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Fluggesellschaft Lufthansa will den Staat mit Milliarden-Kapitalerhöhung loswerden

Wegen der Coronapandemie und der damit verbundenen Reisebeschränkungen war Fluggesellschaften in aller Welt im vergangenen Jahr der Großteil ihres Geschäfts weggebrochen. Viele entgingen nur dank staatlicher Milliardenhilfen der Pleite. Quelle: dpa

Die Lufthansa will die Rückzahlung der Staatshilfen noch mit der jetzigen Bundesregierung unter Dach und Fach bringen. Dafür muss der in der Coronakrise schwer gebeutelte Konzern Milliarden auftreiben.

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Die Lufthansa will den Staat als Miteigentümer mit einer 2,14 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung mit Ende des Jahres weitgehend loswerden. Die Kapitalmaßnahme soll noch vor der Bundestagswahl starten, wie der Konzern am Sonntagabend mitteilte. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesregierung hatte die Fluggesellschaft wegen des in der Coronakrise brachliegenden Luftverkehrs mit einer milliardenschweren Eigenkapitalspritze vor der Pleite bewahrt. Inzwischen sieht die Lufthansa Licht am Ende des Tunnels. Nun will sie mit dem erwarteten Erlös der Kapitalerhöhung die beiden Stillen Einlagen des WSF, von denen sie 2,5 Milliarden Euro in Anspruch genommen hat, bis Ende des Jahres zurückgezahlt haben. Die ersten 1,5 Milliarden Euro sollen im Oktober, der Rest bis zum Jahresende getilgt werden.

„Wir haben immer deutlich gemacht, dass wir das Stabilitätspaket nur so lange in Anspruch nehmen werden, wie es notwendig ist“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. „Wir sind daher stolz darauf, dass wir unser Versprechen nun einlösen und die Maßnahmen schneller zurückzahlen können als ursprünglich erwartet.“ Nun könne man sich voll auf die Transformation der Lufthansa Group konzentrieren. Wegen der weltweiten Impffortschritte und der Aufhebung von Reisebeschränkungen spürt die Lufthansa eine anziehende Nachfrage. Die Kranich-Airline setzt deshalb für das Sommer-Quartal auf einen bereinigten operativen Gewinn. „Ausgehend von der operativen Entwicklung des Konzerns im Juli und August wird das Adjusted Ebit (ohne Restrukturierungsaufwendungen) im dritten Quartal voraussichtlich positiv ausfallen“, erklärte der Konzern. Die Kapazität sei auf gut die Hälfte des Vorkrisenniveaus gestiegen, bei einer Auslastung von über 70 Prozent im August.

Die aktuellen Buchungen deuten demnach auf eine anhaltende Nachfrageerholung hin. Ähnlich wie im Juli und August rechnet der Konzern damit, dass die Passagierzahlen in den kommenden Monaten rund die Hälfte des Niveaus von 2019 erreichen werden, gestützt durch einen spürbaren Anstieg von Geschäftsreisen. Zudem sorge die Luftfracht weiter für viel Schwung.



Binnen zwei Jahren muss der Bund dann seinen verbliebenen Aktienanteil von 15,9 Prozent an der Lufthansa wieder verkaufen, wenn er an der Kapitalerhöhung teilnimmt und seine Beteiligung nicht ohnehin verwässern lässt. Er ließ am Sonntagabend offen, ob und in welcher Höhe er nochmals frisches Kapital beisteuert. Der WSF werde sich dazu erst nach Abschluss der Kapitalerhöhung äußern, sagte eine Sprecherin der Deutschen Finanzagentur, die den WSF verwaltet. Nimmt er seine Bezugsrechte wahr, würde ihn das rund 340 Millionen Euro kosten. Er könnte aber auch einen Teil seiner Bezugsrechte verkaufen und so neue Aktien zeichnen.

Mitte August hatte der WSF begonnen, seinen Anteil von 20 Prozent „vor dem Hintergrund der positiven Unternehmensentwicklung“ über den Markt um gut vier Prozent abzubauen. Eingestiegen war er im Sommer 2020 zum Nennwert von 2,56 Euro. Er war eingerichtet worden, um wichtigen Firmen über die Coronakrise hinwegzuhelfen. Auch das Geld aus dem Teilverkauf (geschätzt 200 Millionen Euro) könnte der Staat in neue Lufthansa-Aktien stecken, ohne die EU-Kommission erneut um Erlaubnis zu bitten. Finanzspritzen des Staates gelten sonst als staatliche Beihilfe. Man sei mit den Brüsseler Wettbewerbshütern in kontinuierlichem Austausch, sagte die Sprecherin dazu nur.

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Die Lufthansa-Aktionäre können bei der Kapitalerhöhung von Mittwoch (22. September) an bis zum 5. Oktober für jede ihrer Aktien eine neue beziehen. Der Preis für die 597,7 Millionen neuen Papiere liegt mit je 3,58 Euro um 56 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag (8,21 Euro). Im Vergleich zu dem um den Wert der Bezugsrechte bereinigten Kurs (TERP) werden die Aktien mit einem Abschlag von 39 Prozent angeboten. 14 Banken haben sich verpflichtet, alle neuen Papiere, die die Lufthansa nicht an die eigenen Aktionäre losschlägt, auf die eigenen Bücher zu nehmen. Der Erlös ist der Lufthansa damit sicher. Der US-Fondsriese Blackrock ist bereit, neue Lufthansa-Aktien für bis zu 300 Millionen Euro zu kaufen. Er hatte seinen Anteil an der Fluggesellschaft kurz vor dem ersten Corona-Lockdown im März 2020 auf weniger als drei Prozent reduziert. Wegen der Coronapandemie und der damit verbundenen Reisebeschränkungen war Fluggesellschaften in aller Welt im vergangenen Jahr der Großteil ihres Geschäfts weggebrochen. Viele entgingen nur dank staatlicher Milliardenhilfen der Pleite.

Mehr zum Thema: Die Flugindustrie muss sich neu erfinden. Der Klimaschutz zwingt sie, heutige Technologien infrage zu stellen. Zugleich greifen Start-ups mit Ideen an, die lange ins Reich der Science-Fiction gehörten.

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