Patente: Biontech vs. Curevac – erst kaufen, dann einigen

Der Coup ist erst wenige Wochen her: Mitte Juni kündigte Biontech an, den Tübinger Konkurrenten Curevac für gut eine Milliarde Dollar – im Zuge eines Aktientauschs – zu übernehmen. Beide Unternehmen hatten einst während der Coronapandemie einen Impfstoff entwickelt – Biontech war erfolgreich, Curevac scheiterte.
Beide arbeiten mit der mRNA-Technologie: einer Art Bauplan, die im Körper die Abwehr des Immunsystems aktiviert. Offensichtlich ging es Biontech bei der Übernahme jedoch nicht nur um die technologische Zusammenarbeit zweier mRNA-Spezialisten, sondern auch darum, ein ernsthaftes juristisches Problem vom Tisch zu bekommen. Denn Curevac hatte Biontech wegen der Nutzung mehrerer Patente verklagt.
Curevac forscht bereits seit 2000 an mRNA-Präparaten, Biontech stieg erst 2008 ein. Ein langjähriger Rechtsstreit wäre langwierig und womöglich teuer geworden.
Biontech hat Wichtigeres zu tun: Krebs bekämpfen
Noch bevor die Übernahme endgültig vollzogen ist, haben beide Unternehmen Rechtssicherheit geschaffen, wie Curevac am Freitagmorgen mitteilte. Curevac und sein britischer Partner GlaxoSmithKline erhalten von Biontech insgesamt 740 Millionen US-Dollar sowie eine Lizenzgebühr im einstelligen Prozentbereich auf den künftigen Verkaufserlös von Corona-Impfstoffen in den USA. Gleichzeitig schaffen beide Unternehmen einen Rahmen, um auch Patentstreitigkeiten außerhalb der USA beizulegen – so ist unter anderem noch ein Prozess vor dem Landgericht Düsseldorf anhängig.
Außerdem wird Curevac Biontech und seinem US-Partner Pfizer eine Lizenz erteilen, um bestimmte mRNA-Präparate herzustellen, zu verwenden, in die USA zu importieren und zu verkaufen.
Inwieweit die Details der Einigung sinnvoll sind, darüber mögen sich Juristen den Kopf zerbrechen. Wichtig ist, dass der Rechtsstreit bald vom Tisch ist. Denn Biontech hat Wichtigeres zu tun – nämlich Krebs zu bekämpfen. Dazu gibt es schon einige aussichtsreiche Medikamenten-Kandidaten.
2026 will das Mainzer Biotechunternehmen sein erstes Krebsmedikament auf den Markt bringen. Die Zeit läuft. Ein unkalkulierbarer Rechtsstreit hätte da nur unnötig Management-Kapazität gebunden.
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