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Werner knallhartBei „Nordsee“ zu essen, fühlt sich an wie Lebensmittel zu retten

Die Restaurantkette Nordsee will sich aus Not neu erfinden. Hoffentlich klappt es. Denn Fisch ist lecker. Aber bei Nordsee denkt man eher: „Jetzt bin ich hier, jetzt ess’ ich’s halt.“ Wird es bald besser? Eine Kolumne.KOMMENTAR von Marcus Werner 27.02.2025 - 08:57 Uhr

Es gibt zwar auch ein paar warme Varianten bei Nordsee, aber das Erkennungszeichen der Kette ist die kalte Fischfrikadelle. Im Ernst?

Foto: imago images

Auf die Idee muss man erstmal kommen: seinen Gästen panierten und frittierten Fisch kalt anzubieten. Bei Nordsee ist das seit Jahrzehnten Programm. Mir ist das neulich erst wieder klar geworden, als ich mir ein Backfischbrötchen am Nordseefenster gekauft habe: „Stimmt ja: Der Verkäufer wärmt das noch nicht mal auf.“

Beim Reinbeißen fühlt es sich an, als wenn man sich nachts aus Faulheit und Übermüdung die vom Mittagessen mit den Kindern übrig gebliebenen Fischstäbchen eben schnell direkt aus dem Kühlschrank reinstopft, statt sie aufzubraten.

Es gibt zwar auch ein paar warme Varianten bei Nordsee, aber das Erkennungszeichen der Kette ist die kalte Fischfrikadelle. Sogar der Fischburger namens Nordsee-Burger ist kalt. Ein kalter Burger! Bei McDonald's ein Grund für eine saftige Reklamation, bei Nordsee das Markenzeichen.

Die Kette hat sich bislang noch nicht so recht entschieden, was sie eigentlich sein will.
Marcus Werner, Kolumnist und Moderator

Wer es bei Nordsee mindestens lauwarm möchte, kann ja drinnen essen. Da gibt es Tellergerichte. Die Kette hat sich bislang noch nicht so recht entschieden, was sie eigentlich sein will: Fastfood-Restaurant oder SB-Restaurant.

„SB-Restaurant“ – was klingt, wie aus den 80ern, ist genau das. Sie nehmen ein Tablett und schieben es wie damals, beim Shopping-Samstag mit Mama und Papa bei Karstadt, über Schienen am Tresen vorbei, wo Sie wählen und bestellen. Nur weil in vielen Nordseefilialen der Andrang nicht immer rambozambo ist, blubbert da nicht selten in einer Ecke der Auslagepfanne ein schlappes Fischfilet einsam vor sich hin. Es wirkt, als würde es stumm rufen: „Rette mich! Errette mich aus diesem ewigen Siechtum vor aller Augen.“

Bestellen Sie unbedingt das, was nicht da rumliegt

Jetzt heißt es: Nicht schwach werden. Bestellen Sie unbedingt das, was nicht da rumliegt. Dann wird das wenigstens für Sie frisch aufgetaut und gebraten (was nach eigener Erfahrung dann aber durchaus 25 Minuten dauern kann). Diese Tricks muss man als Nordsee-Kunde schon kennen. Sonst wird es einfach zu krass.

Was hält Nordsee selber davon? Nicht allzu viel, nehme ich an. Gehen Sie mal auf deren Website oder laden Sie sich die App herunter. Im Vordergrund steht da als große Innovation: eine neue Soße.

„Trüffel“. Und ich denke mir so: Stimmt, Trüffelmajo gibt es seit Jahren auf Burgern, selbst Kartoffelchips bei Lidl schmecken heute nach Trüffel. Aber kaltes Alaska-Seelachsfilet mit Trüffelgeschmackmajo stand noch aus. Jetzt fehlt nur noch Trüffel-Bubble-Tea.
Doch neben dem neuen großen Stolz von Nordsee, der Trüffelgeschmacksoße, geht es auf der Website und der App vornehmlich um Schnäppchen.
„Mehr als 20 Prozent Rabatt“
„50 Prozent Rabatt“
„1+1 gratis“

Ja, was denn nun? Schnäppchenfastfood wie bei McDonald's oder schön essen gehen?

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Offenbar hat sich Nordsee für die Zukunft entschieden: Schön essen gehen dank des McDonald's-Konzepts. Durch Digitalisierung des Bestellvorgangs wie in den Burgerbuden soll Nordsee künftig das bieten können, was jede Dönerbude kann: frische Zubereitung von dem, was der Kunde geordert hat.

Wie bei den großen Fastfood-Ketten längst Usus, sollen die Fischfans künftig per App oder an großen Bestellterminals mit Touchscreens aussuchen können, was sie essen wollen. Und erst DANN wird der Fisch frisch, heiß und fettig fertig gemacht.

Ist das kein irres Konzept? Frisch gekochtes heißes Essen?

Ich freue mich für Nordsee, dass sie nun diese Idee verfolgen. Fisch ist gesund und immerhin ist Nordsee die einzige Kette in Deutschland, die sich auf das spezialisiert hat, was das Meer zu bieten hat. Mit einem ansprechenden Interieur, das nicht nur Senioren an ihre Jugend in Zeiten voller Fußgängerzonen erinnert, sondern auch die arbeitende Generation zur Mittagspause oder zum schnellen After-Work-Dinner anlockt, könnte das etwas werden.

Wie sinnbildlich wäre ein Wiedererstarken der runtergerockten Nordsee in Zeiten des Neustart-Deutschlands. Ein kleiner Baustein vielleicht.

Und das Matjes-Brötchen schön mit Zwiebeln kann ja kalt bleiben.

Lesen Sie auch: So stark dominiert McDonald’s den deutschen Fastfood-Markt

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