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Rüstungs- und Technikkonzern Diehl Der schwierige Imagewandel der Waffenschmiede

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Negativbeispiel für einen Mittelständler

Zum einen hat Diehl wie wenige von den durch Deutschland angezettelten Weltkriegen und dem Nationalsozialismus profitiert. Ende der Siebzigerjahre gipfelte der Hass auf Karl Diehl, der das Unternehmen ab 1938 fast 70 Jahre lang leitete, im Versuch der damaligen terroristischen Rote Armee Fraktion (RAF), den Patriarchen zu ermorden: von einer konspirativen Wohnung mit freiem Blick zur Konzernzentrale in einem schlichten Wohlviertel anderthalb Kilometer südöstlich der mittelalterlichen Nürnberger Innenstadt.

Diehl war im Ersten Weltkrieg in die Produktion von Rüstungsgütern wie Zündern eingestiegen. Im Zweiten Weltkrieg beschäftigte der Betrieb laut Studien Tausende von Zwangsarbeitern sowie KZ-Häftlingen. Deren Schicksal hat der damalige Firmenchef Karl Diehl, so der Berliner Historiker Wolfgang Benz in einer Studie, "den Produktionszielen des Unternehmens nachgeordnet". Erst als Diehl senior 1998 wegen seiner vielen Spenden zum Wiederaufbau Nürnbergs Ehrenbürger seiner Heimatstadt werden sollte, kam die dunkle Geschichte hoch. Nach längerem Zögern und als eines der ersten Unternehmen zahlte Diehl im Mai 1998 an 180 seiner Opfer eine Entschädigung von im Schnitt umgerechnet 500 Euro pro Monat Zwangsarbeit.

Wer die meisten Waffen kauft
Während in Europa der Import von Waffen zwischen 2010 und 2014 im Vergleich zum vorherigen Fünf-Jahres-Zeitraum um 36 Prozent zurückging, nimmt er in allen anderen Weltregionen zu. Das zeigen neue Zahlen des Friedensforschungsinstituts Sipri (Link zum PDF-Dokument). Angesicht des gestiegenen Sicherheitsbedürfnisses aufgrund der Ukraine-Krise könnte sich der Trend in Europa aber bald wieder umkehren. Der staatliche Waffenimport wuchs in Afrika um 45, in Asien und Ozeanien um 37, im Nahen Osten um 25 und in Amerika um sieben Prozent. Welche Länder besonders viel für Waffen ausgeben... Quelle: dpa
Singapur ist nur ein kleiner Stadtstaat, doch bei Waffen spielt das Land ganz vorne mit. Zwischen 2010 und 2014 betrug der Anteil Singapurs an den weltweiten Waffenimporten drei Prozent. Im Fünf-Jahres-Zeitraum zuvor war der Anteil schon genauso hoch. Hauptlieferanten für das Inselreich waren Schweden (6 Prozent), Deutschland (10 Prozent) und mit Abstand die USA (71 Prozent). Im Bild ist ein Soldat aus Singapur zu sehen. Quelle: AP
Die asiatische Wirtschaftsmacht Südkorea importiert weniger Waffen. Zwischen 2010 und 2014 sank der Anteil von sechs auf drei Prozent. Südkorea kaufte vor allem bei US-Herstellern ein: Mit 89 Prozent dominierten Waffenimporte aus den USA. Deutschland war mit fünf Prozent im Geschäft, Schweden mit zwei. Im Bild sind Kampfflugzeuge der südkoreanischen Luftwaffe bei einem Kontrollflug über den Dokdo Inseln zu sehen. Quelle: dpa
Die Vereinigten Staaten sind der größte Waffenexporteur der Welt. Doch trotz der Stärke der eigenen Hersteller wird auch ein kleiner Teil Waffen importiert. Im Zeitraum von 2010 bis 2014 betrug der Anteil der USA an den weltweiten Waffenimporten drei Prozent und blieb damit im Vergleich zum vorherigen Fünf-Jahres-Zeitraum unverändert. Deutsche Hersteller waren mit 18 Prozent am besten in den USA im Geschäft, gefolgt von Großbritannien (15) und Kanada (13). Im Bild sind US-Soldaten zu sehen. Quelle: dpa
Auf die Türkei entfallen drei Prozent der weltweiten Waffenimporte. Der Anteil bleibt damit stabil. Die meisten Waffen erhielt der Staat von Schmieden des Nato-Partners USA (58 Prozent), gefolgt von Südkorea (13) und Spanien (8). Im Bild: Türkischer Panzer an der Grenze zu Syrien, im Hintergrund die zwischen Kurden und IS umkämpfte Stadt Kobane. Quelle: dpa
Vier Prozent aller Waffenimporte tätigte Australien. Der fünfte Kontinent erhöhte damit seinen Anteil leicht. Wichtigster Lieferant waren Hersteller aus den USA (68 Prozent), auch Spanien (19) und Frankreich (6) machten gute Geschäfte. Im Bild: Bruchlandung eines australischen Kampfjets bei Brisbane. Quelle: dpa
Bei Waffendeals sind Pakistan und die USA eng verbündet. 30 Prozent aller pakistanischen Importe kamen aus den Vereinigten Staaten. Doch Hauptlieferant ist die aufstrebende Waffennation China. 51 Prozent der Importe stammten aus der Volksrepublik. Insgesamt hat Pakistan einen Anteil von vier Prozent aller Waffenimporte von 2010 bis 2014. Im Bild: Gemeinsame Hilfsaktion von US- und pakistanischen Kräften nach einem Erdbeben in Pakistan. Quelle: dpa

