Thyssenkrupp: Cevian drängt Heinrich Hiesinger: Umbau muss schneller gehen
Neues Opel-Logo
Neuer Eigentümer, neuer Chef und neues Logo: Bei Opel ändert sich derzeit einiges. Die Lage rund um den defizitären Autobauer ist zuletzt nicht gerade einfacher geworden, das Logo aber schon. Das neue Markenemblem ist monochrom und besteht nur noch aus dem Ring (der an einen Reifen erinnern soll) und dem Blitz (der die Energie symbolisieren soll). Der bisher genutzte Schriftzug im oberen Kreissegment ist ebenso verschwunden wie der Schattenverlauf über das gesamte Logo. Zudem ist das Logo nicht mehr dreidimensional dargestellt, sondern nur noch in 2D.
Zu dem Logo gehört auch ein neues Markenmotto: Der Claim „Die Zukunft gehört allen“ soll zum einen Opels Anspruch unterstreichen, Zukunftstechnologien zu demokratisieren und zu vertretbaren Kosten anzubieten. Darüber hinaus soll es den Wandel des Autoherstellers zum vernetzten Mobilitätsdienstleister unterstreichen.
Foto: OpelNeues Logo für Aldi Süd
Der Discounterriese aktualisierte sein Logo zuletzt 2006. Anpassungen gibt es vor allem beim hellblauen "A", das jetzt mehr herausragt. Die Farbgestaltung bleibt gleich. Das neue Logo wird bereits in China verwendet. Alle weiteren Länder führen das neue Logo ab Juni 2017 sukzessive ein.
Foto: WirtschaftsWocheNeues Versatel-Logo
Das Düsseldorfer Telekommunikationsunternehmen Versatel, erst seit zwei Jahren eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von United Internet, bekommt einen neuen Anstrich. Die Farbe Rot verschwindet aus dem Firmenlogo. Stattdessen übernimmt das Unternehmen das Blau der Schwester 1&1 und firmiert ab 1. Juli unter dem Namen 1&1 Versatel.
Foto: PRNeuer ThyssenKrupp-Schriftzug
Vorstandschef Heinrich Hiesinger will ThyssenKrupp ein neues Image geben. Dem in den vergangenen Jahren schwer gebeutelten Industriekonzern geht es wieder besser – jetzt wird an der Marke gearbeitet. Der Essener Dax-Konzern gibt sich schlankeres Outfit. Die Großbuchstaben in „ThyssenKrupp“ werden entfernt. Das Unternehmen schreibt sich in Zukunft selbst klein: „thyssenkrupp“. Auch das Logo wird verändert.
Foto: Deutsches Marken- und Patentamt
Foto: PresseNeues ThyssenKrupp-Logo
Ganz schön retro, das neue Logo: Der sogenannte Rheinstahl-Bogen soll mit den Krupp-Ringen „verschmelzen“. Eigentlich ist der neue Markenauftritt noch geheim und soll erst im November vorgestellt werden. Beim Deutschen Patent- und Markenamt ist er aber bereits zu finden.
Foto: Deutsches Marken- und Patentamt
Foto: PresseNeuer ThyssenKrupp-Claim
Auch der Werbespruch ist beim Patentamt zu finden. In Zukunft könnte es in Kombination mit dem Logo heißen: „engineering. tomorrow. together.“ Alles klein geschrieben, versteht sich.
Foto: Deutsches Marken- und Patentamt
Foto: PresseMerck
Das Darmstädter Pharma- und Chemieunternehmen Merck hat sich ein neues Gesicht verpasst: Das bunte "M" sei inspiriert von der "bunten und formenreichen Welt unter einem Mikroskop", teilte der Konzern mit. Außerdem sei es "prägnanter und weniger kleinteilig gestaltet" als sein Vorgänger. Das neue Merck-Logo soll es künftig in zehn verschiedenen Farben geben.
Foto: PresseAm 1. September präsentierte Suchmaschinenriese Google sein neues Logo der Öffentlichkeit. Der Unterschied zum Vorgänger: Es fehlen die Serifen.
Foto: APPayPal
Die Google-Tochtergesellschaft verpasste sich 2014 ein neues Logo - und einen neuen Slogan: "People Rule." Das Markenzeichen soll das Zusammenkommen von Menschen symbolisieren. Der Bezahldienst möchte sich damit als Unternehmen darstellen, das die Bedürfnisse und Interessen der Menschen erfüllt.
