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KTG Agrar Dubiose Geschäfte des einstigen Börsenstars

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Trügerische Idylle in Rumänien

Die Spuren in diesem Sumpf führen unter anderem ins rumänische Iași, eine Universitätsstadt mit 300.000 Einwohnern im Nordosten Rumäniens, unweit der Grenze zu Moldawien. Vom Provinzflughafen aus geht es über wellige Landstraßen, vorbei an Klöstern, Pferdefuhrwerken und auf der Straße streunenden Kühen. Nach knapp einer Stunde erreicht man den Landwirtschaftsbetrieb Agro Iulia.

Ein Innenhof, umgeben von zugigen Wellblechunterständen, in denen Pflüge und Mähdrescher vor sich hin rosten. Eine Werkstatt, ein kleines Verwaltungsgebäude mit ein paar Büros und einer kleinen Kantine. Im Hof döst ein angeketteter Wachhund in der Sonne. Daneben rangiert ein altersmüder Trecker seinen Hänger auf eine Erntewaage.

Agro Iulia beschäftigt knapp 50 Mitarbeiter, die auf einigen Tausend Hektar Land Soja, Hafer und Gerste anbauen. Das Unternehmen gehört zu 60 Prozent dem westfälischen Fleischunternehmer und Schalke-04-Boss Clemens Tönnies. Den Rest hält KTG Agrar. Der Fleischmogul aus Rheda-Wiedenbrück hatte sich das Engagement in Rumänien vor rund zehn Jahren von Rodo Schneider schmackhaft machen lassen, einem ehemaligen Topmanager des bayrischen Fleischkonzerns Moksel. Schneider stieg 2009 in Rumänien aus und verkaufte seine Anteile an die KTG Agrar. Fortan sollten die Landwirtschaftsprofis aus Hamburg dem Agrarlaien Tönnies helfen, den Betrieb auf Vordermann zu bringen.

Gelungen ist das bis heute nicht. Im Gegenteil. Als Tönnies zu Beginn des vergangenen Jahres verschiedene private Beteiligungen auf ihre Werthaltigkeit prüfen ließ, schrillten plötzlich die Alarmsirenen. In der Analyse eines Wirtschaftsprüfers, die Tönnies am 15. Juli vergangenen Jahres zugeschickt wurde, heißt es unter dem Stichpunkt Agro Iulia, die Gesellschaft habe im Jahr 2014 einen deutlichen Umsatzrückgang und einen Verlust in Höhe von umgerechnet 1,1 Millionen Euro erzielt. „Die wirtschaftlichen Gründe der Verlustsituation sollten geklärt werden“, empfiehlt der Prüfer.

Weiter heißt es: „Zum 31. Dezember 2014 werden Forderungen in Höhe von rund zwei Millionen Euro bilanziert. Die Werthaltigkeit der bilanzierten Forderungen sollte kritisch hinterfragt werden. Die Gesellschaft ist zum 31. Dezember 2014 mit einem negativen Eigenkapital von umgerechnet 6,2 Millionen Euro deutlich überschuldet.“ Fazit: „Die Fortführungsprognose der Gesellschaft sollte im Gesellschafterkreis geprüft werden.“

Ein Kenner der Verhältnisse in Rumänien berichtet, dass Clemens Tönnies dort über den Tisch gezogen wurde. So sollen etwa Maschinen wie Pflüge und Mähdrescher, die schon lange nicht mehr im Einsatz sind, von der KTG an Agro Iulia vermietet beziehungsweise verkauft worden sein.

Geliefert wurden die Feldfrüchte an die KTK-Gruppe, die die Vermarktung übernehmen sollte. Dabei, so behauptet der Insider, müsse hinterfragt werden, warum die in Rumänien erwirtschaftete Ernte überhaupt nach Deutschland verfrachtet wurde und wer die Transportkosten übernommen habe. Vor allem aber: zu welchen Preisen? Weder KTG noch Hofreiter äußern sich dazu.

Tönnies hat mittlerweile eine Sonderprüfung veranlasst und will eigene Mitarbeiter nach Rumänien schicken, um den Vorwürfen nachzugehen. Neben der Agro Iulia rückt damit die KTK-Gruppe ins Scheinwerferlicht.

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