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IndustrieAuftragsflaute belastet Chemieindustrie

Die deutsche Chemieindustrie steckt in der Krise. Seit drei Jahrzehnten gab es nicht mehr so wenig Aufträge. Die Gründe dafür sind vielseitig. 10.11.2025 - 08:28 Uhr
Die Sonne scheint hinter einer 26 Meter hohen Kolonne zur Phenolherstellung. Foto: Jan Woitas/dpa

Die Stimmung in der deutschen Chemieindustrie hat sich im Oktober auch wegen des dünnsten Auftragspolsters seit mehr als 30 Jahren deutlich verschlechtert. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel auf minus 19,4 Punkte, von minus 12,0 Zählern im September, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage mitteilte.

Ein Grund dafür: Die Bewertung des Auftragsbestands fiel mit minus 68,9 Punkten auf den tiefsten Wert seit mehr als drei Jahrzehnten. „Die Kombination aus mangelnder Wettbewerbsfähigkeit, sinkenden Verkaufspreisen bei gleichzeitig hohen Kosten und schwachen Aufträgen zwingt die Betriebe, Investitionen zu drosseln und Personal weiter abzubauen“, sagte Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf.

Die Unternehmen blicken deutlich pessimistischer in die Zukunft: Das Barometer für die Geschäftsaussichten in den kommenden Monaten sank von minus 3,7 auf minus 13,3 Punkte. Auch die aktuelle Lage bewerten sie deutlich negativer: Hier rutschte der Wert von minus 19,8 auf minus 25,3 Punkte ab. „Die Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung reichen in der aktuellen Konjunkturlage nicht aus, um eine Trendwende einzuleiten“, sagte Wolf.

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„Weitere Schlüsselbranche unter Druck“

Ökonomen sprechen von einem Alarmsignal. „Die negativen Meldungen über die deutsche Wirtschaft reißen nicht ab“, sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger. „Nach der Autoindustrie kommt eine weitere Schlüsselindustrie immer mehr unter Druck.“ Die Politik müsse die Wettbewerbsnachteile mindern. Gesucht bleibe eine den Standort stärkende Industriepolitik.

Die Bundesregierung will die energieintensive Industrie ab dem kommenden Jahr mit einem staatlich subventionierten Strompreis entlasten. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche geht davon aus, dass er zum 1. Januar 2026 eingeführt wird. Die Verhandlungen mit der Europäischen Kommission darüber befänden sich in den letzten Zügen. Der schwarz-rote Koalitionsvertrag sieht zudem vor, dass die Wirtschaft bis zum Ende der Legislaturperiode um 16 Milliarden Euro oder 25 Prozent der Bürokratiekosten entlastet wird. Erste Maßnahmen dazu hat das Kabinett bereits gebilligt.

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Chemiebranche verlangt mehr Tempo

Die Chemiebranche spürt Druck auf mehreren Ebenen, wie aus der Ifo-Umfrage hervorgeht: Durch den gestiegenen Wettbewerb aus dem Ausland seien viele Betriebe dazu gezwungen, ihre Preise zu senken: Der Indikator für die Preispläne drehte, kräftig ins Minus. Gleichzeitig bleibe die Auftragslage sehr schwach. Auch aus dem Ausland erwarten die Unternehmen keine positiven Impulse. Die Kapazitätsauslastung sank auf 71 Prozent und liegt damit deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 81 Prozent.

Der Verband pocht zur Entlastung auf einen schnellen Bürokratieabbau. „Der Bürokratieinfarkt ist nahe“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Chemieverbands VCI, Wolfgang Große Entrup, vorige Woche. Die Wirtschaft verliere deswegen die Geduld. Es gebe zu viele Formulare, Nachweispflichten und Absurditäten.

„Die Regulierungsflut aus Berlin und Brüssel ist für unsere Branche das Schlimmste am Standort – noch vor Energiepreisen und Steuern.“

rtr
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