Foto: APDeutsche Telekom
Vier Punkte und ein großes T - das neue Logo der Deutschen Telekom. Im September 2013 präsentierte der Kommunikationskonzern das Markenzeichen. Neu: Die Farbe Magenta steht stärker im Mittelpunkt. Zudem hat das Markenzeichen nur noch vier statt zehn Punkte.
Foto: dpaBing
Microsoft verpasst seiner Suchmaschine ein neues Logo, das besser zur Marke passen soll: Statt blau ist der Schriftzug nun gelb, die Schrift eine andere. Das neue Logo soll "einfach, geradlinig und schön" sein, sagt Scott Erickson von Microsoft.
Foto: ScreenshotDer Internetkonzern Yahoo hat sich zum ersten Mal seit der Firmengründung vor 18 Jahren ein neues Logo gegeben. Das neue Design wurde im September 2013 in Sunnyvale in Kalifornien vorgestellt. Das neue Logo wirkt weniger unruhig als sein Vorgänger, die Buchstaben sind schlanker und gerader. Die Farbe Violett blieb erhalten, ist jedoch deutlich dunkler als beim alten Logo...
Beim alten Yahoo-Logo tanzten die Buchstaben wild aus der Reihe. Das überarbeitete Logo ist eine von vielen Änderungen, die Yahoo-Chefin Marissa Mayer bei ihrem Amtsantritt im Juli 2012 durchsetzte. Sie hatte auch schon die Startseite von Yahoo und den beliebten Foto-Dienst Flickr überarbeiten lassen. Zudem leitete sie einige Übernahmen ein, um die Zugriffszahlen auf die Webseiten des Unternehmens zu erhöhen.
Foto: REUTERSLucky Strike
„Das kreisrunde Logo der Luckies sieht nicht nur aus wie der Mittelpunkt einer Dartscheibe, er heißt auch so: Bullseye. Und weil es von Anfang an als Markenzeichen auch noch ein echter Volltreffer war, haben wir es bloß ein bisschen verbessert. Jetzt zeigt es nicht nur, wer es erfunden hat, sondern auch wo: R.A. Patterson, Lucky Erfinder, Tabakliebhaber und Inhaber der R.A. Patterson Tobacco Company im sonnigen Richmond, Virginia. Wann er das tat und wie er aussah, findet man woanders auf der Packung," schreibt Lucky Strike auf seiner Internetseite. Eine offizielle Erklärung zum neuen Logo steht allerdings noch aus.
Foto: PREbay
Die Zeit der hüpfenden Buchstaben im Ebay-Logo ist vorbei: Um zu zeigen, dass der 20 Jahre alte Online-Marktplatz erwachsen geworden ist, gibt sich das US-Unternehmen ab Herbst ein geradliniges Erscheinungsbild. Beim neuen Logo stehen die Buchstaben in einer Reihe eng beieinander. Was bleibt, ist die markante Farbkombination rot, blau, gelb und grün.
Devin Wenig, Chef des Ebay-Marktplatzes, stellte das Logo am Donnerstag vor. „Heute sind die meisten bei Ebay verkauften Artikel Neuware und werden zu festen „Sofort-Kaufen“-Preisen angeboten“, erläuterte er. Groß geworden war Ebay dagegen mit privaten Auktionen von Gebrauchtem. In Deutschland starteten die Amerikaner 1999 mit der Übernahme von Alando.de, das sie später in Ebay umbenannten. Ebay hat heute weltweit über 157 Millionen aktive Käufer und 25 Millionen Verkäufer.
Foto: WirtschaftsWocheMicrosoft
Alles neu bei Microsoft: Der größte Softwarekonzern der Welt startet eine Produktoffensive und der neuen Ära soll auch mit einem frischen Logo Rechnung getragen werden. Von Windows 8 über Office, Windows Phone 8 bis Xbox werden die Neuerscheinungen das neue Logo tragen, das die traditionellen Farben Rot, Grün, Blau und Gelb in Kachelform präsentiert und den Namen des Unternehmens in einer leichten, geraden Schrift statt wie bisher in kursiver Fettschrift darstellt. Das Markenzeichen soll eine neue Unternehmensphilosophie in der Computer- und Internetwelt signalisieren. Der letzte Wechsel des Logos fand 1987 statt.
