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Umsatzanstieg beim Discounter"Aldi hat die Kurve gekriegt"

Leibniz, Krombacher Bier und Funny-Frisch bringen die Wende: Discountprimus Aldi verbucht laut Marktforschern wieder „ein ordentliches Umsatzwachstum“.Henryk Hielscher 03.11.2016 - 14:00 Uhr

Ostmann-Gewürze

Martina Schneider, Autorin des Buches "Welche Marke steckt dahinter?", schreibt, dass sich die Billig-Klone der Markenprodukte für die Unternehmen lohnen: Sie können ihre Produktionskapazitäten voll ausschöpfen und haben ein zweites Standbein. Allerdings sind die Billigmarken, oft auch vertrieben durch Tochterunternehmen, nicht das Lieblingsthema der Unternehmen. Die Gefahr, dass die Kunden statt auf das Original auf die billige Kopie zurückgreifen, ist zu hoch.

So spart ein Kunde, der Kräuter oder Gewürze der Marke Basta kauft, 80 Prozent gegenüber den Ostmann-Gewürzen. Dabei kommen die Würzmischungen aus dem gleichen Haus. Einziger Unterschied: Verpackung und Preis. Basta-Gewürze werden übrigens bei der Supermarktkette Norma vertrieben.

Foto: Screenshot

Gallo Cabernet Sauvignon

Ähnlich hoch ist die Ersparnis für Kunden, die statt dem "Gallo Cabernet Sauvignon" auf den Wein der Marke "Burlwood Cabernet Sauvignon" bei Aldi kaufen. Der Wein stammt vom selben Familienunternehmen in Kalifornien, kostet bei Aldi aber rund 70 Prozent weniger.

Foto: WirtschaftsWoche

Zentis

Der Marmeladen- und Konfitürenhersteller Zentis produziert auch für die Rewe-Marke "Ja!". Kunden, die zur Ja!-Marmelade oder Schokocreme greifen, bezahlen für das gleiche Markenprodukt also deutlich weniger. Der Grund für die krassen Preisunterschiede ist die starke Marktposition der Discounter gegenüber den Herstellern. Aldi, Rewe und Co können Unternehmen wie Zentis zwar nicht den Preis für die hauseigenen Marken, wohl aber den Preis für die Billigmarmelade vorschreiben.

Foto: dpa/dpaweb

Toast

So kostet das Label Golden Toast von Lieken rund 59 Prozent mehr als das Lidl-Produkt "Grafschafter Butter Toast" der Firma Kornmark - dabei ist Kornmark eine Tochterfirma von Lieken. Es handelt sich also um dasselbe Weißbrot. Unter dem Namen "Mühlengold Buttertoast" verkauft die Firma Lieken ihren Toast übrigens auch beim Discounter Aldi.

Foto: Screenshot

Dickmann's

Auch das Unternehmen Storck produziert seine "Super Dickmann's" und "Schokostrolche" nicht nur unter dem eigenen Label. Das Aldi-Produkt "Scholetta Mini Schokoküsse" kommt aus der gleichen Fabrik wie alle anderen Storck-Süßigkeiten. Zu denen gehören neben Dickmann's übrigens auch Nimm2, Werther's Echte und Storck Riesen.

Foto: Screenshot

Leibniz-Kekse & Co

Auch die Firma Bahlsen produziert zweigleisig: Hinter Aldis "Van Botta Keksen" versteckt sich der "Leibniz"-Keks, die "Bahlsen Waffeletten" tarnen sich beim Discounter als "Favorini Zartes Waffelgebäck" und auch die billigen Schoko-Waffelröllchen der Firma Choco Bistro stammen aus dem Hause Bahlsen.

Foto: dpa

Müller Milchreis

Gleiches gilt für den Milchreis der Firma Müller, der getarnt als "Gut und Günstig" bei Kaufland im Regal steht. Und auch bei Aldi gibt's den Original Müller Milchreis unter anderem Namen zu kaufen - zum halben Preis.

Foto: Screenshot

Frosta

Wer bei Aldi Tiefkühlgerichte der Marke "Eskimo" kauft, legt sich tatsächlich Frosta-Produkte in den Einkaufswagen. Die Gemüsekonserven bei Aldi stammen im Übrigen von der Firma Bonduelle.

Foto: dpa

Meßmer

Und auch die Marken der Ostfriesische Tee Gesellschaft gibt es bei Aldi deutlich günstiger. Statt Meßmers "Feinstem Earl Grey" müssen Kunden nur den "Cornwall Earl Grey" kaufen. Die Ersparnis beträgt 69 Prozent.

Foto: Screenshot

Discount-Marktführer Aldi profitiert von der Aufnahme einer wachsenden Zahl von Markenartikeln in sein Sortiment, berichtet die WirtschaftsWoche unter Verweis auf eine neue Studie des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK. „Aldi hat – wohl auch dank der Markenlistungen – in diesem Jahr die Kurve gekriegt“, schreiben die GfK-Experten darin. „Nach schwacher Entwicklung in den letzten beiden Jahren weist der Discounter bis einschließlich September 2016 wieder ein ordentliches Umsatzwachstum aus“, heißt es in der Studie. Zwar seien die Zuwächse geringer als die der Konkurrenz, aber „zumindest stimmt die Richtung wieder“.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands
Bartells-LangnessUmsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,09 Milliarden Euro (Schätzung)
GlobusUmsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,23 Milliarden Euro
Rossmann Umsatz mit Lebensmitteln in Deutschland: 5,18 Milliarden Euro
dmUmsatz mit Lebensmitteln 2015: 6,33 Milliarden Euro
LekkerlandUmsatz mit Lebensmitteln 2015: 8,98 Milliarden Euro
Metro (Real, Cash & Carry)Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 10,27 Milliarden Euro (Schätzung)
Aldi (Nord und Süd)Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 22,79 Milliarden Euro (Schätzung)
Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,05 Milliarden Euro (Schätzung)
Rewe-GruppeUmsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,57 Milliarden Euro (Schätzung)
Edeka (inkl. Netto)Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 48,27 Milliarden Euro Quelle: TradeDimensions / Statista

Aldi hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Markenartikel ins Sortiment aufgenommen und sich damit von seiner bisherigen Strategie verabschiedet, fast ausschließlich Eigenmarken anzubieten. So wurden allein zwischen April 2015 und Januar 2016 insgesamt 19 Marken ins Sortiment aufgenommen, darunter zum Beispiel Krombacher Bier, Kartoffelchips von Funny-Frisch oder Leibniz-Kekse. Dieser Strategiewechsel zahle sich offenbar aus, konstatieren die GfK-Forscher. So liege das Umsatzniveau von Aldi in denjenigen Warenkategorien, in denen nun neue Markenprodukte die Regale zieren „um 30 Prozent über dem Niveau des Referenzjahres 2014“, schreiben die Experten.

Negativ wirke sich die Einlistung von Herstellermarken allerdings auf Aldis Eigenmarken aus. In den Listungskategorien sei deren Umsatzanteil im Vergleich zu 2014 um 22 Prozent zurückgegangen. „Das war in gewisser Weise zu erwarten und ist für Aldi durchaus verschmerzbar“, heißt es in der GfK-Analyse.

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