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Stiftungsunternehmen Club der guten Kapitalisten

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Vorteil: geringere Abhängigkeit vom Kapitalmarkt

Stahlwerk ThyssenKrupp Brasilien Quelle: dpa

Bei genauem Hinsehen sind die Unterschiede aber nicht mehr so groß, hat Markus Herrmann in einer Dissertation über die Performance stiftungsgetragener Unternehmen an Frankes Konstanzer Lehrstuhl herausgefunden. Zwar hätten Stiftungsunternehmen „eine signifikant niedrigere Ausschüttungsquote als Börsenunternehmen“, auch die Managementfreiräume seien deutlich größer. Bei der Eigenkapitalquote konnte er allerdings kaum Unterschiede feststellen.

Keine klaren Regeln

Die größeren Managementfreiräume gelten nicht für alle Stiftungsunternehmen. Wo diese als Aktiengesellschaften organisiert sind und einen hohen Streubesitzanteil haben wie ThyssenKrupp, gibt es keine Unterschiede: „Das Aktienrecht ist Eigentümer-unabhängig“, sagt Franke. „Die Unternehmen sind publizitätspflichtig und müssen sich prüfen lassen“, ergänzt Falk. Über die Ausschüttungspolitik entscheidet die Hauptversammlung, Aufsichtsratsbesetzung und Mitbestimmung sind wie bei anderen AGs geregelt. ThyssenKrupp mit den milliardenschweren Fehlinvestitionen in ein neues Stahlwerk in Brasilien ist darum kaum geeignet, als Beweis für grundsätzliche Schwächen stiftungsgetragener Unternehmen herzuhalten – eher als Beleg dafür, was passieren kann, wenn Management und Aufsichtsrat nicht aufpassen.

Möglich, dass der Stahlkonzern darum eher knauserig ist, wenn es um das Budget für Forschung und Entwicklung geht. Gerade mal 1,1 Prozent vom Umsatz spendieren die Essener ihren Forschern. Andere Technik-Stiftungskonzerne geben mehr aus, auch wenn ihr Eigenkapitalpolster nicht so dick ist: Zeiss oder Diehl haben eine Eigenkapitalquote von unter 30 Prozent, aber eine F+E-Quote, die sogar die mit gut acht Prozent hohe Bosch-Marke reißt.

Gefestigt Verlustjahre überstehen

Der Generalverdacht, Stiftungsunternehmen seien aufgrund des geringeren Kapitalmarktdrucks insgesamt schwerfälliger, ließ sich durch Herrmanns Untersuchungen nicht erhärten: „Das überraschende Ergebnis war, dass sich Stiftungs- und Börsenunternehmen hinsichtlich der Kapitalrendite, also der Performance im eigentlichen Sinn, praktisch nicht unterscheiden.“ Von den für die WirtschaftsWoche-Serie ausgewählten Stiftungsunternehmen haben die meisten 2010 mit einer Durchschnittsrendite von knapp zehn Prozent sogar besser abgeschnitten als die Dax-Konzerne, für die Ernst & Young knapp sieben Prozent errechnet hat. Berater Schwenker wundert das nicht: „Auch Stiftungsunternehmen leben nicht unter einer Käseglocke: Sie stehen genauso im Wettbewerb wie Börsenunternehmen. Auch vom Kapitalmarkt können sie sich nicht abkoppeln, weil sie auf Fremdmittel angewiesen sind und langfristige Kredite und Anleihen aufnehmen müssen.“

Wer bei einem Stiftungsunternehmen arbeitet, hat aber durchaus Vorteile. Zwar wird dort im Schnitt nicht mehr verdient als in börsennotierten Unternehmen, hat Stiftungsexperte Herrmann festgestellt. Aufgrund der geringeren Abhängigkeit vom Kapitalmarkt und der häufig höheren Rücklagen können Stiftungsunternehmen aber auch mal ein Verlustjahr durchstehen, ohne gleich zu angelsächsischen Hire-and-Fire-Methoden greifen zu müssen.

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