Foto: dpaBilfinger Berger
Auf der Hauptversammlung des Bauriesen präsentierte Bilfinger-Berger-Vorstand Roland Koch das neue Logo des Unternehmens. Das war im September 2012. Mit neuer Schleife und Reduzierung des Namens auf "Bilfinger" sollte die Verzahnung der einzelnen Gesellschaften auch namentlich deutlich gemacht werden.
Der Baukonzern ist nicht das einzige Unternehmen, das damals seinen Markenauftritt veränderte...
Bertelsmann
Im Juli 2011 veränderte Europas größter Medienkonzern Bertelsmann sein Firmenlogo. Der zuvor mit Serifen ausgestattete Firmenschriftzug wurde durch einen schnörkenlosen, modernen Schriftzug ersetzt. Laut Bertelsmann soll das neue Design "die erfolgreiche Weiterentwicklung von Strategie und Geschäft abbilden". Nachdem sich der Medienkonzern zum größten Teil von seinen Buchclubs getrennt hat, will es mit dem neuen Logo das digitale Zukunftsgeschäft stärker vorantreiben.
Foto: dpaSAP
Der Walldorfer Softwarekonzern verpasste sich im Januar 2011 ein neues Unternehmenszeichen. Mit diesem neu gestalteten Logo (unten) will SAP alte und negative Eindrücke verschwinden lassen und sich als kundenfreundliches Unternehmen positionieren.
2014 plante der Konzern erneut eine Änderung des Markenzeichens. Diesmal sollte das Logo orange eingefärbt werden. Doch die Belegschaft protestierte mit Erfolg, wie die Wirtschaftswoche berichtete.
Foto: WirtschaftsWocheStarbucks
Seit 1992 blieb das Logo des Kaffeehauskonzerns unverändert. 2011 verschwindet der Schriftzug "Starbucks Coffee" - passend zur geplanten Expansion.
Foto: AP, rtrAirberlin
Anfang 2008 startete die deutsche Fluglinie eine neue Werbekampagne - inklusive eines neuen Logos.
Foto: dapdCommerzbank
Fast 40 Jahre lang kennzeichnete die Bank das Logo namens "Quatre vents" (vier Windrichtungen), das einer Windrose nachempfunden war. Das neue Symbol (oben) ist Ausdruck der Integration mit der Dresdner Bank: Die Farbe Gelb stammt von der Commerzbank, das dreidimensionalen Band von der Dresdner Bank.
Foto: rtrApple iTunes
Im September 2010 präsentierte Apple-Chef Steve Jobs das komplett überarbeitete Logo des Programms iTunes. "Wir dachten, es wäre an der Zeit, auf die CD auch im Logo zu verzichten", sagte Jobs.
Foto: WirtschaftsWocheKodak
Über 50 Jahre lang nutzte der US-amerikanische Elektronikkonzern dasselbe Logo. Im Jahr 2006 ersetzte er es durch einen neuen Schriftzug.
Foto: dapdMetro
Acht Jahre lang setzte das Einzelhandelsunternehmen auf den roten Schriftzug. Auf der Bilanzpressekonferenz im März 2010 enthüllte Metro-Chef Eckhard Cordes das neue Design, das sich am Logo der Cash-&-Carry-Märkte orientiert.
Foto: APMyspace
Im Oktober 2010 präsentierte der Internetkonzern das neue Logo. Glück hat es ihm bislang nicht gebracht. Der ehemalige Social-Media-Primus wurde mittlerweile meilenweit von Facebook überholt.
Foto: dpaPWC
Im September 2010 lüftete der Wirtschaftsprüfer sein neues Logo (unten) - seitdem firmiert das Unternehmen offiziell auch nur noch unter dem Kürzel PwC.
Foto: WirtschaftsWocheWürth
Auch nicht-börsennotierte Unternehmen haben Bewusstsein für Markenbildung. Die Würth-Gruppe aus dem baden-württembergischen Künzelsau veränderte ihr Logo zum 65. Firmenjubiläum im Jahr 2010.