Zur Jahrtausendwende drohte das Scheitern

Dazu kam die Nähe zum System der damaligen bayrischen Amigo-Wirtschaft mit ihren gegenseitigen Gefälligkeiten. In der Nachkriegszeit überließ Karl Diehl laut einer Biografie seinem Duzfreund, dem CSU-Politiker, zeitweisen Bundesverteidigungsminister und bayrischen Landesregierungschef Franz Josef Strauß, Diehl-Firmenflugzeuge für private Flüge. Und in den Neunzigerjahren stellte die Oberfinanzdirektion Nürnberg eine Betriebsprüferin kalt, die dem Konzern eine Steuernachzahlung von gut 30 Millionen Euro aufbürden wollte.

Am Ende war Diehl zur Jahrtausendwende sogar auch noch zum Negativbeispiel für einen Mittelständler geworden, der durch den verknöcherten Greis an der Spitze ins Verderben zu schlittern drohte. Mit dem Ende des Kalten Kriegs sanken die Rüstungsausgaben, und die Globalisierung bescherte Diehl neue Wettbewerber, die einfache Schaltuhren oder Feuerwerkskörper billiger produzierten. Hinzu kam Versagen im Innern. Zerfressen von Misstrauen traute der Alte seinen Söhnen Werner, Peter und Thomas echte Führungsaufgaben offenbar nicht zu. Und das, obwohl der jüngste Sohn und heutige Chef Thomas bereits Forschungsvorstand war und die damalige Diehl-Tochter Junghans mit Funkuhren zu einem der führenden europäischen Hersteller gemacht hatte.

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    Deutschlands wichtigste Rüstungsgüter
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    Sturmgewehr G36Hersteller: Heckler & Koch Weltweit begehrt wegen des geringen Gewichts – auch von nicht opportunen Ländern. Quelle: dpa

    Erst als der Benjamin mehrfach mit Kündigung drohte, wurde er Vorstandsvorsitzender. Aber sein kettenrauchender Vater mischte sich als Aufsichtsratschef weiter praktisch in alle Dinge ein. Mehr noch, er machte auch noch Sohn Werner zum Aufsichtsratschef. Dabei konnte der mit den Veränderungen, die sein Bruder Thomas anstieß, laut Insidern nur wenig anfangen. Fertigung in Billiglohnländern oder strikte Kostenrechnung – Thomas Diehl gelang all dies erst, als sein Vater ihm ab 2003 endlich mehr Macht einräumte.

    Auch wenn der amtierende Diehl-Chef viele Hemmnisse abgeschüttelt hat: Für die nächsten Jahre muss der nüchterne Ingenieur mit dem trockenen Humor seines Idols Karl Valentin erst mal kürzer treten. Wegen der relativ niedrigen Eigenkapitaldecke müsste er weitere Zukäufe mit Krediten finanzieren. "Damit", so ein Insider, "tun sich die Brüder bei aller Achtung für die Erfolge ihres jüngsten doch schwer."

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