Flugzeugbauer Airbus behält Grenzsicherungssparte nun doch

Airbus hält nun doch an seinem Geschäft mit Grenzsicherungstechnik fest. Ursprünglich sollte das Geschäftsfeld zusammen mit anderen Rüstungselektroniksparten als Gesamtpaket verkauft werden.

Der Mittelklasse-Flieger von Airbus
Mit dem Erstflug des Verkaufschlagers A320neo hat Airbus im Kampf um die Vorherrschaft bei Mittelstreckenflugzeugen ein Etappenziel erreicht. Der für bis zu 180 Passagiere konzipierte Flieger startete am Donnerstag in Toulouse zu einem für sechs Stunden konzipierten Erstflug. Quelle: dpa
Von der Weiterentwicklung der alten A320 erhofft sich der europäische Flugzeugbauer, mit besseren Verbrauchswerten den Erfolg in der am meisten verkauften Flugzeugklasse zu sichern. Durch neue Triebwerke und aerodynamische Flügelenden, Sharklets genannt, soll der Treibstoffverbrauch um 15 Prozent sinken. Quelle: REUTERS
Für das Flugzeug liegen nach Airbus-Angaben bisher knapp 2500 feste Bestellungen vor. Für die gesamte Klasse der Kurz- und Mittelstreckenmaschinen mit nur einem Mittelgang, zu der auch die A319 und die A321 gehören, sind gut 3300 Aufträge von mehr als 60 Kunden verzeichnet. Die US-amerikanische Airbus-Konkurrenz Boeing setzt in diesem Marktsegment mit der 737-MAX ebenfalls auf eine Neuauflage ihrer Mittelstreckenjets. Quelle: REUTERS
Airbus will die laut Listenpreis knapp 79 Millionen Euro teure A320neo auch am Standort Hamburg bauen. Die ersten Exemplare der 2010 angeschobenen Neuentwicklung sollen im kommenden Jahr an Qatar Airways und die deutsche Lufthansa ausgeliefert werden. Für die Testphase hat Airbus acht Flugzeuge konzipiert, sechs davon werden in Hamburg montiert. Auch die Auslieferung des ersten Exemplars an einen Kunden soll in der Hansestadt erfolgen. Quelle: dpa
Für die große Nachfrage nach der A320-Familie will Airbus die Produktion des Jets steigern. Derzeit werden monatlich 42 Maschinen in dieser Klasse gefertigt. Bis 2016 will Airbus vier Jets mehr schaffen und dann 46 Mittelstreckenflieger pro Monat bauen. Davon sind etwa 22 Flugzeuge für die Endmontage in Hamburg vorgesehen. Dort wird auch der Rumpf für alle Modelle der Familie gefertigt. Quelle: REUTERS
Der Start des A320neo sollte eigentlich im Internet per Livestream übertragen werden, unter anderem über das bekannte Online-Portal Youtube. Wegen rechtlicher Probleme mit dem Bildmaterial konnte der Stream in Deutschland aber nicht abgerufen werden. Quelle: REUTERS
Wegen starker Bewölkung – und den daraus resultierenden schlechten Aufnahmen – musste der Start um etwa eine Stunde nach hinten verschoben werden. Statt um 11 Uhr konnten die Piloten den A320neo erstmals um kurz nach 12 Uhr von der Startbahn im südfranzösischen Toulose abheben lassen. Quelle: Presse
Neben den Piloten im Cockpit waren auch einige Ingenieure an Bord, die die Technik überwachten. Statt Passagieren sorgten Wassertanks für ein realistisches Startgewicht.
Neben dem A320neo werden auch noch der kleinere A319 und der größere A321 in der neo-Variante angeboten. Auf die Spritersparnis gegenüber den Vorgängern und dem Konkurrenzmodell 737-MAX von Boeing ist man bei Airbus besonders stolz. Quelle: Presse
Die neue Sitzbestuhlung dürften die Passagiere bemerken, andere Neuheiten wie die sparsameren Triebwerke oder die neuartige Fly-by-Wire-Steuerung werden das Flugerlebnis eher weniger beeinflussen. Quelle: Presse

Die Fertigstellung bestehender Aufträge in Saudi-Arabien habe sich verzögert, heißt es in einem Brief von Airbus-Rüstungschef Bernhard Gerwert und seinem designierten Nachfolger Dirk Hoke an die Mitarbeiter. "Deshalb hat sich Airbus Defence and Space entschlossen, das Border-Security-Geschäft aus dem Verkaufspaket herauszulösen und bei Airbus Defence and Space zu belassen", schreiben die beiden. Die zugehörigen Mitarbeiter blieben im Haus.

Aufträge von Airbus und Boeing im Vergleich

Ursprünglich sollte das Geschäftsfeld zusammen mit anderen Rüstungselektroniksparten wie Radar- und Zielerfassungstechnik als Gesamtpaket verkauft werden. Eigentlich wollte Konzernchef Tom Enders das auf einen Kaufpreis von rund einer Milliarde Euro bezifferte Paket bis Ende vergangenen Jahres versilbert haben, doch die Verhandlungen ziehen sich hin. Die Hauptinteressenten sind die Finanzinvestoren KKR und Carlyle. Airbus hatte sich zuletzt auch mit politischen Bedenken auseinanderzusetzen, die Bundesregierung hält ein Auge auf den Erhalt von Sicherheitstechnologie und entsprechenden Arbeitsplätzen in Deutschland.

Mit dem Vorgang vertrauten Personen zufolge lässt sich aus dem abgeblasenen Spartenverkauf bereits die Handschrift von Hoke herauslesen, der sich seit einigen Monaten bei Airbus einarbeitet und im April Gerwert beerben wird. Das Grenzsicherungsgeschäft soll neue Aufträge an Land ziehen. Mit der aktuellen Flüchtlingskrise in Europa will Airbus den Schritt aber nicht in Verbindung gebracht wissen. "Dieser Schritt hängt nicht mit einer möglichen neuen Konjunktur für Grenzsicherung zusammen, sondern nur mit einer Erleichterung des Verkaufsprozesses", erklärte ein Firmensprecher.

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Airbus liefert ohnehin keinen Stacheldraht, sondern elektronische Überwachungstechnik und vernetzte Systeme zur Beobachtung ungesicherter Grenzen. Die wichtigsten Kunden waren bisher Saudi-Arabien, Katar und Rumänien. In den vergangenen Jahren lief das Geschäft allerdings eher schleppend. Den restlichen Bereich seiner Rüstungselektronik, vor allem Radar- und Zielerfassungstechnik, will Airbus dem Schreiben zufolge wie vorgesehen abgeben. Der Verkaufsprozess werde "planmäßig weitergeführt und kurzfristig zum Abschluss gebracht", hieß es.

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