Bilfinger Das Durcheinander geht weiter

Der plötzliche und inhaltlich unerklärte Abgang von Finanzchef Axel Salzmann markiert einen weiteren Tiefpunkt in der Ära des Aufsichtsratsvorsitzenden Eckhard Cordes. Auch wenn der Aktienkurs heute steigt.

Das Logo von Bilfinger Quelle: dpa

Als Journalist mit knappem Zeitbudget fragt man sich inzwischen, ob es sich überhaupt lohnt, neue Führungskräfte von Bilfinger kennenzulernen – so schnell wie sie wieder weg sind! Als der Bilfinger-Aufsichtsratsvorsitzende Eckhard Cordes vor gut fünf Monaten urplötzlich den von ihm selbst ausgewählten Vorstandschef Per Utnegaard nach nur zehn Monaten Amtszeit abservierte, tat er so, als sei das kein großes Problem für den Krisen-Konzern Bilfinger. Denn der "exzellente Finanzvorstand Axel Salzmann", so erklärte Cordes, werde den Chefposten in Mannheim interimsweise on Top übernehmen.

Das machte Salzmann auch, bis am 1. Juli der frühere Linde-Vorstand Tom Blades Bilfinger übernahm. Nur zweieinhalb Monate später ist der "exzellente" Herr Salzmann weg – ohne jegliche inhaltliche Einordnung, was ein weites Feld für Spekulationen öffnet. Zu Bilfinger gekommen war Salzmann im Februar 2015 und geht nun nach anderthalb Jahren. Von mangelndem Benehmen des früheren ProSiebenSat.1-Finanzchefs ist die Rede: Er habe in Nichtraucherbüros gequalmt, sei gegenüber Mitarbeitern schon einmal massiv geworden, wird behauptet. Andere Mitarbeiter von Bilfinger-Zentrale widersprechen: Nur "Zartbesaitete" könnten sich von Salzmann schonmal "über den Mund gefahren" fühlen.

Aber das kann nicht alles gewesen sein. Der ein oder andere Aktionär wird auch schon mal die Contenance verloren haben angesichts des nicht enden wollenden Durcheinanders in dem M-Dax-Unternehmen, dem er sein Geld anvertraut hat.

Halten? Verkaufen? Oder investieren? Die Bilfinger-Analysten der Banken wissen auch nicht mehr, was sie von Bilfinger halten sollen. Von der heutigen Mitteilung wurden sie ebenso überrascht wie die Mitarbeiter des Unternehmens und die Öffentlichkeit. Um wirklich nachvollziehbare Erklärungen baten auch sie vergebens. Analyst und Bilfinger-Beobachter Marc Gabriel von der Lampe-Bank konstatiert: „Die kommen einfach nicht zur Ruhe. Die neue Personalie stärkt nicht das ohnehin schwache Vertrauen in Bilfinger.“

Wie lange eigentlich ist Aufsichtsratschef Eckhard Cordes schon bei dem Unternehmen, das gerade sein bestes Stück – die Gebäudemanagementsparte – an den Finanzinvestor EQT verkauft, im Amt? Knapp zwei Jahre. Was eigentlich, fragt man sich, ist gut gelaufen in dieser Zeit?

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