Foto: dpaBeispiel 4: Kinderschokolade
30 Jahre lang strahlte den Kindern der Bundesrepublik immer das gleiche Gesicht von der Schokoladenpackung entgegen. Doch 2005 sollte dann plötzlich Schluss sein, für manche war es wie der Verlust eines Freundes. Der „Neue“ war blond, hatte Gel in den Haaren und trug ein orangefarbenes Poloshirt. Das wollten sich die Fans nicht gefallen lassen und riefen zu einer Protest-Aktion auf - 20.000 Unterstützer hatte die Initiative gegen den blonden Jungen am Schluss. Doch es half nichts. Der Konzern wollte die Verpackung modernisieren, es musste ein neues Gesicht her. Geschadet hat es Ferrero nicht, ganz im Gegenteil: Durch das große Interesse bekam die Firma eine Menge kostenloser PR.
Foto: DPA/Picture-AllianceGAP: Altes (und neues) Logo
Gap stellte 2010 ein neues Label vor, nach sieben Tagen war es jedoch wieder Geschichte. Das Modeunternehmen hatte die Rechnung ohne den Konsumenten gemacht. Nachdem das neue Logo der Öffentlichkeit präsentiert wurde, begann im Netz ein Sturm der Entrüstung. Wenige Minuten nach der Präsentation gab es die erste „I hate the new Gap logo“-Gruppe auf Facebook, gefolgt von einer Serie von Hass-Tweets auf Twitter. Die Reaktion der amerikanischen Firma? Sie machten einen Rückzug, verkündeten auf ihrer Facebook-Seite: „Okay, wir haben laut und deutlich gehört, dass ihr das Logo nicht mögt."
Foto: AP/dpaKraft Foods
Aus eins mach zwei: Im Oktober 2012 wurde Kraft Foods aufgespalten. In Amerika bleibt der Name bestehen, in Deutschland und dem Rest der Welt heißt das Unternehmen jetzt Mondelenz. Das lila-rote Logo wird in Zukunft die Verpackungen von Miracoli über Milka bis zu Philadelphia schmücken. Doch den Kunden scheint es nicht zu gefallen: Zuletzt sank der Umsatz um 2%, der Gewinn fiel im Vergleich zum Vorjahr um 36 Prozent auf unterm Strich 534 Millionen Dollar.
Foto: Montage WirtschaftsWoche Online Mondelez: Kraft Foods/AP/dapd Kraft: Kraft Foods via PR Newswire/AP/dapdTwix/Raider
Es ist praktisch die Mutter der Namensänderung: "Raider heißt jetzt Twix – sonst ändert sich nix!", lautete der Werbeslogan, der im Jahr 1991 für Aufregung sorgte. Der beliebte Schokoriegel wurde im Zuge einer weltweiten Vereinheitlichung der Marke umbenannt. 2009 konnten die Fans dann wieder aufatmen: Anlässlich des 30. Firmenjubiläums brachte der Hersteller eine Raider-Sonderedition heraus. Zu kaufen gab es das Stück Nostalgie aber nur an einigen Süßigkeiten-Automaten in Deutschland.
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Foto: WirtschaftsWocheWenn Heinrich Hiesinger am Freitag auf der Hauptversammlung von Thyssenkrupp zu seinen Aktionären spricht, wird der Vorstandschef die Entwicklung des Ruhrkonzerns preisen. Einen Vorgeschmack darauf gab er im November bei der Bilanzpresskonferenz. „Wir haben geliefert, was wir versprochen haben“, erklärte Hiesinger da, „wir haben Thyssenkrupp stabilisiert und die Integration des Konzerns weiter vorangetrieben.“
Unbestritten haben die Essener unter ihrem von Siemens abgeworbenen Topmanager Hiesinger große Fortschritte gemacht, sich nach milliardenschweren Fehlinvestitionen in den USA und Brasilien aus einer existenzbedrohenden Lage herausgearbeitet. Einen aber wird Hiesinger mit seiner Bewertung der Situation dennoch kaum überzeugen können: Seinen schwedischen Großaktionär Cevian.
Trotz diverser Fortschritte bei Thyssenkrupp ist der Finanzinvestor offensichtlich mit der Entwicklung unzufrieden. „Das ist nicht genug“, habe ein Cevian-Manager in vertrauter Runde gepoltert, berichtet ein Frankfurter Investmentbanker. Mehr noch: Cevian denke nun wieder verstärkt über Abspaltungen von Sparten beim Ruhrkonzern nach, soll der Cevian-Manager im vertrauten Kreis ebenfalls kundgetan haben.
