Deutsche Telekom Telekom-Vorstandsfrau Marion Schick schmeißt hin

Plötzlicher Wechsel im Personalressort: Mit Marion Schick verlässt die erste Vorzeigefrau den Konzernvorstand der Deutschen Telekom schon wieder.

Seit Juli 2012 war sie als Nachfolgerin des leutseligen Thomas Sattelberger Personalvorstand der Deutschen Telekom: Marion Schick. Nun verlässt sie nach nicht einmal drei Jahren den Konzern. Quelle: dapd

Jetzt ist es amtlich, was auf den Fluren der Bonner Telekom-Zentrale schon länger getuschelt wurde. Marion Schick, die erste Frau an der Spitze des Personalressorts, verlässt den Telekom-Vorstand Ende des Monats. Offiziell heißt es „aus gesundheitlichen Gründen“: Aber bei der Telekom wird schon länger darüber debattiert, ob die Managerin der Aufgabe gewachsen war.

Neben der Europa-Chefin Claudia Nemat war Schick die zweite Vorzeigefrau im Telekom-Vorstand. Fast gleichzeitig hatte der ehemalige Konzernchef René Obermann Nemat und Schick Anfang 2012 in den Telekom-Vorstand geholt. Zwei von sechs Vorstandsposten hatte Obermann mit Frauen besetzt und damit bei der Umsetzung der Frauenquote eine Vorreiterrolle übernommen. Mit 33 Prozent lag die Telekom weit über dem Durchschnitt der Dax-Konzerne und konnte sich als einer der besten Frauenförderer in der Republik feiern lassen.

