Chemiehändler: Brenntag plant neue Strategie und streicht Aufspaltung – Aktie im Plus
Der neue Brenntag-Chef hat dem unter der Konjunkturschwäche ächzenden Chemikalienhändler ein Effizienzprogramm verschrieben. Zudem erteilte er der angedachten Konzernaufspaltung eine Absage und drückt bei den Kostensenkungen aufs Tempo. „Wir müssen Brenntag im Kern stärken, weshalb wir zentrale Strukturen optimieren und vereinfachen sowie unsere Kostenbasis verbessern“, erklärte der seit September amtierende Konzernlenker Jens Birgersson am Mittwoch. Ziel sei es, wettbewerbsfähige Lieferketten zu entwickeln und Wachstumschancen zu nutzen. „Wir planen, diese neue Strategie in der zweiten Jahreshälfte 2026 vorzustellen.“
Birgersson bekannte sich zudem zu den beiden Konzernbereichen und legte Pläne zu einer Abspaltung ad acta. „Eine vollständige Trennung von Brenntag Specialties und Brenntag Essentials wird von uns nicht weiterverfolgt, da sie nicht im Interesse von Brenntag liegt“, betonte er. „Beide Divisionen profitieren von erheblichen Synergien in den Bereichen Kosten, Personal, operative Infrastruktur und Marktzugang, was einen einzigartigen Wettbewerbsvorteil von Brenntag darstellt.“
Auf Druck des aktivistischen Investors Primestone hatte der Essener Dax-Konzern 2023 begonnen, seine Bereiche Essentials (Massengeschäft) und Specialties (Spezialitäten) in eigenständige Einheiten aufzuspalten mit der Option eines Börsengangs.
Mehr Tempo bei Kostensenkungen
Brenntag hatte schon im Juli seine operativen Gewinnprognosen für das laufende Jahr gesenkt und stemmt sich mit Kostensenkungen gegen die schwierige Marktlage. „Wir setzen unser Kostensenkungsprogramm mit erhöhtem Tempo um. Im dritten Quartal 2025 haben wir Einsparungen in Höhe von 45 Millionen Euro erzielt und sind damit auf dem besten Weg, unser Ziel einer jährlichen Kostensenkung von 300 Millionen Euro bis 2027 zu erreichen“, betonte Finanzvorstand Thomas Reisten. Die Kostensenkungen sähen weltweit auch einen Stellenabbau vor, der sozialverträglich über die Bühne gehen solle, ergänzte der Manager, ohne den Umfang der Maßnahme zu beziffern.
Aktie trotz Einbußen und eingegrenztem Gewinnziel im Aufwind
Im dritten Quartal sanken die Erlöse um 4,7 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro und das operative Ergebnis (Ebita) um 9,2 Prozent auf 243 Millionen. Auf Grundlage dessen schränkte der Vorstand sein Gewinnziel ein und erwartet nun ein Ebita „in Richtung des unteren Endes der Bandbreite von 950 Millionen bis 1,05 Milliarden Euro.“
Mit den Nachrichten konnte Brenntag bei den Anlegern punkten: Die Aktie legte um sechs Prozent auf knapp 50 Euro zu und führte damit die Gewinnerliste im Leitindex an. Das erzielte Ebita im Quartal sei weniger schlecht ausgefallen als befürchtet, kommentierten Experten von Vara Research und J.P. Morgan.