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Uber-Video Versagte die Technik oder der Mensch? Reaktionen auf den Uber-Unfall

Das Video zum tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Uber-Auto wird im Netz diskutiert. Auszüge aus der Debatte.

Uber-Video: Reaktionen auf den tödlichen Uber-Unfall Quelle: AP

Düsseldorf„Verstörend und herzzerreißend.“ Das Video zum tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Uber-Auto hat kontroverse Diskussionen in den sozialen Netzwerken ausgelöst. Über den eigenen Twitter-Account zeigte sich das Unternehmen Uber selbst schockiert.

Die Polizei ging in einer ersten Einschätzung davon aus, dass Ubers selbstfahrendes Auto keine Schuld an dem Unfall trägt. Das Video, das nun an die Öffentlichkeit geriet, hat die Diskussion aber wieder neu entfacht.

Über die sozialen Netzwerke äußerten sich Experten und auch Laien dazu, was zu sehen ist.

Bryant Walker Smith ist Dozent an der Universität in South Carolina. Er hat drei Beobachtungen zum Uber-Video auf Twitter geteilt:

  1. „Das Opfer bewegte sich auf einer dunklen, aber leeren Straße, also hätten Lidar und Radar es erfassen müssen.“

  2. „Die Sicherheitsperson schaut jeweils für fast fünf Sekunden nach unten.“

  3. „Ich kann das Opfer ungefähr zwei Sekunden vor dem Unfall sehen, das ist die durchschnittliche Reaktionszeit für Fahrer.“

Wie viele Nutzer ist Smith froh darüber, dass das Video aufgetaucht ist: „Oft bekommen Fußgänger die Schuld, wenn Unfälle passieren – das liegt aber daran, dass sie nicht mehr am Leben sind, um sich zu verteidigen. Und meist haben wir auch kein Beweisvideo.“

Ist der Unfall also doch passiert, weil das selbstfahrende Auto versagt hat? Jit Ray Chowdhury ist Mitgründer von Auro Robotics, einem Unternehmen, das selbstfahrende Fahrzeuge etwa für Universitäten entwirft. Er sieht das so: „Sogar als die Fußgängerin zu sehen war, hat das Auto die Geschwindigkeit nicht reduziert.“

Seiner Meinung nach hätte das Lidar, das ähnlich wie ein Radar funktioniert, die Frau erkennen müssen.

Wenn dies bei einer so sicheren Entfernung nicht funktioniere, seien Tests mit selbstfahrenden Autos bei einer hohen Geschwindigkeit „unverantwortlich“, so Chowdhury.

Unter dem Facebook-Post des Handelsblatts zum Thema diskutieren die Nutzer ebenfalls: Einige merken an, wie viele Unfälle mit Menschen am Steuer verursacht würden. „Trotz dieses Fehlers werden autonome Autos in der Zukunft sicherer sein“, kommentiert ein Nutzer.

Andere fragen sich, wie aufschlussreich ein Video überhaupt Auskunft über den Verlauf eines Unfalls geben kann. „Nicht von den Kontrastverhältnissen des Videos täuschen lassen“, heißt es. „Menschliche Augen sehen anders. Dazu kommt, dass das Fahrzeug nicht nur durch die Kamera sieht.“

„Nicht mal durch eine Vollbremsung wäre der Unfall vermeidbar gewesen“, schreibt einer der Facebook-Nutzer auf der Handelsblatt-Seite. Viele fragen sich, warum die Person, die zur Sicherheit in dem selbstfahrenden Auto saß, nicht reagiert hat.

Alexander Labinsky, der als Berater im Bereiche Mobilität und Verkehr im Wirtschaftsforschungs- und Beraterunternehmen Prognos arbeitet, findet diese Frage gefährlich. Seiner Ansicht nach macht es keinen Sinn, Menschen „als Back-up“ in selbstfahrende Autos zu setzen. „Ein Mensch muss jetzt mit Schuldgefühlen leben für etwas, was er persönlich nicht verhindern konnte.“

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