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Drucken statt Fräsen 3-D-Druck - Maschinenbau öffnet Tür zur Zukunft

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Zu langsam, zu teuer, zu ungenau


Bisher arbeiten die neuen Drucker nämlich "sehr gemütlich" wie Gebhardt es freundlich ausdrückt. An das Tempo einer modernen herkömmlichen Produktion mit Gussformen, Stanz- und Fräsmaschinen kommen die Drucker noch lange nicht heran. Für ein simples Stück vergehen Stunden, für komplexe sogar Tage. Der deutsche Maschinenbau gilt als der beste der Welt. Die Prozesse sind ausgereift. Die Bauteile müssen schließlich extremen Belastungen standhalten - wie Frost und große Hitze, Druck oder hohe Geschwindigkeit. Auftraggeber wie Siemens, VW oder Porsche machen Vorgaben für Dichte, Flexibilität, Sprödigkeit oder Temperaturbeständigkeit der bestellen Materialien.

Von der serienreifen Anwendung sieht Torsten Bell, Referent für Technik und Forschung beim Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken, die 3D-Drucker noch Lichtjahre entfernt. "Wenn sie keine großen funktionalen Ansprüche an ein Teil stellen, dann ist ein 3D-Drucker eine interessante Spielerei", so sein Urteil, "aber bei Bauteilen, die auf den 1000tel-Millimeter genau gefertigt sein müssen, sind sie ungeeignet. Dafür sind die Oberflächen, die ein 3D-Drucker produziert, viel zu grob." Gerade beim Abkühlen der Kunststoffe entstehen Ungenauigkeiten am Material, die Maschinenbauer nicht tolerieren können.

Der deutsche Maschinenbau auf einen Blick

Qualität und geringe Produktivität sind das eine Problem, die Kosten das andere. Für Drucker, die Metall oder Keramik formen können, werden schnell hohe fünf- wenn nicht sogar sechsstellige Beträge fällig. In den meisten Fällen lohnt sich die Anschaffung für die Maschinenbauer noch nicht.

Also doch keine industrielle Revolution? Sind 3D-Drucker nur nette Spielzeuge für zuhause - die Knetmasse des 21. Jahrhunderts? Vielleicht nur der Beginn einer neuer Ära von Plagiatismus?

Selbst für Spielzeug noch zu schlecht

Spielwarenhersteller Lego zumindest hat keine Angst, dass durch hausgemachte Lego-Steine die Umsätze schrumpfen lassen könnten. "Dafür ist unser Kunststoff viel zu speziell", erklärt Sprecherin Katharina Sutch. Die Plastikklötzchen sind nicht nur kratz- und beißfest, Kindern müssen sie beim Spielen auch mal ablecken können, ohne dass sich auf der Zunge Pusteln bilden. Und natürlich soll ein Stein perfekt auf den anderen passen. "Die Abweichungen bei den Steinen dürfen nur minimal sein, sonst klappt das mit der Klemmkraft nicht", weiß Sutch. Dennoch findet der Klötzchen-Konzern das Thema 3D-Druck spannend.

Fans der Marke haben mit Hilfe des programmierbaren Lego Mindstroms NXT System einen eigenen 3D-Drucker gebaut und das Ergebnis auf Youtube präsentiert (siehe Video oben). Für eine mondtaugliche Behausung reicht das Ergebnis zwar noch nicht, doch das Beispiel zeigt, dass das Thema 3D-Druck die Massen ergriffen hat.

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