WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Wiwo Web Push

Mexico City Gepanzerte Limousinen: Das Geschäft mit der Angst

Seite 2/3

Mexiko City: Die hohe Kriminalitätsrate in der größten Stadt der Welt lässt die Nachfrage nach gepanzerten Fahrzeugen ansteigen Quelle: Hector Fernandez - Fotolia.com

Dafür nutzt BMW ein ehemaliges Montagewerk, das als Vorläufer des US-Standorts Spartanburg gebaut und als Hebel gegen die horrenden Importzölle auf dem aufstrebenden mexikanischen Markt gedacht war. Die so genannte CKD-Fertigung von Fahrzeugen der Fünfer- und Dreier-Baureihe haben sie dort längst eingestellt, nachdem das Land die Zollgrenzen gelockert und BMW die Fabrik in den USA eröffnet hat. Doch die mexikanischen Werksleiter Carlos Wieda und Ulrich Gut haben noch immer reichlich zu tun. Denn vom ersten Tag an wurden in Toluca auch gepanzerte Fahrzeuge aufgebaut. Und heute machen ihre etwa 40 Monteure, die vor einigen Jahren im Zuge der vertraglich abgesicherten Nachbarschaftshilfe sogar mal gut hundert Porsche 911 gegen Beschuss und Begehrlichkeit gewappnet haben, tagein tagaus nichts anderes mehr: „Unsere Kapazität reicht für bis zu 700 Fahrzeuge im Jahr“, sagt Gut. Und wer in seine voll gestellte Werkshalle schaut, sieht schnell, dass nach oben nicht mehr viel Luft ist.

Scheiben dicker als ein Taschenbuch

In einem Prozess von rund 250 Arbeitsstunden werden die beinahe komplett montierten Neuwagen aus Deutschland und den USA in Toluca vollkommen entkernt und dann weitgehend von Hand mit Spezialstahl, Kevlar- oder Aramid-Fasern und Panzerglas wieder aufgebaut. Über 200 maßgeschneiderte Einzelteile liegen in den Gitterboxen und auf den Rollwagen um die beinahe wieder rohen Karossen, die passend dimensioniert und vor allem richtig montiert, die Kugeln stoppen sollen. Die Türen sind dann zwar zentnerschwer, und die Scheiben dicker als ein Taschenbuch. „Aber so halten diese Autos dem Beschuss mit fast allen Pistolen, Revolvern und Gewehren zum Teil bis hin zur Kalaschnikov Stand“, sagt BMW-Manager Gut und zeigt auf einen pockennarbigen Dreier im Ausstellungsraum des Werkes. Der silberne Wagen sieht nach der amtlichen Beschussprobe von außen aus wie ein Schweizer Käse. Aber der Innenraum hat den Kugelhagel unbeschadet überstanden.

Dem Vorbild von BMW wollen offenbar auch andere Hersteller folgen. Zumindest bei den Umrüstern hört man deshalb in diesem Sommer immer wieder Gerüchte, wonach unter anderem Chrysler und VW nach geeigneten Partnern für eine Panzermontage in Mexiko suchen. Und auch Mercedes– die Stuttgarter feiern in diesen Tagen mit einem gepanzerten S 600 Pulmann „80 Jahre Sonderschutz ab Werk“ – denkt angeblich über eine Neuordnung der Guard-Produktion nach und hat dabei Mexiko für die Produktion von B4-Modellen ganz oben auf der Liste stehen. In Stuttgart allerdings gilt das noch als Gerücht, das Guard-Produktmanager Rainer Gärtner nicht kommentieren will.

Rund 20 Spezialfirmen rund um Mexiko City

Zwar gelten die schusssicheren Limousinen aus Deutschland bei der mexikanischen Oberschicht als erste Wahl, so dass die Importeure durchweg gute Geschäfte melden können: „Wir verkaufen hin Mexiko im Jahr deshalb über 100 gepanzerte Fünfer, X5 und Siebener und kommen so in den einzelnen Modellreihen auf einen Security-Anteil von mehr als 20 Prozent“, sagt Erik Suarez, der für BMW den Verkauf der Sonderschutzfahrzeuge in Südamerika leitet. Mercedes meldet pro Jahr etwa 80 E-, 25 S-Guard sowie eine handvoll gepanzerter Maybachs. Und allein in den ersten sechs Monaten hat Audi vom A6 über 20 Sicherheitsmodelle zugelassen.

Doch kann und will nicht jeder Besserverdiener ein gepanzertes Auto aus Deutschland fahren. Deshalb gibt es rund um die Hauptstadt etwa 20 Spezialunternehmen, die auch andere Fahrzeuge auf Nummer sicher trimmen. Eines ihrer besten Argumente ist der Preis: „Während man bei uns für einen Security-BMW mit rund 60.000 Dollar Aufschlag kalkulieren muss, gibt es den Schutz dort schon für 35 bis 45 000 Dollar“, muss BMW-Manager Wieda einräumen: „Allerdings hat die Sache einen Haken: Die Qualität ist längst nicht so gut, und anders als bei den Werkspanzerungen schaut dort in der Regel keiner nach Fahrwerk, Bremsen und Regelsystemen. Bei 200 bis 400 Kilo Mehrgewicht kann das schon mal Probleme machen.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%