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ÜbersetzungstoolsKünstliche Intelligenz kurbelt den Handel an

Wie stark hemmen Sprachbarrieren den internationalen Handel – und was passiert, wenn sie wegfallen? Eine Studie zeigt: Selbstlernende Übersetzungstools befeuern den Handel zwischen Ländern mit unterschiedlichen Sprachen.Fabian Ritters 25.09.2018 - 07:00 Uhr
Foto: imago images

Was kurbelt den Welthandel an und was bremst den Warenaustausch zwischen den Nationen? In Zeiten eines wiedererwachten globalen Protektionismus und angesichts immer neuer Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump steht das Thema wieder weit oben auf der Forschungsagenda internationaler Ökonomen. Eine aktuelle Studie beleuchtet nun einen ganz besonderen Handelsfaktor genauer: die Barrieren durch unterschiedliche Sprachen.

Empirische Untersuchungen zeigen, dass eine gleiche Landesprache mit einem erhöhten Handelsvolumen zweier Handelspartner einhergeht. Inwieweit dieser erhöhte Warenaustausch aber tatsächlich kausal auf den Faktor Sprache zurückzuführen ist, ließ sich bislang nicht eindeutig nachweisen. Forscher konnten den Spracheffekt nicht ausreichend isolieren.

Die Ökonomen Erik Brynjolfsson, Xiang Hui und Meng Liu haben sich diesem Thema nun mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz (KI) in einem Papier für das renommierte National Bureau of Economic Research (NBER) angenähert. Die Forscher nutzten die Einführung von maschinellem Übersetzen auf der Internetplattform eBay im Sommer 2014 als eine Art natürliches Experiment.

Was genau bedeutet eigentlich Künstliche Intelligenz? Wo ist sie zu finden? Und welche Unterschiede gibt es? Wir erklären es Ihnen im Video.

Maschinelles Übersetzen basiert auf einem automatischen Abgleich eines Programms von Erfolgen und Misserfolgen beim Übersetzen. Dadurch „lernt“ das Programm das Übersetzen und optimiert sich selbst. Die Forscher untersuchten die über eBay abgewickelten US-Auslandsverkäufe zwischen Mai 2013 und Juli 2015 ins spanischsprachige Lateinamerika, also zwölf Monate vor und nach der Einführung des maschinellen Übersetzens. Zuvor wurden die Produkttitel auf eBay mit dem Übersetzungstool der Onlinesuchmaschine Bing übersetzt. Das Programm erkennt, aus welchem Land ein möglicher Käufer stammt, und übersetzt die Produkttitel und Beschreibungen selbstständig. Als Kontrollgruppe dienten den Ökonomen die Entwicklung der US-eBay-Exporte nach Kanada und der offline abgeschlossenen US-Exporte ins spanischsprachige Lateinamerika im selben Zeitraum.

Anhand der sogenannten Differenz-von-Differenz-Methode, die einen kausalen Effekt mittels Versuchs- und Kontrollgruppe ermittelt, konnten sie zeigen, dass die Einführung von maschinellem Übersetzen zu einem signifikanten Anstieg der US-Exporte über eBay nach Südamerika geführt hat – und zwar zwischen 17,5 und 20,9 Prozent. Der positive Einfluss des maschinellen Übersetzens fiel besonders stark aus, wenn es um Waren mit vielen Wörtern im Produkttitel oder um billige Produkte ging und wenn unerfahrene Käufer am Markt auftraten.

Die Forscher erklären diesen Effekt mit geringeren Informationskosten für Konsumenten, die durch die verbesserte Übersetzung entstehen. „Produkte oder Käufer mit höheren Informationskosten erfahren einen größeren Nutzen durch eMT [eBay Mashine Translation, Anm. d. Red.] und daher einen größeren Anstieg beim Handel“, resümieren die Forscher.
Mittels einer Überprüfung der übersetzten Passagen durch drei professionelle Linguisten konnten die Ökonomen zudem zeigen, dass die Einführung von maschinellem Übersetzen zu einer verbesserten Übersetzungsqualität geführt hat. So lag die sogenannte Akzeptanzrate durch die professionellen Übersetzer um sieben Prozentpunkte höher als mit dem vorangegangenen Übersetzen durch Bing.

Eine kleine Veränderung in der Übersetzungsqualität habe daher schon einen relativ großen Effekt auf die Handelstätigkeit. Die Ökonomen berechneten, dass die Verbesserung um sieben Prozentpunkte äquivalent zu einer um 37,3 Prozent geringeren Entfernung zwischen den Handelspartnern sei. Ihr Fazit: „Maschinelles Übersetzen hat die Welt signifikant kleiner gemacht.“

Zalando

Europas größter Modehändler setzt Künstliche Intelligenz beim Erkennen von Kleidungsstücken auf hochgeladenen Fotos ein und vergleicht die Abbildungen mit dem eigenen Angebot, um Kunden im besten Fall die entsprechende oder eine ähnliche Ware anzubieten und zu verkaufen.

