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Pharmabranche Jedes zweite neue Medikament ein Flop

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Nahezu 50 Prozent aller weltweit neu eingeführten Arzneimittel erfüllen die in sie gesetzten Umsatzerwartungen nicht. Das geht aus einer Studie der Beratung Bain & Company hervor.

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Quelle: obs

25 Prozent der Arzneien schaffen danach sogar nicht einmal halb so viel Umsatz wie von Analysten vorhergesagt.

Zu den größeren Enttäuschungen der vergangenen Jahre zählt nach Ansicht von Branchenexperten etwa das Herzmittel Entresto von Novartis, das seines hohen Preises wegen zunächst von Ärzten nur wenig verschrieben wurde. „Unternehmen verschließen häufig die Augen vor den Realitäten“, sagt Bain-Partner und Studienautor Christoph Schlegel, „sie überkommunizieren häufig den zusätzlichen Nutzen ihres Medikaments oder überschätzen dessen Alleinstellungsmerkmale, obwohl schon etliche vergleichbare Medikamente auf dem Markt sind.“

Dass die Unternehmen die Schlagkraft ihrer Präparate überschätzen, belegen auch Zahlen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWIG) aus Köln, das den Nutzen von Medikamenten untersucht. Bei mehr als 50 Prozent der Medikamente erkannten die IQWIG-Prüfer in den vergangenen Jahren keinen Zusatznutzen. „Wenn es um die Außendarstellung eines Medikaments geht, setzen sich in den Unternehmen eher die Marketing- und Vertriebsprofis als die Forscher durch“, sagt Institutschef Jürgen Windeler, „zudem haben die Unternehmen bei ihren Prognosen den Börsenkurs im Blick.“

Ein weiteres Problem für die Hersteller: Die Konkurrenz zieht schneller nach. Im Jahr 2000 hatten Unternehmen noch acht Jahre Zeit, um ihre Alleinstellung auszunutzen und die Entwicklungskosten reinzuholen, derzeit sind es nur noch vier Jahre. Für den Erfolg eines Medikamentes reichen ein hohes Budget und gute Marktforschung inzwischen nicht mehr aus, so Bain-Partner Schlegel: Auch nach der Markteinführung müssten Produktmanager durch regelmäßige Informationen und weitere Studien neue Präparate in der breiten Ärzteschaft, bei Patienten, Krankenkassen, Einkaufsmanagern und Arzneiprüfern im Gespräch halten. Die Markteinführung müsse in Unternehmen von autarken Teams begleitet werden

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