Überraschende neue Verkaufsüberlegungen
Dabei haben die Schweden aber in erster Linie nicht, wie bislang oft vermutet, die margenschwache Stahlsparte im Visier. Vielmehr könnten sie sich dafür begeistern, Filetstücke zu versilbern: Die Aufzugssparte oder den Automobilzulieferbereich etwa. Ein Cevian-Sprecher wollte die Informationen auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Man äußere sich grundsätzlich nicht zu den Beteiligungen. Auf der Hand liegt allerdings, dass Cevian an seinen Thyssenkrupp-Aktien bislang recht wenig Freude hatte.
Der Investor hat seine Beteiligung am Ruhrkonzern ab 2013 aufgebaut und ist aktuell mit 15,08 Prozent der Aktien zweitgrößter Aktionär nach der Krupp-Stiftung (23,03 Prozent). Der Aktienkurs, der 2015 einen zwischenzeitlichen Höchststand von fast 26 Euro erreichte, liegt mittlerweile nur noch bei gut 15 Euro – und dümpelt damit nahe der Zahlen in schlimmsten Krisenzeiten: 2012, als die Existenz von Thyssenkrupp auf dem Spiel stand, war der Kurs bis auf 12 Euro gefallen.
Zahlen sind für Cevian-Geschmack zu schwach
Im Geschäftsjahr 2014/15, das am 30. September 2015 endete, verbesserten Hiesinger und seine Mannschaft sich zwar bei einer Reihe von Kennzahlen, Cevian gehen die Fortschritte aber anscheinend nicht schnell genug. Das Nettoergebnis zum Beispiel stieg, aber lediglich von 212 auf 309 Millionen Euro. Das entspricht bei einem Umsatz von 42,8 Milliarden Euro einer immer noch mageren Netto-Umsatzrendite von 0,7 Prozent. Auf den freien Mittelzufluss (Cash-Flow) schauen die Schweden seit jeher besonders. Hier verließ Thyssenkrupp den roten Bereich, schaffte aber mit 65 Millionen Euro Cash-Flow ohne Einbeziehung von Unternehmensverkäufen gerade die schwarze Null.
Künftig soll das reine Stahlgeschäft wie etwa die Produktion von veredelten Blechen für die Automobilindustrie nur noch 30 Prozent des Konzern-Geschäfts ausmachen. Dennoch bleiben Blechrollen wie diese ein Kernprodukt.
Foto: PRRolltreppen und Fahrsteige – etwa in Flughafen-Terminals – gehören ebenfalls zum ThyssenKrupp-Produktspektrum. Dieses Foto ist in einem Essener Einkaufszentrum aufgenommen worden.
Foto: PRAllen Negativ-Schlagzeilen zum Konzern trotzt das Aufzuggeschäft von ThyssenKrupp. Vor allem starke Absatzzuwächse in Asien erfreuen das Unternehmen. Das Bild zeigt ein System mit zwei Kabinen in einem Aufzugschacht beim Einbau in der Essener Konzernzentrale Anfang 2010.
Foto: PRFür die Automobilindustrie bietet ThyssenKrupp auch den Aufbau von Anlagen, die etwa automatisch Fahrwerke oder andere Komponenten einbauen.
Foto: PRThyssenKrupp setzt vermehrt auf Planung und Bau ganzer Chemie- und Industrieanlagen. Im Bild ein Zementklinkerwerk im Senegal.
Foto: PRDieses Schaufelradladgeärt steht im Hafen von Rotterdam und wird zur Verladung von Eisenerz eingesetzt. Geliefert wurde es von der ThyssenKrupp-Sparte „Plant Technology“.
Foto: PRGroßwälzlager von ThyssenKrupp kommen etwa in Kränen zum Einsatz, die schwere Lasten bewegen.
Foto: PRDas umstrittene US-Werk, das ThyssenKrupp inzwischen verkauft hat, stellt aus sogenanntem Warmband feines Blech, etwa für die Autoindustrie her.
Foto: PRDer Handelsschiffbau – hier in Kiel bei HDW – gehört nicht mehr zum Thyssen-Krupp-Konzern. Im Jahr 2009 war der Abschied von der Sparte verkündet worden – jetzt baut ThyssenKrupp nur noch Marine-Schiffe.
Foto: PRDie U-Boot-Werft der schwedischen Tochter Kockums hat der Essener Mischkonzern inzwischen an den Rüstungskonzern Saab verkauft. Weiter betriebt der Konzern die Tochter ThyssenKrupp Marine Systems GmbH (TKMS), die Marineschiffe baut.