Foto: dpa

Facebook

Das weltgrößte soziale Netzwerk setzt vielerorts auf Künstliche Intelligenz. Zu den Anwendungen gehören zum einen der zentrale News Feed, wo Algorithmen darüber bestimmen, welche Posts, Fotos, Videos und Anzeigen von Freunden, Medien und Werbenden in welcher Reihenfolge angezeigt werden. Auch bei der Überprüfung der Inhalte, dem Schutz vor Spam-Nachrichten und beim Auffinden von Hassrede kommt KI zum Einsatz.

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Amazon

Der weltgrößte Onlinehändler greift unter anderem auf KI zurück, wenn es um Vorhersagen geht. „Maschinelles Lernen ermöglicht zum Beispiel präzise Nachfrageprognosen: Wie viele rote oder blaue Hemden werden im nächsten Frühling benötigt? So können wir Lagerkosten reduzieren und diese Kostenersparnis an unsere Kunden weitergeben. Zudem können wir das Kundenverhalten in bestimmten Regionen präziser vorhersagen, sodass wir schon vorab unsere Logistikprozesse vor Ort darauf einstellen können“, sagt der Leiter der KI-Forschung, Ralf Herbrich.

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Sprachassistenten

Sie heißen Siri (Apple), Cortana (Microsoft), Alexa (Amazon) oder Assistant (Google). Sie sprechen mit ihren Nutzern, schreiben gesprochene Nachrichten an Freunde, spielen Musik, geben Wetterprognosen oder erzählen auch mal Witze. Bei Google soll der Assistant ab Sommer auch Termine telefonisch vereinbaren.

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Fintechs

Vielerorts kommt KI bereits bei Fintechs zum Einsatz. Beim Online-Rechnungseintreiber CollectAI wird mit Hilfe der Technologie gesteuert, wann und ob über SMS, E-Mail oder Messenger Kunden angesprochen werden. Gleiches gilt für die Inhalte, eine junge Kundin wird so im deutschen eher per Du angesprochen als Jemand, der bereits über 50 ist. Der Chef des Kreditvermittlers Spotcap, Jens Woloszczak, sagt: "Unser speziell entwickelter Algorithmus integriert verschiedene Text-Mining-Techniken und ermöglicht so eine rasche und zuverlässige Bonitätsbeurteilung, die auf den aktuellen Daten des Unternehmens basiert."

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Landwirtschaft

KI ist Teil der Digitalisierungsbemühungen in der Landwirtschaft. Einige große Landwirte nutzen bereits Bilderkennungsprogramme, um Pflanzen auf Schädlinge zu untersuchen und diese gegebenenfalls gesondert zu behandeln. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) testet gerade die nPotato, die im Aussehen einer echten Kartoffel ähnelt, ständig Daten sendet und eine Echtzeitanalyse während des Ernteprozesses ermöglicht. Dies soll es möglich machen, letztlich Erntemaschinen an sich verändernde Bedingungen anzupassen.

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Autonomes Fahren

Künstliche Intelligenz wird beim autonomen Fahren eine zentrale Rolle spielen und das Gehirn des Autos sein. Sie wird dafür sorgen, dass das Fahrzeug sein Umfeld erkennt und entsprechend handelt. Vor besondere Herausforderungen stellt die Entwickler dabei das vorausschauende Fahren.

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Roboter-Journalismus

Der Medienkonzern Axel Springer sieht künstliche Intelligenz als große Chance, nutzerfreundlicher und „smarter“ für Kunden aufzutreten. Ein Beispiel sei sogenannter Roboter-Journalismus beim Herausgeber von „Bild“ und „Welt“, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner jüngst auf einer Digital-Konferenz. „Wir können jetzt Sachen machen, die wir in analogen Zeiten niemals machen und uns auch nicht leisten konnten.“ Dies gelte etwa für die Sportberichterstattung. So habe Springer beim Fußball nun dank technischer Hilfe eine viel breitere Berichterstattung zur zweiten und dritten Liga.

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Anwälte

Die Beratungsfirma McKinsey schätzt, dass 22 Prozent der Tätigkeiten von Anwälten und 35 Prozent der Aufgaben von Rechtshelfern automatisiert werden könnten. Bislang kommt KI vor allem bei der Dokumenten-Recherche und Vertragsüberprüfung zur Anwendung.

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Medizin

Lernfähige Diagnosesysteme spielen bereits eine große Rolle. Sie helfen bei der Analyse von Krankheiten. Die Fachzeitschrift „Annals of Oncology“ veröffentlichte kürzlich eine Studie, wonach ein Computer zuverlässiger Hautkrebs diagnostiziert hat als Dermatologen. Zuvor hatte ein Forschergruppe ihm mit Hilfe von 100.000 Bildern beigebracht, gefährliche Melanome von gutartigen Muttermalen zu unterscheiden.

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