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  4. Insolvenz 2009: Was wurde eigentlich aus dem Versandhaus Quelle?

Wirtschaftsgeschichte in BildernWas wurde eigentlich aus Quelle?

Quelle, einst ein Musterkind des deutschen Wirtschaftswunders, lag 2009 am Boden. Unsere Bildergalerie erzählt von Aufstieg und Fall des 1927 gegründeten Versandhandels, der viele konsumhungrige Nachkriegsgenerationen mit Notwendigem und Überflüssigem fütterte – bis nach über 80 Jahren endgültig das Licht in der Zentrale ausging. Wie konnte das passieren? 12.12.2021 - 09:13 Uhr
Foto: Creative Commons

Das Versandhaus Quelle wird 1927 von Gustav Abraham Schickedanz (*1895) in Fürth gegründet. 1932 tritt Schickedanz der NSDAP bei. Die Unternehmen, die er ab 1933 erwirbt, hatten zuvor ausschließlich jüdische Besitzer, so die Vereinigten Papierwerke in Nürnberg, die Brauerei Geismann Fürth und das Textilversandunternehmen Ignaz Mayer. Ob Schickedanz nun Nazi oder Opportunist war, über diese Frage streiten Historiker bis heute. Zwar spielte Gustav Schickedanz innerhalb der NSDAP keine große Rolle, sogar die SS attestierte ihm 1939 keine nationalsozialistische Gesinnung. Andererseits nahm er die Möglichkeit der „Arisierung“ jüdischer Unternehmen mehr als einmal wahr, um so sein Vermögen zu mehren.

Foto: Archiv FürthWiki, Historischer Briefkopf der Fa. Schickedanz von 1934, CC BY-SA 3.0 DE

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Als Deutschland den Krieg verliert, erhält Schickedanz 1945 Berufsverbot, sein Eigentum wird beschlagnahmt, er wird zu Haft und Zwangsarbeit verurteilt. 1948 wird er aus der Haft entlassen, 1949 im Entnazifizierungsverfahren als „Mitläufer“ eingestuft und rehabilitiert. Die wesentlichen Unternehmensanteile werden wieder freigegeben. Schon 1949 eröffnet das erste Quelle-Warenhaus in Fürth.

Foto: Foto Archiv Kamran Salimi, Das ehemalige Quelle-Kaufhaus an der Fürther Freiheit (ca. 1990), CC-by-SA-3.0

Foto: imago images

Zum klassischen Versandgeschäft gesellen sich im Lauf der Jahre noch bis zu 25 Warenhäuser und 6000 Quelle-Agenturen. Agenturen sind selbstständige Ladengeschäfte auf Provisionsbasis. Hinzu kommen weitere Ableger, wie zum Beispiel die Noris Kaufhilfen (1955, später Noris Bank), Quelle Fertighaus (1962) oder Reise-Quelle (1994).

Foto: Quelle

1954 erscheint dann Quelles erster Hauptkatalog im neuen Stil: Fotografien lösen Produktzeichnungen ab, die Anzahl farbiger Seiten nimmt zu. 1955 hat der Quelle-Versand zwei Millionen Kunden. 1958 erwirtschaftet das Versandhaus bereits 450 Millionen Mark, 1972 gut 5 Milliarden Mark.

Foto: dpa Picture-Alliance

Gustav Schickedanz stirbt 1977. Seine Witwe Grete, die den Aufbau des Versandimperiums maßgeblich mitverantwortete, übernimmt nach seinem Tod vorübergehend die Leitung. 1993 legt auch sie alle Ämter in Führungs- und Aufsichtsgremien nieder. Sie stirbt 1994.

Foto: imago images

1999 wird Quelle in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und fusioniert mit dem Warenhauskonzern Karstadt AG zur Karstadt Quelle AG. 2004 wird Thomas Middelhoff zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates bestellt. 2005 übernimmt er den Posten des Vorstandsvorsitzenden. 2007 verpasst Middelhoff der AG den Kunstnamen „Arcandor“, die Markennamen Quelle und Karstadt bleiben allerdings erhalten.

Foto: imago images

Im Februar 2009 übergibt Middelhoff den Konzern laut eigener Aussage „nicht besenrein, aber wohlgeordnet und aufgeräumt“ an seinen Nachfolger Karl-Gerhard Eick. Doch schon bei seiner Antrittsrede im März 2009 schlägt Eick beunruhigende Töne an. Im April braucht Arcandor bereits Kredite in dreistelliger Millionenhöhe. Der Bund lehnt Bürgschaften und finanzielle Hilfen ab. Arcandor muss Insolvenz beantragen.

Foto: imago images

Während sich für Karstadt ein Investor findet, muss Quelle abgewickelt werden. Später wird der Insolvenzverwalter im Interview mit unserer Redaktion sagen: „Das Unternehmen war illiquide, die IT völlig veraltet, der Onlineauftritt eine Zumutung. Das ganze Geschäftsmodell war hinter dem Mond.“ In Fürth wird ein Sonder-Arbeitsamt eingerichtet, nur für die Vielzahl an ehemaligen Quelle-Beschäftigten. Immerhin einer geht nicht leer aus: Karl-Gerhard Eick erhält für knapp sechs Monate im Amt 15 Millionen Euro. Ein Großaktionär hatte ihm sein Salär für die volle Amtszeit garantiert.

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Der letzte Quelle-Hauptkatalog der Herbst/Winter-Saison 2009 hat eine Auflage von rund 8 Millionen Exemplaren, kostet in der Herstellung 20 Millionen Euro – und bringt pro Stück 2,5 Kilogramm auf die Waage.

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Den Markennamen Quelle übernimmt der langjährige Konkurrent Otto ebenso wie vorerst zahlreiche Eigenmarken, etwa Privileg (Küchengeräte), Mars (Fahrräder) oder Meister-Anker (Uhren). Heute ist Quelle ein Online-Universalhändler, betrieben von der Unito Versand & Dienstleistungen. Unito ist eine Tochter von BAUR Versand, welche wiederum zur Otto Group gehört.

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