WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Gegen alle Widerstände Wie deutsche Mittelständler Myanmar aufbauen

Seite 3/3

Der Traum vom Strand

Schon in den ersten Wochen nach dem Start im November 2014 fand das Rangoon Tea House seine Kundschaft: „Wir machen im Monat rund 60.000 Dollar Umsatz“, sagt Oo. „Und unsere Umsatzrendite liegt bei 40 Prozent.“ Das Geld investiert er wieder: In Kürze will er eine Fläche im Nebenhaus anmieten und dort in einer Art Biosupermarkt burmesische Produkte verkaufen.

Als Haupthindernisse für sein Unternehmen nennt Oo zwei Punkte: Erstens, frische Lebensmittel zu bekommen ist wegen der langen Transportwege sehr aufwendig. „Besonders Fleisch ist ein Problem“, sagt Oo. „Kunden haben sich schon über zu viele Knochen im Hühner-Curry beschwert, aber die Tiere sind hier einfach sehr klein.“

Bauern in Myanmar Quelle: Mathieu Willcocks für WirtschaftsWoche

Zweitens sei es schwierig, gute Kellner zu finden. 35 Leute beschäftigt Oo, Erfahrung hat so gut wie niemand. Die meisten Burmesen besuchen nur vier Jahre lang eine Schule. Oo hat drei Fachleute in Küche, Bar und Service angestellt, die seine Mitarbeiter ausbilden. „Ich versuche, ihnen Spaß bei der Arbeit zu vermitteln“, sagt der Unternehmer. Und er zahlt mit 250 Dollar im Monat überdurchschnittlich viel.

Oo rechnet mit mehr Konkurrenz, aber das sieht er auch positiv: „Mehr Wettbewerb wird dazu führen, dass es besseres Personal gibt und mehr Leute hochwertiges burmesisches Essen schätzen.“

Andre Schneegass träumte von einem Strand, einen Kilometer lang und geformt wie ein Halbmond. Kokospalmen wachsen dort, hinter dem Sand schwingen sich Hügel in 250 Meter Höhe, von denen man einen atemberaubenden Blick auf den Indischen Ozean hat. Auf dem Strand stehen zehn Bambushütten mit Terrassen, mittendrin ein Gemeinschaftshaus samt kleinem Restaurant mit Reis, frischem Fisch, Papayas und Avocados. Es gibt kein Internet, die Leute, die hierherkommen, verabschieden sich für einige Tage von allem, um nur Sonne, Wasser und Wind zu spüren.

Schneegass hat diesen Strand gefunden. Das Problem ist nur: Er darf dort nicht bauen.

Unverschämt billig

Zum ersten Mal kam der Thüringer Event-Manager 2010 als Urlauber nach Myanmar. Damals war Land noch unverschämt billig. „1,5 Hektar für 5000 Dollar, hat man mir erzählt“, sagt der 31-Jährige. Das Land war unberührt vom Massentourismus, die Strände aber waren mindestens so schön wie die in Thailand. Das touristische Potenzial ist riesig.

„Als Ausländer darf man kein Land kaufen“, sagt er. „Du musst ein Joint Venture gründen, dafür brauchst du 50 000 Dollar.“

Schneegass flog nach Australien und heuerte in Kupfer- und Goldminen als Lastwagenfahrer an. Am Ende des Jahres hatte er das Geld zusammen. 2012 flog er zurück nach Myanmar und reiste durchs Land. Eines Tages verpasste er den Bus von Mandalay nach Yangon und trampte. Es stoppte ein Burmese aus dem Süden. Schneegass erzählte von seinem Traum, und der Burmese sagte: „Okay, ich kaufe das Land, du baust die Hütten.“

Im Sommer 2014 erwarb sein Partner den Strand mit seinem eigenen Geld. „Wir hatten schon im November eine Baugenehmigung“, sagt Schneegass. „Zwei Wochen später kam plötzlich die Absage von der Lokalregierung: Der Strand sei kein ausgewiesenes Bauland.“ Seitdem wartet er. Nichts geschieht.

Mittelstand und Weltmarktführer



„Zuerst hieß es, wir müssten das zuständige Komitee zum Essen einladen, damit die ein gutes Wort beim Minister einlegen.“ Das taten die Partner, aber es half nichts. Seitdem rührt sich nichts.

Das Leben in Dawei, der nächstgelegenen Stadt, ist günstig. 500 Dollar reichen im Monat. Schneegass verdient etwas Geld als Reiseleiter. Dennoch gehen seine Ersparnisse zur Neige. Vor allem aber zerren die unergründlichen Tiefen der burmesischen Bürokratie an seinen Nerven.

Trotzdem bleibt er. Manche halten ihn für verrückt. Seine Mutter hätte ihn gerne wieder daheim, die Frau seines burmesischen Partners versteht nicht, wie er ein komfortables Leben in Deutschland freiwillig aufgeben kann. „Der Strand ist mein Traum“, sagt Schneegass. „Wenn ich es jetzt nicht versuche, werde ich mir das mein Leben lang vorwerfen.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%