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Letzte Hoffnung Porno?Das verraten erotische Chats über die Verzweiflung der KI-Szene

Milliarden fließen in KI-Rechenzentren und Modelle – doch die Monetarisierung stockt. Nun testet OpenAI, ob Erotik das Geschäftsmodell retten kann. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Thomas Kuhn 15.10.2025 - 16:11 Uhr
OpenAI setzt jetzt auf Erotik. Foto: Illustration: Marcel Reyle

Es ist ein Wettlauf mit der Zukunft – und mit der eigenen Bilanz. Weltweit investieren Tech-Konzerne in rasantem Tempo in KI-Rechenzentren und immer leistungsfähigere Modelle. Microsoft, Google, Amazon und OpenAI pumpen Milliarden in Infrastruktur und Software, als gäbe es kein Morgen. Doch ein belastbares Geschäftsmodell fehlt – vor allem im Privatkundensegment. Die Frage, wie sich diese Investitionen refinanzieren lassen, bleibt offen.

Während Unternehmen zögern, KI-Anwendungen in großem Stil zu lizenzieren, ist die Lage bei Endverbrauchern noch prekärer. Zwar nutzen Millionen täglich Chatbots, Bildgeneratoren oder Sprachassistenten – doch die Zahlungsbereitschaft ist gering. Die meisten Angebote sind kostenlos oder in abgespeckten Versionen frei verfügbar. Premium-Abos wie „ChatGPT Plus“ oder „Claude Pro“ erreichen bislang nur eine kleine, technikaffine Zielgruppe. Die Monetarisierung stagniert.

Nun scheint sich ein Muster zu wiederholen, das die Digitalwirtschaft seit Jahrzehnten prägt. Fast jede mediale Innovation – vom VHS-System über das frühe Internet bis hin zu Streaming-Plattformen oder Virtual-Reality-Angeboten – gewann erst dann wirtschaftliche Bedeutung, als sich über sie erotische Inhalte verbreiten ließen. Der Markt für Begehren war stets der erste, der neue Technologien massentauglich machte.

Vor diesem Hintergrund ist es mehr als eine Randnotiz, dass OpenAI künftig emotionalere Dialoge in ChatGPT zulassen will. In einem aktuellen Blogpost betont das Unternehmen, dass viele Nutzer ChatGPT in belastenden Situationen aufsuchen – als Gesprächspartner, als Trostspender, als digitale Schulter zum Anlehnen. Die KI wird nicht mehr nur als Informationsquelle genutzt, sondern als Ort emotionaler Nähe – bis hin zu Abhängigkeiten. Der Film Her hat diese Entwicklung vorweggenommen, die Realität holt ihn nun ein.

Was zunächst wie ein Schritt zu mehr Einfühlsamkeit erscheint, dürfte in Wahrheit ein kalkulierter Testlauf in Richtung Kommerzialisierung sein. Wenn selbst OpenAI das bisherige Tabu emotionaler Intimität aufbricht, lässt das tief blicken. Offenbar fürchtet man, dass sich KI im Massenmarkt nur dann durchsetzt, wenn sie auch die intimsten Bedürfnisse ihrer Nutzer anspricht.

Vielleicht erleben wir damit das paradoxeste Kapitel der Tech-Geschichte: Ausgerechnet die Technologie, die als rationalste aller Innovationen gilt, muss sich nun mit dem ältesten Geschäftsmodell der Welt retten. Die Integration emotionaler Inhalte könnte zum Indiz werden, dass die KI-Ökonomie in der Realität ankommt – und zwar dort, wo sie sich am besten monetarisieren lässt.

OpenAI dürfte nicht der einzige KI-Entwickler sein, der sich diese Erkenntnis zu eigen macht.

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