Die mächtigsten Managerinnen der Welt
Platz 15: Alison Cooper, Imperial TobaccoGauloises dürfte die bekannteste Marke des britischen Konzerns Imperial Tobacco sein, dem Alison Cooper vorsteht. Seit 2010 ist die 47-Jährige CEO des Konzerns. Sie habe den Tabak-Riesen wieder auf die richtige Spur gebracht, indem sie in wachsende Märkte investiert habe, wie zum Beispiel Kasachstan, schreibt das Magazin „Fortune“ über die Managerin. Für die amerikanische Zeitschrift ist sie auf Platz 15 der mächtigsten Managerinnen weltweit. „Fortune“ – bekannt für Ranglisten wie die Fortune-500 – hat jetzt ein Ranking der wichtigsten Geschäftsfrauen veröffentlicht. Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 14: Marissa Mayer, YahooWegen ihr sieht Google so aus, wie es aussieht: Marissa Mayer (hier mit Ryan Lewis und Macklemore) war bei dem Suchmaschinenkonzern fast von Anfang an dabei und unter anderem zuständig für die Optik der wichtigsten Produkte. Seit Jahren gilt sie als Überfliegerin der Internet-Branche. 2012 wechselte sie von Google zu Yahoo - als Vorstandsvorsitzende. Weil sie gleichzeitig ihre Schwangerschaft bekannt gab war das Medienecho groß, sie dürfte eine der bekanntesten Managerinnen überhaupt sein. Im Ranking von „Fortune“ schafft sie es auf Rang 14. Bewertet wurden für die Liste unter anderem die Größe und der Zustand des Unternehmens, der Verlauf der individuellen Karriere und das Standing in der internationalen Geschäftswelt. Quelle: AP
Platz 13: Safra Catz, OracleDer Konzern Oracle versorgt große Teile der Weltwirtschaft mit Software - zum Beispiel Datenbankanwendungen. Viele Entscheidungen im Konzern trifft die CFO Safra Catz, was sie in den Augen von „Fortune“ zu einer der einflussreichsten Figuren in der Technologiebranche macht. Quelle: Presse
Platz 12: Phebe Novakovic, General DynamicsSeit 2013 ist Novakovic CEO beim Rüstungskonzern General Dynamics. Die 56-jährige Amerikanerin ist vom Fach: Vorher arbeitete sie für die CIA. General Dynamics ist dabei, sein internationales Geschäft auszubauen, vor allem die Bestellungen von Flugzeugen des Herstellers Gulfstream, der zu General Dynamics gehört, kommen zu großen Teilen aus dem Ausland. Quelle: Presse
Platz 11: Sheryl Sandberg, FacebookSie ist die Nummer zwei im Facebook-Imperium: Als Chief Operating Officer ist sie an der Seite von Mark Zuckerberg für das geschäftliche zuständig. Vor ihrem Engagement bei dem sozialen Netzwerk arbeitete sie bei Google, der Weltbank und dem US-Finanzministerium. Sandberg beschäftigt sich viel mit der Rolle von Frauen in der modernen Gesellschaft und sieht sich selbst als Vorreiterin. Im März erschien ihr Buch über Frauen und Karriere „Lean In: Women, Work, and the Will to Lead“. Quelle: dpa
Platz 10: Gail Kelly, WestpacDie größte Bank Australiens wird seit 2008 geführt von Gail Kelly, die seit dem jährlich auf einem der vorderen Plätze in der „Forbes“-Liste der mächtigsten Frauen der Welt landet. Auch im dem in diesem Jahr zum ersten Mal veröffentlichten „Fortune“-Ranking schafft sie es in die Top-Ten. Unter ihrer Führung entwickelte sich die Westpac-Group hervorragend und zählt zu den erfolgreichsten Unternehmen des Landes. Durch eine Anhebung der Darlehenszinsen allerdings machte sich Kelly bei den Australiern nicht unbedingt beliebt. Sie begründete den Schritt mit niedrigen Sparquoten in Australien. Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 9: Patricia Woertz, Archer Daniels Midland „Woertz genießt international große Glaubwürdigkeit“ lobt „Fortune“. Seit acht Jahren ist die Amerikanerin CEO des Lebensmittelkonzerns Archer Daniels Midland (ADM), der zum Beispiel Soja- und Getreideprodukte herstellt. Das Unternehmen machte im Jahr 2011 mehr als 80 Milliarden Dollar Umsatz und hat mehr als 30.000 Mitarbeiter. Die 60-jährige Woertz hat vor ihrem Engagement bei ADM bei Ernst&Young und für Chevron gearbeitet. Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 8: Meg Whitman, Hewlett-Packard Hewlett-Packard (HP) war einer der großen Vorreiter zu Beginn des Computerzeitalters und ist mit für die Existenz des Silicon Valley verantwortlich. Mittlerweile muss HP sich vor allem der Konkurrenz aus China stellen: Lenovo hat die Amerikaner als größter PC-Hersteller überholt. Meg Whitmen sitzt bei HP seit 2011 am Steuer und soll den Konzern wieder auf Kurs bringen. Gleichzeitig ist Whitmen als Politikerin aktiv, sie kandidierte für die Republikaner für das Gouverneursamt in Kalifornien. Quelle: dpa
Platz 7: Marillyn Hewson, Lockheed MartinDie zweite Managerin eines Rüstungskonzerns in der Liste ist die erst kürzlich ernannte Marillyn Hewson. Auch sie soll das internationale Geschäft ausbauen. Doch auch wenn die meisten Produkte bisher an die US-Regierung verkauft werden, „haben sie doch einen direkten Einfluss auf die globale Diplomatie“, so die Redaktion von „Fortune“. Hewson ist eines der wenige Eigengewächse in der Welt der Top-Manager: Sie arbeitet seit 1982 für Lockheed Martin. Quelle: REUTERS
Platz 6: Irene Rosenfeld, Mondelez International Mondelez International hieß bis 2012 Kraft Foods und ist der drittgrößte Nahrungsmittelhersteller der Welt. Rosenfeld arbeitete seit 1995 für Kraft, wechselte dann für zwei Jahre zum Konkurrenten PepsiCo und kehrte 2006 als Vorstandsvorsitzende zurück. Unter ihrer Leitung stieg der Konzern zum größten Schokoladenhersteller der Welt auf und sie war es auch, die die Aufspaltung in Mondelez (weltweites Geschäft) und Kraft Foods (US-Geschäft) auf den Weg gebracht hat. Quelle: imago
Platz 5: Ellen Kullman, DuPontDer amerikanische Chemiekonzern DuPont stellt unter anderem Saatgut und Materialien wie Teflon und Kevlar her. Ellen Kullmann hat das Unternehmen „neu erfunden“ und dabei international breiter aufgestellt, so „Fortune“. Quelle: REUTERS
Platz 4: Maria das Graças Silva Foster, PetrobrasDie zweite Managerin unter den Top-10, die nicht aus den USA kommt ist die Brasilianerin Maria das Graças Silva Foster. Schon im Alter von 24 begann Foster als Praktikantin bei Petrobras, die heute 60-Jährige ist die erste Frau an der Spitze eines Erdölunternehmens. Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 3: Indra Nooyi, PepsiCo Auch der zweitgrößte Lebensmittelhersteller der Welt wird von einer Frau geführt. Seit 2006 ist Indra Nooyi CEO von PepsiCo, dem größten Konkurrenten von Coca Cola. Sie hat die Verkäufe außerhalb der USA mehr als verdoppeln können, mittlerweile kommt die Hälfte der Einnahmen aus dem Ausland. Das bringt ihr im Ranking von „Fortune“, das besonders auf internationales Engagement achtet, den dritten Platz ein. Quelle: REUTERS
Platz 2: Virginia Rometty, IBMMit einer Marktkapitalisierung von fast 200 Milliarden Dollar ist IBM der wertvollste Konzern, der von einer Frau geführt wird. Virginia „Ginni“ Rometty führt das Unternehmen seit 2012 und auch sie versucht immer mehr internationale Märkte zu erschließen. Vor allem in Afrika sieht sie große Chancen für den Technologiekonzern. Quelle: REUTERS
Platz 1: Mary Barra, General MotorsDie neue Chefin des US-Autobauers General Motors (GM) führt die „Fortune“-Liste der mächtigsten Managerinnen der Welt an. Die 52-Jährige, steht, wie viele andere in diesem Ranking, auch schon auf der „Forbes“-Liste der 50 mächtigsten Frauen der Welt. Barra hatte Mitte Januar als erste Frau die GM-Führung übernommen und ist damit die erste Frau, die einem großen Autokonzern vorsteht. Die Managerin war zuvor schon mehr als 30 Jahre bei dem Autobauer aus Detroit beschäftigt und hatte sich zielstrebig im Konzern nach oben gearbeitet. Sie saß in den vergangenen Jahren auch im Aufsichtsrat von Opel. Quelle: REUTERS

