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Chemiebranche Clariant-Großaktionär will Abgang von Präsident Kottmann erzwingen

Mit einer Beschränkung der Amtszeit könnte der saudische Großaktionär den Clariant-Chef zum Abgang zwingen. Darüber hinaus drängt Sabic auf eine Sonderdividende.

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Der Schweizer Chemieriese wird vom saudischen Großaktionär Sabic unter Druck gesetzt. Quelle: Reuters

Clariant-Großaktionär Saudi Basic Industries (Sabic) geht öffentlich auf Konfrontationskurs mit dem langjährigen Firmenlenker Hariolf Kottmann. Der saudiarabische Chemiekonzern schlägt den Clariant-Aktionären eine Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren für die Verwaltungsräte einschließlich des Präsidenten vor, wie das Basler Unternehmen am Montag mitteilte. Kottmann sitzt seit 2008 im Verwaltungsrat der Spezialchemiefirma und ist seit 2018 dessen Präsident.

Clariant bestätigte, dass die Verabschiedung der Amtszeitbeschränkungen durch die Generalversammlung vom 7. April Kottmann zum Ausscheiden zwingen würde. Anderen Mitgliedern des Gremiums blieben dagegen noch einige Jahre. Kottmann konnte für eine Stellungnahme vorerst nicht erreicht werden. Bisher hatte der Deutsche keine Rücktritts-Absichten erkennen lassen.

Sabic hielt zuletzt 31,5 Prozent an Clariant und hat damit auch auf der Generalversammlung vom 7. April 2021 großes Gewicht. Kottmann hatte den Einstieg von Sabic Anfang 2018 ausdrücklich begrüßt - auch um den Aktivisten White Tale loszuwerden. Doch spätestens seit ein geplantes Gemeinschaftsunternehmen mit Sabic 2019 an unterschiedlichen Preisvorstellungen scheiterte, war die Beziehung angespannt.

Darauf deutete auch der überraschende Rücktritt von Konzernchef Ernesto Occhiello im Juli 2019 hin. Der langjährige Sabic-Manager kehrte nach weniger als einem Jahr auf dem Posten zu seinem früheren Arbeitgeber zurück.

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    Ein Clariant-Sprecher sagte, das Schweizer Unternehmen habe weiterhin eine „professionelle Beziehung“ zu Sabic. Das saudische Unternehmen bleibe ein wichtiger Kunde. Der Clariant-Verwaltungsrat werde die Vorschläge von Sabic auf einer bevorstehenden Sitzung besprechen und dann Position beziehen. Sabic schlage den Aktionären zudem die Ausschüttung einer Sonderdividende von zwei Franken je Titel oder insgesamt rund 660 Millionen Franken vor.

    Weniger Geld für Übernahmen

    Kommt dieser Vorschlag durch, hat Clariant auch für Übernahmen weniger Mittel zur Verfügung. Der neue Konzernchef Conrad Keijzer, der das Ruder Anfang Januar übernimmt, will das Wachstum des Unternehmens auch über Zukäufe ankurbeln. Kottmann, der seit Occhiellos Abgang auch Konzernchef ist, hat dem Unternehmen einen tiefgreifenden Umbau verordnet.

    So hat die Firma zuletzt die Bereiche Healthcare Packaging und Masterbatches verkauft und ist gegenwärtig dabei, das Pigmentgeschäft abzustoßen. In Zukunft soll sich Clariant auf wachstums- und margenstärkere Felder wie etwa Hochleistungskunststoffe für die Luftfahrt-, Elektronik- und Robotik-Branche oder Inhaltsstoffe für Shampoos konzentrieren.

    Kottmann hat immer wieder betont, wie wichtig Größe in der Branche ist. Insidern zufolge hat er vor diesem Hintergrund auch Zusammenschlüsse mit Konkurrenten ausgelotet. Eine Übernahme habe er jedoch abgelehnt, sagte eine der Personen. Finanzmarktexperten halten eine Übernahme oder eine Zerschlagung des Unternehmens, das nach dem Umbau noch auf einen Umsatz von rund vier Milliarden Franken kommen dürfte, dennoch für möglich. Entscheidend für den künftigen Kurs dürfte Sabic sein, an der seit Juni die weltgrößte Erdölfördergesellschaft Aramco 70 Prozent hält.

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