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Hubert Lienhard "Besser ein guter chinesischer Investor als ein schlechter Nachfolger"

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Entspannte Digitalisierung?

Sind Sie beim Thema Digitalisierung auch so entspannt? Analysten warfen Voith vor, diesen Zug fast verpasst zu haben.
Im Gegenteil: Wir erhalten von Branchenexperten und aus der Industrie, wie auch von Analysten sehr viel Zuspruch für unseren Ansatz. Wir haben einen zentralen Konzernbereich mit rund 1.500 Mitarbeitern ausschließlich für den Bereich Digitale Industrie. Ich bin überzeugt: Wir werden in zehn Jahren genau sehen, welche Maschinenbauer den richtigen Weg eingeschlagen hat. Wir haben uns überlegt: Wir sind mit den drei Bereichen Wasserkraft, Papiermaschinen und Turbo sehr dezentral aufgestellt. Früher war das von Vorteil, bei der Digitalisierung ist es von Nachteil, weil wir viele Datenanalysen unserer Maschinen drei Mal machen.

Deshalb haben wir jetzt eine zentrale Einheit Digital Solutions mit 1500 Mitarbeitern gegründet, die alle digitalen Aufgaben im gesamten Konzern zentral steuert.

Die innovativsten deutschen Mittelständler

1500 Leute, das ist ja schon wieder eine Großfirma für sich. Andere Maschinenbauer wie SMS, wo Sie Aufsichtsrat sind, setzten auf kleine Truppen von Querdenkern, die außerhalb der Konzernstrukturen und ohne Reisekostenanträge nutzbringend spinnen dürfen. Was passt, wird dann vom Konzern übernommen.
Jedes Unternehmen muss seinen Weg finden. Bei Voith glauben wir nicht an ein paar wenige Leute, die mal freigelassen werden und Hoodies tragen. Freiheit haben die Leute bei uns auch. Wir haben derzeit allein 22 Inkubationsprojekte mit rund 670 Leuten auf eigenem Campus. Wir investieren in diesem Jahr 50 Millionen Euro in digitale Produkte.

Ziemlich spät...
Nein. Es ist eine sehr komplexe Arbeit, jedes Maschinenteil zum Sprechen zu bringen. Sie müssen wissen, in welcher Millisekunde was in der Maschine passiert.

Auch das haben andere Unternehmen schon vor fünf Jahren festgestellt.
Ja, und nur ganz wenige haben heute schon Lösungen für dieses hochkomplexe Feld, die ganze deutsche Industrie sucht derzeit nach dem richtigen Weg. Und ich kenne auch viele Unternehmen, die haben das noch gar nicht festgestellt. Insofern noch einmal: Wir erhalten sehr viel Anerkennung für unseren Ansatz. Die deutsche Industrie muss die Automatisierung von 2.0 auf 4.0 bringen, damit wir die richtige Basis haben. Aber bisher gibt es noch nicht mal industriesicheres WLAN.  Wir rechnen mit etwa drei Jahren Entwicklungsarbeit, um aus weltweiten Maschinendaten belastbaren Mehrwert für Kunden und neue Geschäftsmodelle zu generieren.

Was planen Sie denn konkret?
Dazu sage ich Ihnen heute nicht mehr. Unsere Planungen sind schon sehr konkret, aber heute reicht es schon nur eine Idee oder einen Namen zu veröffentlichen und schon kupfert sie jemand ab. Wir haben ein paar so spannende  Dinge auf dem Tisch liegen, da frage ich mich die ganze Zeit, irgendwo muss noch ein Fehler sein, das kann nicht so gut laufen. Aber es ist eben doch so, in unseren Maschinen stecken 150 Jahre technologische Erfahrung. Daten alleine sagen nichts, sie müssen auch die Bedeutung und den Kontext der Maschine verstehen. Insofern glauben wir, dass Firmen mit starkem mechanischem Know-how am Ende die Gewinner der Industrie 4.0.sein werden.

Sie schwimmen Dank des anvisierten Verkaufs ihrer Kuka-Anteile an den chinesischen Investor Midea für rund 1,2 Milliarden Euro im Geld. Da können Sie doch jetzt in großem Rahmen digitales Know-how kaufen und M+A-Berater rennen ihnen die Bude ein?
Das stimmt beides, aber wir sehen uns den Markt für Elektrik, Elektronik und Software ganz gelassen und gründlich an. Die Preise auf dem Markt sind zurzeit überhitzt und Voith ist jetzt gut aufgestellt. Ich sehe zuversichtlich nach vorne.

Industrie 4.0 bedeutet auch, dass Sie von ihren Zuliefern  Daten einfordern werden, deren Heiligtum. Das will nicht jeder.
Das wird sicherlich interessant werden. Im Bereich Papiertechnologie und Wasserkraft sind wir die Hersteller und werden natürlich von unseren Lieferanten verlangen, dass wir ihre Daten bekommen. Im Bereich Antriebstechnik sind wir der Komponentenlieferant, da werden wir gebeten werden, Daten abzugeben und werden das auch machen. Aber wenn es unsere Kernkompetenz betrifft, werden wir sie auch in Zukunft nicht hergeben. Ich vermute, in der Zukunft werden Verträge sich im gleichen Umfang sowohl um die Lieferung der Maschine oder Komponente selbst, wie auch um die Lieferung der Daten und ihre Sicherheit drehen. Das wird ein Fest für die Rechtsanwälte werden.

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