Foto: PREin Blick in die Historie: Das Bild zeigt den Bau eines Magnetschwebezugs Typ „Transrapid“ im Jahr 2002 im Kasseler Werk des Konzerns. Das einstige Vorzeigeprojekt ist nur einmal kommerziell zum Einsatz gekommen – bei der Verbindung des Flughafens von Shanghai mit der Stadt.
Foto: PRDie „Dicke Bertha“ wurde von Krupp entwickelt – hier ein Modell. Die Kanone kam im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz.
Foto: PRDie Darstellung aus dem Firmenarchiv zeigte eine hydraulische 5000-Tonnen-Schmiedepresse in der Krupp-Fabrik in Essen.
Foto: PRWenn der sprichwörtliche „Dampfhammer“ kreist, geht es heiß her. Dieser tatsächliche Dampfhammer „Fritz“ galt in den 1860er-Jahren als technologischer Durchbruch. Die von Alfred Krupp entwickelte Maschine wurde zum Schmieden großer Gussstahlteile benutzt und blieb 50 Jahre im Dienst.
Foto: PRDie Bewertung dieser Zahl könnte unterschiedlicher kaum ausfallen. Erstmals seit dem Geschäftsjahr 2005/2006 schaffte Thyssenkrupp wieder einen positiven Cash-Flow, im Vorjahr lag er noch 357 Millionen Euro im Minus. „Das markiert für uns einen weiteren Meilenstein im Rahmen unseres Veränderungsprozesses“, sagte Hiesinger bei der Bilanzpressekonferenz. Für Cevian ist es dagegen bitter, dass nach wie vor so wenig Bares in die Kasse kommt.
Wenn schon die Aktie keine nennenswerten Kursgewinne einbringt, können wenigstens satte Dividenden den Investoren Geld ins Portfolio spülen. Doch auch die Dividenden fallen bei Thyssenkrupp – nicht zuletzt wegen des bescheidenen Cash-Flows – weiterhin bescheiden aus. Immerhin besser als in den drei Geschäftsjahren von 2010/11 bis 2012/13, als die Dividenden ganz ausfielen, aber nicht genug, um den Ansprüchen von Cevian gerecht zu werden. Nach elf Cent je Aktie 2013/14 soll die Dividende 2014/15 auf 15 Cent steigen. Große Sprünge sehen anders aus.
Wenigstens bei der Bewertung der Dividende ist Hiesinger einer Meinung mit seinem Großinvestor. „Die Dividende kann uns mittelfristig nicht zufrieden stellen“, sagte Hiesinger bei der Vorstellung des Jahresergebnisses. „Es ist aber ein Schritt in die richtige Richtung, der auch unsere bilanziellen Erfordernisse berücksichtigt.“
Ansonsten gehen die Vorstellungen gravierend auseinander – und der Vorstandschef auf Distanz zu Cevian. Hiesinger setzt darauf, dass Thyssenkrupp sich kontinuierlich weiterentwickelt und will die höchst unterschiedlichen Sparten – Stahlerzeugung, Aufzüge, Automobilzulieferung, Industriedienstleistungen und Materialhandel – zusammenhalten. Cevian geht die Politik der kleinen, aber stetigen Schritte nicht schnell genug, weshalb die Schweden nun verstärkt über Abspaltungen nachdenken.
Die ertragsschwache Stahlsparte steht dabei aber – anders als bislang oft vermutet – nicht im Zentrum der Überlegungen. Cevian, so heißt es in Finanzkreisen, habe erkannt, dass für diese derzeit ohnehin kein attraktiver Preis zu erzielen sein wird. In Zeiten globaler Überkapazitäten und drohender Mehrbelastungen wegen schärferer CO2-Abgaben dürfte sich die Lage auch so schnell nicht signifikant verbessern.
Hiesinger erwartet Konsolidierung in Stahlbranche
Hiesinger hatte zum Jahreswechsel in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ gesagt, dass er angesichts der angespannten Lage in der Stahlindustrie ohnehin nicht mit Übernahmen rechne. Der Vorstandschef deutete allerdings an, dass er sich vorstellen könne, die Stahlsparte in ein gemeinsames Konsortium mit anderen Stahlherstellern einzubringen. „Wir gehen davon aus, dass es irgendwann zu einer Konsolidierung in der europäischen Stahlindustrie kommen wird“, sagte Hiesinger im Interview. „Wenn sich die Chance zur Konsolidierung bietet, werden wir uns daran beteiligen.“ Wann das sein wird, ließ er offen.
