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Kauf weiterer Anteile Hamburg sichert sich Zugriff auf Hapag-Lloyd

Nach wochenlangen Verhandlungen mit TUI sind für die Stadt Hamburg die Weichen für den Kauf weiterer Hapag-Lloyd-Anteile gelegt. Nun muss noch der TUI-Aufsichtsrat zustimmen.

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Die Stadt Hamburg sichert sich weitere Anteile an Deutschlands größter Reederei Hapag-Lloyd. Quelle: dpa

Hamburg Hamburg hat sich den Zugriff auf Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd gesichert. Die Hafenstadt stellte am Dienstag nach wochenlangen Verhandlungen die Weichen für den Kauf weiterer Anteile von der TUI. Damit rückt sie zum größten Anteilseigner der weltweit fünftgrößten Containerreederei auf, die ihre Zentrale am traditionsreichen Ballindamm im Herzen Hamburgs hat. Der Reisekonzern aus Hannover kann sich damit weiter aus der Schifffahrt zurückziehen und verringert seine Schulden deutlich.

„Es gibt eine Verständigung“, gab Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) am Dienstag in Hamburg bekannt. Die Einigung stehe unter dem Vorbehalt, dass die Gremien ihr zustimmten. Am Nachmittag sollte die Bürgerschaft über die Transaktion informiert werden, über die Details bereits im Vorfeld durchgesickert waren.

Demnach soll die hoch verschuldete Hansestadt für rund 400 Millionen Euro weitere Anteile übernehmen und käme Insidern zufolge dann auf mehr als 37 Prozent an Hapag-Lloyd. Weitere Anteile soll der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne übernehmen. Von den übrigen vier Hapag-Aktionären, die sich im Albert-Ballin-Konsortium zusammengefunden haben, wollen Unternehmenskreisen zufolge lediglich die beiden Versicherer Signal Iduna und Hanse Merkur weitere Aktien übernehmen.

Die HSH Nordbank und die von der Warburg-Bank beratenen Investoren übernehmen demnach keine weiteren Anteile. Das Konsortium um die Stadt und Kühne, das einst gegründet worden war, um einen Verkauf der Traditionsreederei an den Rivalen NOL zu verhindern, hält bereits knapp 61,6 Prozent an Hapag-Lloyd.

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    Der Versicherer Signal Iduna beteiligt sich mit sieben Millionen Euro an dem Deal. „Das geht in die Richtung“, sagte Vorstandschef Reinhold Schulte, der Hapag-Lloyd als gutes Investment bezeichnete. Mit 5,3 (zuvor: 5,5) Prozent verwässert sich die Beteiligung leicht. Das deutet darauf hin, dass Hapag-Lloyd im Rahmen der Transaktion Kapital zugeführt wird. Offenbar soll das Hybridkapital von 350 Millionen Euro, das die TUI Hapag-Lloyd während der Krise vor zwei Jahren zur Verfügung gestellt hat, weitgehend auf das Konsortium übergehen oder in Eigenkapital gewandelt werden. Dies hatte Hamburg zur Voraussetzung für eine Einigung gemacht.


    TUI-Vorstandsvorsitzender könnte Erfolg vermelden

    Angesichts der hohen Verschuldung der Hansestadt hatte sich die seit März allein regierende SPD um eine breite Zustimmung über die Parteigrenzen hinweg bemüht. Gerungen wurde bis zuletzt um den Preis. „TUI wollte möglichst viel zu einem möglichst hohen Preis verkaufen“, sagte Tschentscher.

    Branchenkenner halten es möglich, dass Hapag-Lloyd mit weltweit knapp 7000 Mitarbeitern trotz der schwierigen Lage auf den Schifffahrtsmärkten wirtschaftlich besser dasteht als selbst große Konkurrenten wie Maersk, der sich in den vergangenen Monaten einen ruinösen Preiskampf mit dem Rivalen MSC geliefert hatte. Die Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr will Hapag-Lloyd am Mittwoch bekanntgeben.

    Am Dienstagnachmittag sollten in Hannover noch der Vorstand und im Anschluss der Aufsichtsrat der TUI tagen. Ein Abschluss sollte spätestens auf der Hauptversammlung des Reisekonzerns am Mittwoch bekanntgeben werden.

    Gibt der TUI-Aufsichtsrat wie erwartet grünes Licht, könnte Vorstandschef Michael Frenzel den Aktionären einen wichtigen Erfolg vermelden. Mit der Einigung kann sich der Reisekonzern zwar nicht wie erhofft ganz von der Containerschifffahrt lossagen. Bei einem Verkauf von rund 20 Prozent an das Konsortium würde sich die Beteiligung aber fast halbieren. Den Anteil von zuletzt 38,4 Prozent hat der Konzern intern mit 1,2 Milliarden Euro bewertet. 33 Prozent hatte TUI zu Jahresanfang zum Verkauf gestellt und damit einen Prozess in Gang gebracht, um sich mit den Miteignern zu verständigen.

    Davor waren Verhandlungen mit potenziellen Investoren aus China und Oman im Sande verlaufen. Ein geplanter Börsengang gelang nicht, weil in dem schwierigen Umfeld eine Bewertung des Unternehmens fast unmöglich war. Ihre Verschuldung hatte TUI im vergangenen Jahr um eine Milliarde auf 800 Millionen Euro gedrückt.

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