Doch Schick tat sich von Anfang schwer, in die großen Fußstapfen ihres Vorgängers Thomas Sattelberger zu treten. Er hatte mit seinen Plänen zur Einführung einer konzernweiten Frauenquote eine große gesellschaftliche Debatte angestoßen. Doch solche Initiativen blieben in den vergangenen zwei Jahren Mangelware. In der internen Hackordnung des Telekom-Vorstands wurde die ehemalige Kultusministerin schnell durchgereicht. Unter ihren Vorgängern Heinz Klinkhammer und Thomas Sattelberger war das Personalressort noch ein echtes Schlüsselressort und ein starkes Machtzentrum.

Schon Anfang 2013, kurz nach der Ernennung von Timotheus Höttges zum neuen Vorstandsvorsitzender ab dem 1. Januar 2014, wurden intern die ersten Wetten angenommen, welcher Vorstand als erster seinen Posten räumen muss. Viele haben auf Schick gesetzt – und Höttges hat gerade mal vier Monate gebraucht, damit sich diese Vorahnung bewahrheitet.

Die Suche nach einem Nachfolger stellt den Aufsichtsrat vor eine schwere Aufgabe. Denn traditionell will der starke Gewerkschaftsflügel bei der Auswahl ein wichtiges Wörtchen mitreden. Es gibt aber nur wenige Personalvorstände bei den Dax-Unternehmen, die im Arbeitgeber- und Arbeitnehmerlager gleichermaßen anerkannt sind. Dieses Mal gestaltet die Suche sogar noch schwieriger. Höttges, dass hat er schon bei seiner Antrittsrede vor den Mitarbeitern im Januar kund getan, will einen radikalen Kulturwandel im gesamten Konzern. All die alten, aber immer noch vorhandenen Zöpfe aus Bundespostzeiten sollen abgeschnitten werden. Die „Silomentalität“ mit ihren unendlich langen internen Abstimmungsprozessen will Höttges abschaffen. Gleichzeitig will der neue Chef eine „positive Fehlerkultur“ im Konzern aufbauen, „bei der niemand der Kopf abgesägt wird, wenn er mal einen Fehler macht“. Das, sagte Höttges, sei einer seiner wichtigsten Aufgaben.

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Für solch einen Kulturwandel braucht es einen starken Personalchef, der auch mal unkonventionelle Wege einschlägt und die Führungskräfte mitreißt. Gut möglich, dass sich für diese anspruchsvolle Aufgabe erneut eine Frau findet. Eine Quereinsteigerin aus der Politik, so viel scheint jetzt schon festzustehen, wird es aber nicht noch einmal geben.

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