„Klassische Übernahmen“ – und damit auch lukrative Angebote – erwartet der Vorstandschef jedenfalls nicht. „Es wird vermutlich eher Zusammenschlüsse geben, bei denen sich die Anteilsverteilung dann aus den Wertverhältnissen ergibt. Wann das sein wird, ist unklar. Deshalb konzentrieren wir uns weiter auf uns selbst und steigern unsere Leistungsfähigkeit.“
Autozulieferbereich und Aufzugsparte im Visier
Dass diese Aussicht Cevian zufriedenstellen kann, darf getrost bezweifelt werden. Wenn Thyssenkrupp die Stahlsparte in ein Joint Venture einbringen würde, wäre kein großes Geld zu erlösen. Deshalb denken die Portfoliomanager der Schweden offenkundig über den Verkauf ganz anderer Sparten nach – wie den Automobilzulieferbereich oder die Aufzugsparte. Das wären echte Filetstücke, mit denen sich gut Kasse machen ließe. Ein weiterer Vorteil: Beide verarbeiten zwar Stahl, von dem sie einen Gutteil derzeit von ihrer Konzernschwester beziehen können, sie könnten aber dennoch relativ leicht aus dem Unternehmensverbund herausgelöst werden.
Ein Angebotsengpass herrscht auf dem Stahlmarkt beileibe nicht. Eine Abspaltung dieser Sparten würde das Gesicht von Thyssenkrupp jedoch tiefgreifend verändern: Die Aufzugsparte ist die Ertragsperle des Ruhrkonzerns. 2014/15 hat sie mit ihren Aufzügen und Rolltreppen sowie zugehörigen Servicedienstleistungen 794 Millionen Euro und damit fast die Hälfte des bereinigten operativen Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) des Konzerns in Höhe von 1,676 Milliarden Euro erwirtschaftet.
Aus den guten Zahlen einzelner Sparten könnte sich ein satter Aufschlag ergeben, den die Teile des Konzerns mehr wert sind, als der ganze: Analysten verschiedener Banken schätzen allein den Wert der Aufzugsparte zwischen 10 und 12,5 Milliarden Euro. Das ist mehr, als der gesamte Konzern aktuell an der Börse kostet.
Die Marktkapitalisierung ist durch den Sinkflug der Aktie auf nur noch 8,5 Milliarden Euro gesunken. Der „Holding-Discount“, wie Investmentbanker sagen, könnte also beträchtlich sein. Das spornt Cevian wohl bei den Abspaltungsüberlegungen an.
Vorstandschef Hiesinger hingegen beteuert stets, weiter auf eine „Verbundstrategie“ in einem „diversifizierten Industriekonzern“ zu setzen. Eine Abspaltung der wertvollsten Teile könnte zwar kurzfristig Geld in die Kasse spülen. Dann würde sich allerdings die Frage stellen, wie der Rest-Konzern künftig eine gute Entwicklung nehmen soll, wenn die besten Stücke weg sind.
Einzelteil-Betrachtung „eine Milchmädchenrechnung"
Kein Wunder also, dass Hiesinger sich klar gegen solche Verkaufsambitionen stellt. Von den Rechenspielchen der Analysten, das stellte er im Interview mit der „Welt am Sonntag“ klar, hält er nicht viel. „Das ist eine Milchmädchenrechnung. Schließlich stehen die Schulden und die Pensionsverpflichtungen in der Bilanz auf Konzernebene. Würden die nun auf die einzelnen Business Areas umverteilt, hätten wir ein völlig anderes Bild. Das wird bei den Ableitungen über den Wert der Konzernteile gern mal vergessen.“
Am Freitag bei der Hauptversammlung wird Hiesinger für seine Sicht werben müssen. Schon bei der letzten Hauptversammlung hatten Aktionäre ihn gefragt, wie hoch der vom Vorstand beschworene Verbundvorteil genau sei – was Hiesinger und seine Kollegen nicht konkret beziffern konnten.
Spannend ist die Frage, wie direkt Cevian am Freitag gegen Hiesingers Positionen angehen wird. Angriffe auf seinen Job muss der Vorstandschef allerdings nicht fürchten. „Hiesinger“, das soll selbst der Cevian-Manager bei dem Gerspräch in Frankfurt gesagt haben, „ist der richtige Mann.“