schäden aus Immobiliengeschäften nicht verhindert habe. Middelhoff wehrt sich und klagt gegen den Verwalter. Quelle: AP
Der Fall: SiemensDer ehemalige Finanz-Chef Heinz-Joachim Neubürger verantwortete alle strategischen Verkäufe von Unternehmensteilen und den Börsengang von Siemens in New York. Deswegen unterliegt Siemens auch der Aufsicht der strengen US-Börsenaufsicht SEC. Ein Finanzvorstand, dem 1,3 Milliarden Euro in schwarzen Kassen entgehen? Das Landgericht München hat Neubürger im Zuge des Schmiergeldskandals zu 15 Millionen Euro Schadenersatz an seinen früheren Arbeitgeber verurteilt. Quelle: dpa
Der Fall: Hypo Real EstateDer mit Steuergeldern gerettete Immobilienfinanzierer HRE hat Ex-Chef Georg Funke und zwei weitere frühere Vorstände auf 220 Millionen Euro Schadensersatz wegen umstrittener Kreditvergaben verklagt. Die Manager bestreiten die Vorwürfe. Quelle: AP
Der Fall: MAN237 Millionen Euro wollte der Lkw-Bauer infolge des Schmiergeldskandals von Ex-Chef Hakan Samuelsson. Ein Kompromiss sieht nun vor, dass der Schwede 1,25 Millionen Euro zahlen soll und die D&O-Versicherungen 50 Millionen Euro übernehmen. Quelle: REUTERS
Der Fall: BayernLBEx-Chef Werner Schmidt und sieben weitere Manager sollen der BayernLB 200 Millionen Euro wegen des Desasters beim Kauf der Hypo Group Alpe Adria zahlen. Sie weisen Vorwürfe und Forderungen zurück. Quelle: AP
Der Fall: SachsenLBSachsen will für die irischen Verlustgeschäfte der Pleite-Bank von sechs Ex-Managern Schadensersatz. Der frühere Chef Herbert Süß soll 190 Millionen Euro zahlen. Die Manager weisen die Forderungen zurück.

Wie beurteilen Menschenrechtler den Fall?

Amnesty International meint: Wenn jemand über mehrere Wochen seines Tiefschlafs beraubt wird, kann das eine „unmenschliche Behandlung“ darstellen - verboten nach der europäischen Menschenrechtskonvention.

Wie wirkt sich Schlafentzug aus?

„Schlafmangel hat negative Auswirkungen auf die Psyche und den Körper“, betont der Leiter des Schlafzentrums Pfalzklinikum in Klingenmünster, Hans-Günter Weeß. Wenn jemand dauernd geweckt werde, könne er erholsame Schlafstadien nicht in dem Maße erreichen wie ein normaler Schläfer. „Es wird ihm an Tiefschlaf fehlen, der wichtig ist, für die körperliche Erholung.“ Auch das emotionale Gleichgewicht und Gedächtnisprozesse könnten beeinträchtigt werden.

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Kann das krank machen?

Ja. Schon wenn jemand über elf Tage nur vier statt acht Stunden Schlaf habe, könne das Immunsystem geschwächt werden, berichtet Weeß. Wie stark der Schlaf durch regelmäßiges Anmachen des Lichts gestört werde, hänge aber sehr stark von individuellen Gegebenheiten beim Schläfer ab und davon, wie stark der Lichtreiz sei. „Wenn der Betroffene eine Schlafmaske hat, oder den Kopf ins Kissen vergräbt und die Überprüfungen ohne Geräusch ablaufen, könnte man sich vorstellen, dass die Störung des Schlafes nicht so ausgeprägt ist.“

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