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Wer sparen will, muss sich strecken 4 Händler-Tricks – und wie man sie aushebelt

Boutiquen und Supermärkte nutzen psychologische Studien über die Shopping-Seele, um den Kunden noch mehr Geld zu entlocken. Doch auch Verbraucher können sich diese Erkenntnisse zunutze machen.

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Wer gerade auf der Jagd nach den letzten Geschenken ist oder noch die Zutaten für das Weihnachtsessen besorgen muss, sollte auf der Hut sein: Mit der Hilfe von Hirnforschern, Verhaltensökonomen und Datenanalysten verführen die Händler ihre Kunden. Und ihr Einfallsreichtum kennt kaum Grenzen. Vier Händler-Tricks – und wie man sie als Kunde für sich nutzen kann.

1. Strecken Sie sich

Selbst der Frage, wie die Haltung des Arms das Shoppen beeinflusst, sind Psychologen schon nachgegangen. Mathias Streicher und Zachary Estes fanden im Jahr 2015 heraus: Es macht einen Unterschied, ob man mit gebeugten oder gestreckten Armen einkauft. Sie ließen zunächst Probanden einen Einkaufswagen durch eine Regalreihe schieben. Wer den Griff am Ende des Vehikels von oben griff, also die Arme eher streckte, kaufte weniger, als diejenigen die die Stange von unten griffen und die Arme beugten.

Supermärkten empfehlen die Autoren daher zwei Dinge: Erstens, da Einkaufswagen eher mit gestreckten Armen geschoben werden, sollte man auf Einkaufskörbe setzen, die mit gebeugtem Arm getragen werden. Und zweitens: Je länger die Körbe leicht bleiben, desto länger bleibt der Arm gebeugt - und desto stärker ist der Kaufanreiz. "Händler sind gut beraten, die Körbe der Einkäufer so lange wie möglich so leicht wie möglich zu halten", schreiben die Autoren.

Das könnten sie zum Beispiel erreichen, indem sie leichte Ware wie Taschentücher am Anfang des Ladens positionieren und schwerere wie Wasserflaschen am Ende.

Clevere Einkäufer können diese Strategie kontern, indem sie das Geschäft einfach vom Ausgang her betreten und gleich die schweren Dinge kaufen. Oder indem sie stets einen handlichen Backstein in der Einkaufstasche bei sich tragen.

2. Vergleichen will gelernt sein

Wer weiß schon, wie viel ein Fernseher wirklich wert ist? Man müsste dazu etwa erfahren, was der Bildschirm im Einkauf gekostet hat und wie teuer die Fertigung war. Das schafft man natürlich nicht. Und das wissen Unternehmen. Deshalb versuchen sie, mit den Fernsehern, die daneben angeboten werden, ein bestimmtes Preisniveau für das Produkt im Kopf des Kunden zu verankern.

Angenommen, man hätte die Wahl zwischen einem 32-Zoll-Gerät für 590 Euro, einem 40-Zoll-Gerät für 910 Euro und einem 50-Zoll-Gerät für 1480 Euro, für welches entscheiden sich die meisten Käufer? Die Forschung von Dan Ariely zeigt: Für die goldene Mitte - egal, ob der Fernseher über Budget liegt oder zu klein ist. Man treffe diese Wahl eben, weil man denkt, dass man weder zu viel für ein Luxusmodell ausgibt, noch zu wenig für ein minderwertiges, schreibt der Psychologieprofessor der amerikanischen Duke Universität in seinem aktuellen Buch "Dollars and Sense".

Vier Typen von Konsumenten beim Ausgabeverhalten

Ein anderes Experiment von Ariely zeigt eine weitere Tücke des Vergleichens. Als Ausgangslage nahm er dafür ein Abonnementangebot des britischen Magazins "The Economist", das seine Leser zwischen drei Modellen wählen ließ: Ein reines Digital-Abo für 59 Dollar, ein reines Print-Abo für 125 Dollar oder ein kombiniertes Print- und Digital-Abo für ebenfalls 125 Dollar. Der Psychologieprofessor ließ 100 seiner Studenten ihr präferiertes Modell wählen, 16 entschieden sich für das reine Digitalangebot, 84 für das kombinierte. Die reine Printvariante wollte niemand. In einem zweiten Experiment mit 100 anderen Studenten ließ er diese Option deshalb wegfallen. Plötzlich entschieden sich nur noch 32 für das Kombi-Angebot, 68 für das günstige Digitalabo.

Woher kam der große Unterschied? Für Ariely ist der Fall klar: Die minderwertige Option des reinen Printangebots im ersten Versuch sieht er als Köder für das vergleichswütige menschliche Hirn. Die beiden Angebote für 125 Dollar seien sich ähnlich und daher leicht zu vergleichen - man entscheide sich also für das strikt bessere. Das günstigere ignoriere man, weil es sich eben nicht so leicht in Relation setzen lasse.

Der erste Vergleich, den man anstellen sollte, ist daher nicht der von vermeintlich ähnlichen Produkten untereinander. Schlauer ist es, die Optionen "Kaufen" und "Nicht kaufen" nebeneinander zu stellen. Denn oft genug steckt man das Geld für einen Fernseher besser in eine neue Heizung - oder man lässt es gleich auf dem Konto.

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